Bayern: Immer weniger Betriebe bilden aus

- München - Bayerns Betriebe ziehen sich zunehmend aus der Ausbildung zurück: Nicht einmal jeder zweite ausbildungsberechtigte Betrieb bot 2005 eine Lehrstelle an (2004: 52 Prozent). Dies belegt eine Umfrage des bayerischen Arbeitsministeriums, die unserer Zeitung vorliegt. Am stärksten ist der Rückgang bei den Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern (minus sieben Prozentpunkte) und bei den Kleinstbetrieben (minus drei Punkte). Firmen mittlerer Größe bilden dagegen überproportional aus.

Die Lehrstellenlücke ist in diesem Jahr besonders groß: Auf 315 000 Bewerber kommen derzeit gerade einmal 120 000 Angebote. Politik und Wirtschaft hoffen dennoch, die Kluft bis Herbst zu schließen. Die Vorzeichen sind allerdings ungünstig: Experten rechnen 2006 mit einem neuen Rekord bei der Zahl der Schulabgänger bis einschließlich mittlerer Reife. Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens (CSU) appelliert daher an die Betriebe: "Wir brauchen jeden Ausbildungsplatz." Zugleich ist die Ministerin optimistisch, dass es bis Jahresende für jeden ausbildungswilligen Jugendlichen ein Angebot gibt.

Potenzial für neue Lehrstellen sehen die Autoren der Studie bei der "Verbund"-Ausbildung. Dabei schließen sich mehrere Betriebe zusammen, um eine Lehrstelle zu anzubieten. 2005 wurde diese Möglichkeit aber nur von vier Prozent der Ausbildungsbetriebe genutzt - Tendenz fallend. Verbesserungschancen gibt es auch bei der Vermittlung. Nur etwa 93 Prozent der in Bayern angebotenen Lehrstellen konnten 2005 auch besetzt werden.

Eine positive Entwicklung zeigt die Studie bei der Übernahmequote. Nach den Negativ-Jahren 2002 bis 2004 stieg der Anteil der Jugendlichen, denen nach der Lehre eine Stelle im Betrieb angeboten wurde, in Südbayern von 48 auf 56 Prozent. Die höhere Übernahmequote hat allerdings auch eine Schattenseite. So bilden immer mehr Unternehmen ausschließlich für den eigenen Bedarf aus.

Die Ergebnisse zum bayerischen Lehrstellenmarkt beruhen auf dem IAB-Betriebspanel, einer jährlichen Betriebsbefragung. Um ein exakteres Bild zu bekommen, finanziert der Freistaat eine zusätzliche Unternehmensstichprobe.

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