Bayern hofft auf goldenen Herbst

München - Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im August saisonbedingt um 7900 auf 259 800 gestiegen. Dennoch sind es gut 20 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit berichtete.

Die Arbeitslosenquote im Freistaat nahm um 0,1 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte die Quote noch bei 5,1 Prozent gelegen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im Juni 2008 auf 4,515 Millionen und erreichte damit nach Angaben von Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) einen neuen Rekordwert.

Obwohl im August weniger neue Stellen geschaffen worden seien, halte Bayern sich auf einem hohen Niveau, sagte der Chef der Regionaldirektion, Rainer Bomba. Die Arbeitslosenquote habe mit 3,9 Prozent den niedrigsten August-Wert seit 1993 erreicht. Der Freistaat hat damit weiterhin die niedrigste Arbeitslosigkeit in Deutschland, gefolgt von Baden-Württemberg mit einer Quote von 4,1 Prozent.

Der leichte Anstieg der Erwerbslosenzahlen um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat sei jahreszeitlich bedingt. Nach Angaben der Regionaldirektion belasteten der Beginn der Sommerferien und auslaufende Ausbildungsverträge den Arbeitsmarkt. So befänden sich viele junge Leute nach dem Abschluss ihrer Ausbildung noch auf Stellensuche und seien daher noch arbeitslos gemeldet. Auch verschöben viele Unternehmen Einstellungen bis nach Ende der großen Ferien. Ein deutlicher positiver Schub wird erst für den September erwartet.

Die Arbeitslosigkeit bei den unter 20-Jährigen stieg im Vergleich zum Vormonat um 55,4 Prozent, lag aber immer noch um 41,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. In 31 von 96 Städten und Landkreisen lag die Arbeitslosenquote bei unter drei Prozent. Am niedrigsten war sie weiterhin in den Landkreisen Eichstätt (1,5 Prozent) und Unterallgäu (1,9 Prozent), die ihre Eins vor dem Komma halten konnten. Die höchste Quote verzeichnete wie bisher der Agenturbezirk Hof mit 6,3 Prozent.

Der Bezirk Oberbayern verzeichnete mit 83 108 Arbeitslosen eine Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent nach 3,6 Prozent im Juli und 4,5 Prozent im August des Vorjahres. Die Regionaldirektion betonte, dass auch der bayernweit schlechteste Wert immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liege. "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Bayern hat im August wie üblich saison- und ferienbedingt eine kurze Verschnaufpause eingelegt", sagte Müller und kündigte an, dass die Arbeitslosigkeit im Herbst weiter zurückgehen werde. Ministerpräsident Günther Beckstein freute sich trotz des leichten Zuwachses von Arbeitsuchenden über die "niedrigste Augustarbeitslosigkeit seit 15 Jahren".

In dem vergleichsweise schwachen Regierungsbezirk Oberfranken mit einer Arbeitslosenquote von fünf Prozent sei die Arbeitslosigkeit am stärksten abgebaut worden, teilte die Regionaldirektion mit. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Bezirk ein Minus von 27,3 Prozent verzeichnen.

Ausbildungsrekord bei Metall und Elektro

Mit 15 000 neuen Lehrverträgen und damit insgesamt mehr als 40 000 Auszubildenden in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie rechnet Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände BayME und VBM, zum Ausbildungsstart am 1. September. Das seien rund zehn Prozent mehr Lehrverträge als im Vorjahr. "Damit steuern wir trotz Abkühlung der Konjunktur auf ein Rekordniveau zu", sagte Brossardt am Donnerstag.

Eine aktuelle Umfrage unter 281 Mitgliedsfirmen hat ergeben, dass 87 Prozent der Unternehmen ausbilden, knapp 40 Prozent davon über Bedarf. Fast 59 Prozent haben gegenüber 2007 ihr Ausbildungsniveau gehalten, mehr als ein Drittel beschäftigt mehr Azubis. Nur rund vier Prozent gaben an, weniger junge Menschen auszubilden als im Vorjahr.

Bislang noch nicht alle Lehrstellen besetzen konnten 16 Prozent der Mitgliedsbetriebe. Gesucht werden vor allem Fachinformatiker, technische Zeichner, Verfahrens- und Werkzeugmechaniker und kaufmännische Angestellte. Informationen gibt es unter der Telefonnummer (0911) 27 77 96 80.

Dass die Zeitwende auf dem Ausbildungsmarkt überschritten ist, sei das Verdienst großer Anstrengungen der bayerischen Arbeitgeber, sagte Brossardt. Mit der 2003 ins Leben gerufenen Lehrstelleninitiative und der gemeinsam mit der IG Metall Bayern 2007 initiierten Ausbildungsaktion wurden in den vergangenen fünf Jahren knapp 3000 neue Lehrstellen geschaffen.

Die Zukunft der Ausbildung sieht Brossardt in ihrer Spreizung: "Es wird mehr theorieentlastete Ausbildungsberufe an einem und mehr duale Studiengänge am anderen Ende geben müssen."

sd

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