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Deutschlandweit ungeschlagen ist Bayern bei der Ausbildungsplatzdichte, der Investitionsquote und der vergleichsweise geringen Verschuldung der öffentlichen Haushalte.

Studie zu Wirtschaftskraft und Standortqualität

Bayern am Gipfel – aber Verfolger holen auf

München - Bayern ist die attraktivste und wirtschaftsstärkste Region Deutschlands, aber andere Länder entwickeln sich schneller als der Freistaat.Verschärfend kommt hinzu: Nur wenige Bundesländer werden von der Krise derart hart getroffen wie Bayern.

Es ist ein ungewohntes Bild: Da wird ein Vergleich der deutschen Bundesländer veröffentlicht – und nicht etwa das Dauer-Musterland Bayern steht auf Platz eins, sondern das bisherige Sorgenkind Sachsen-Anhalt. Zu sehen ist dies im Dynamik-Ranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der „Wirtschaftswoche“, das die Entwicklung der Bundesländer von 2005 bis 2008 anhand von 100 strukturellen Indikatoren wie Bruttoinlandsprodukt, Kaufkraft und Arbeitslosenquote untersucht. Auch auf den weiteren Plätzen zeigt sich: Was die Dynamik angeht, dominiert der Osten.

Erst auf Rang sieben findet sich mit Bayern das erste westdeutsche Bundesland. „Alle ostdeutschen Bundesländer inklusive Berlin haben am meisten vom Aufschwung der zurückliegenden Jahre profitiert“, erklärte INSM-Geschäftsführer Max Höfer bei der Vorstellung der Studie. Vor allem bei der Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes konnten die neuen Bundesländer die alten überflügeln. Während die Bruttowertschöpfung in diesem Bereich im Osten um 22,9 Prozent zulegte, war im Westen nur ein Zuwachs um 13,2 Prozent zu verzeichnen.

Bayerns Stärken

Es wächst also Konkurrenz heran, doch im Bestandsranking, das nicht die Entwicklung, sondern die aktuelle Situation der Standortqualität erfasst, ist Bayern nach wie vor ungeschlagen. Punkten konnte der Freistaat unter anderem mit der Kaufkraft seiner Einwohner. Im Durchschnitt verfügt jeder Bayer hierbei jährlich über 20 571 Euro – im Bundesdurchschnitt sind es nur 18 946 Euro.

Auch was die Belastung durch Arbeitslosengeld II angeht, steht der Freistaat besser da als alle anderen Bundesländer. Lediglich 2,8 Prozent der bayerischen Bevölkerung erhalten diese Form staatlicher Unterstützung, bundesweit sind es 6,1 Prozent. Weit überdurchschnittlich ist auch die Arbeitsplatzversorgung in Bayern. Während der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren in der Bundesrepublik bei exakt 70 Prozent liegt, sind im Freistaat 74,1 Prozent in Lohn und Brot.

Deutschlandweit ungeschlagen ist Bayern zudem bei der Ausbildungsplatzdichte, der Investitionsquote und der vergleichsweise geringen Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Zudem stellt sich der Freistaat bei Straftaten und ihrer Aufklärung sowie der privaten Verschuldung vorbildlich dar.

Bayerns Schwächen

Doch das Musterland hat auch Schwächen. So sind die Arbeitskosten in Bayern so hoch, dass zwölf andere Länder hierbei besser abgeschnitten haben. Bundesweit muss ein Unternehmer für einen Arbeitnehmer im Durchschnitt jährlich 34 171 Euro aufwenden, in Bayern liegt der Betrag mit 35 940 Euro deutlich höher. Auch die niedrige Kitabetreuungsquote werteten die Autoren der Studie als Schwäche des Freistaats.

In Bayern besuchen 13,2 Prozent der Kinder unter drei Jahren eine Kindertagesstätte, deutschlandweit sind es 17,6 Prozent. Beim Anteil der Hochschulabsolventen an allen Beschäftigten muss sich der Freistaat ebenfalls einigen Ländern geschlagen geben. Unter den bayerischen Arbeitnehmern haben exakt zehn Prozent ein Studium abgeschlossen, der Bundesschnitt liegt bei 10,1 Prozent – ein winziger Unterschied, der den Freistaat in diesem Bereich aber auf Platz acht zurückwarf.

Auch in der Krise erwies sich Bayern als angreifbar. In einem gesonderten Index, der die Entwicklung von Juni 2008 bis Juni 2009 widerspiegelt, zeigte sich: Nur fünf Bundesländer wurden härter getroffen als der Freistaat, dessen Bruttoinlandsprodukt um 6,6 Prozent einbrach. „Wie in Baden-Württemberg auch leidet die stark exportabhängige Industrie im Freistaat besonders“, erläuterte Studienleiter Michael Bahrke. Allerdings hatte Bayern deshalb mehr zu verlieren als andere, weil es dem Land zu Beginn der Krise gerade besonders gut ging. Die Wirtschaft im Freistaat, sagte Bahrke, „hatte zuvor überdurchschnittlich vom Aufschwung profitiert“.

Andreas Zimniok

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