Bayern holt seine Fachkräfte nach Hause

München - Der weltweite Wettbewerb um kluge Köpfe ist hart – und Bayern gehen die Fachkräfte aus. Eine Idee des Wirtschaftsministeriums: „Return to Bavaria“ – ein Rückholprogramm für ausgewanderte Bayern. Die ersten sind bereits zurück zu Hause.

Zwölf Jahre war Jan-Mels Brandt im Ausland – USA, Australien, Kanada. Jetzt will er zurück in die Heimat und die liegt in der Oberpfalz. Brandt ist einer von drei Millionen deutschen und 500 000 bayerischen Fachkräften, die im Ausland leben und arbeiten. Das bayerische Wirtschaftsministerium will diese Fachkräfte zurück in den Freistaat holen – helfen soll dabei die Initiative „Return to Bavaria“, die vor sechs Monaten gestartet wurde.

Das Rückholprogramm soll deutschen und bayerischen Talenten den Weg zurück in die Heimat ebnen. Denn hier herrscht Fachkräftemangel. Laut einer Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft fehlen 2020 in Bayern 230 000 Fachkräfte, im Jahr 2035 sollen es 620 000 sein. „Ich will die klügsten und besten Köpfe der Welt für den Freistaat gewinnen“, sagt Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) – unter anderem mit dem Rückholprogramm.

25 Auswanderer konnte das Programm bereits zurück in den Freistaat locken. In der Return-to-Bavaria-Geschäftsstelle am Münchner Marienplatz bringen Leiterin Kerstin Dübner-Gae und ihre Kollegen Rückkehrwillige mit Firmen zusammen, sie bieten Hilfe bei der Wohnungssuche, beim Umzug und den Behörden. Herzstück des Programms ist eine jährliche Konferenz, die in dieser Woche zum ersten Mal in München stattfindet.

„Willkommen zu Hause“ steht auf einem großen Schild – blaue Schrift auf weißem Grund. 100 rückkehrwillige Auswanderer hat das bayerische Wirtschaftsministerium zur Konferenz geladen. In der BMW-Welt haben 30 bayerische Firmen Info-Stände aufgebaut – Audi, Siemens, Roche, Linde, Infineon und Bosch, aber auch Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft. Drei Tage Workshops, Networking und Vorstellungsgespräche. Die Frauen und Männer kommen aus zwölf Ländern rund um den Globus – die meisten aus den USA, Kanada und Großbritannien, aber auch Kandidaten aus Singapur, Saudi-Arabien und Brasilien sind dabei. Drei Viertel der Angereisten haben promoviert, über 80 Prozent kommen aus den MINT-Berufen (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) – hier gibt es besonders großen Bedarf in Bayern.

Auch Jan-Mels Brandt (38) hat promoviert. Er ist Ingenieur, sein Spezialgebiet: Medizintechnik. Seit vier Jahren lebt und arbeitet er in Winnipeg, Kanada. Vor vier Monaten wurde er Vater. „Ich will, dass mein Sohn in der Oberpfalz aufwächst“, sagt Brandt. Nach zwölf Jahren im Ausland sei der Kontakt zu Deutschland, das berufliche Netzwerk, nicht mehr so da, erläutert Brandt. „Return to Bavaria“ sei da genau das Richtige. Und Brandt ist genau der richtige Kandidat für das Rückkehrerprogramm. Ingenieure wie er sind in Bayern gefragt. Die ersten Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern hat Brandt in den letzten Tagen bereits geknüpft. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten will er gemeinsam mit seiner kanadischen Frau und dem Sohn Kanada den Rücken kehren.

Spätestens in einem Jahr will auch Ulrike Schötz ihre Koffer packen. Die 36-jährige Biotechnologin leitet seit gut zwei Jahren ein Studienprojekt in London – Krebsforschung am Imperial College. Das Projekt ist bald abgeschlossen, ihren Vertrag könnte sie ohne Probleme verlängern. Doch die Sehnsucht nach Familie und Freunden ist stärker. Schötz plant ihren Umzug – zurück nach Niederbayern. Von dem „Return to Bavaria“ habe sie von ihren Eltern erfahren, erzählt die Biotechnologin. Vor einigen Monaten schickte sie die erste E-Mail ab, verabredete sich zu einem Beratungsgespräch und wurde zur Konferenz eingeladen. „Ich komme aus dem akademischen Bereich, will aber in die Industrie“, sagt Schötz. Der Kontakt zu den Firmen ist für sie Gold wert.

Auch die Unternehmen, die an der Konferenz teilnehmen, profitieren. „Wir setzen immer mehr auf Menschen, die in internationalen Netzwerken denken und arbeiten“, sagt Barbara Bergmeier, Leiterin Personalwesen bei BMW. Sie hat selbst drei Jahre die BMW-Fahrzeugmontage in South Carolina geleitet und kam danach zurück nach Deutschland. Sie weiß, wovon sie spricht. Hochqualifizierte Fachkräfte mit Auslandserfahrung sind die idealen Bewerber – nicht nur bei BMW.

Auch die Fraunhofer-Gesellschaft setzt auf international geprägte Wissenschaftler. Europas größte Organisation für angewandte Forschung stellt jedes Jahr rund 1000 neue Mitarbeiter ein. Momentan sind allein in Bayern rund 200 Stellen vakant. „Fraunhofer steht für Innovationen. Wir brauchen Leute, die über ihren Tellerrand hinausgeschaut haben – was die Wissenschaft angeht und den interkulturellen Bereich“, sagt Michael Vogel, Leiter Personalmanagement bei Fraunhofer. 15 bis 20 tiefgehende Gespräche habe er in den letzten Tagen geführt. Vielleicht ist die ein oder andere Stelle bald besetzt – und es fehlt eine Fachkraft weniger in Bayern.

Manuela Dollinger

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