Bayern fördert 1,5-Liter-Auto nicht: Entwickler ziehen ins Ruhrgebiet

- München ­- Gerhard Heilmaier, Uli Sommer und Stefan Ruetz basteln an der automobilen Revolution. Die Münchner Tüftler haben ein Auto entwickelt, das mit 20 Litern Sprit von München nach Neapel fahren kann, nicht viel kosten soll und dabei noch gut aussieht. Doch weil Bayerns Wirtschaftsministerium keine Fördermittel locker machen wollte, wird das Trio den umweltfreundlichen Wagen im spendableren Nordrhein-Westfalen bauen.

Nur 1,5 Liter ­- mit so wenig Benzin schafft bislang kein Auto in Serienproduktion die 100 Kilometer. Aber das wird sich ändern, wenn Ende 2009 wie geplant der erste "Loremo" vom Band rollt. Um die 11 000 Euro soll der ultraleichte tropfenförmige Wagen kosten, der im vergangenen Jahr bereits auf dem Automobilsalon in Genf für Furore sorgte. Im Innenraum findet eine Familie mit zwei Kindern Platz, ein 20-PS-Motor beschleunigt das Gefährt immerhin auf 160 Kilometer pro Stunde.

Das klingt nach mobiler Zukunft, gerade in Zeiten, in denen Begriffe wie "Energieeffizienz" und "CO2-Emissionen" in aller Munde sind. Doch diese Zukunftsmusik wird nicht in Bayern gespielt, das heimische Spitzenpolitiker gerne als "Spitzenstandort" (Erwin Huber) für "Spitzentechnologie" (Edmund Stoiber) bezeichnen. Zwar haben Heilmaier, Sommer und Ruetz den "Loremo" in den vergangenen zehn Jahren in München entwickelt. Doch in Kleinserie montiert wird der sparsame Wunderwagen nicht in der Landeshauptstadt, wie Redakteure des Bayerischen Rundfunks herausgefunden haben (TV-Bericht heute: "Zeitspiegel" um 21.20 Uhr), sondern in der Nähe von Recklinghausen.

"Wir würden gerne im Freistaat bleiben", sagte Gerhard Heilmaier, Vorstand der kleinen Loremo AG, auf Nachfrage unserer Zeitung. "Aber Nordrhein-Westfalen bietet uns elementare Vorteile." In den nächsten sechs Monaten wird die Firma mit ihren 15 Mitarbeitern deshalb Schritt für Schritt in den Nordwesten ziehen. In München bleibt nur ein kleines Büro geöffnet.

Die Loremo AG locken zum einen niedrigere Lohnkosten Richtung Ruhrgebiet. Ausschlaggebend für den Standortwechsel war aber die finanzielle Unterstützung in Nordrhein-Westfalen: Rund 2,3 Millionen Euro schießt das Bundesland zu, damit Prototypen gebaut werden können und die Fertigungs-Konzeption vorankommt. Vom Wirtschaftsministerium im Freistaat hätte die Loremo AG keinen Euro bekommen.

Heilmaier findet das enttäuschend, das Ministerium von Erwin Huber gerechtfertigt. Bei der Vergabe von Fördermitteln werde großes Augenmerk auf "die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten, die Finanzierbarkeit und die konkrete Umsetzung" gelegt, wie es in einer schriftlichen Stellungsnahme heißt. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien hätten andere Projekte bevorzugt werden müssen. Branchenkenner spekulieren hinter der Hand, dass die Politik nicht die heimischen Autobauer BMW und Audi vor den Kopf stoßen wollte.

In NRW, mit Opel- und Ford-Werken ebenfalls ein Automobil-Standort, reibt man sich die Hände: "Wir freuen uns auf das Münchner Unternehmen mit seinem durchdachten, hoch interessanten und zukunftsfähigen Konzept", heißt es im dortigen Wirtschaftsministerium.

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