Ausbildungsreport

DGB Bayern: Jeder vierte Azubi unzufrieden

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München - Überstunden, schlechte Bezahlung und geringe Ausbildungsqualität führen dazu, dass jeder vierte Auszubildende in Bayern unzufrieden ist. Das ergab eine Umfrage des DGB Bayern. Bedenklich ist die Situation vor allem bei den unter 18-Jährigen.

Zunächst die gute Nachricht: Dreiviertel der Lehrlinge in Bayern sind rundum zufrieden mit ihrer Ausbildung. Das ergab eine Umfrage des DGB Bayern unter 2000 Auszubildenden. Jeder Vierte klagt dagegen über Überstunden, schlechte Bezahlung oder maue Übernahmeperspektiven. „Die Qualität der Ausbildung ist an vielen Stellen mangelhaft und verbesserungswürdig“, kritisiert Matthias Jena, Chef des DGB Bayern, bei der Vorstellung des Ausbildungsreports. In seinen Augen müsste die Qualität der Ausbildung angesichts der Debatte um den Fachkräftemangel eigentlich steigen. Stattdessen hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.

Zum zweiten Mal hat der DGB Bayern untersucht, wo den Auszubildenden der Schuh drückt. Kritik gab es vor allem bei den Arbeitszeiten. Über 40 Prozent der Azubis leisten regelmäßig Überstunden – drei Prozent mehr als bei der Umfrage im Vorjahr. Gut 16 Prozent gaben zudem an, keinen Ausgleich in Form von Vergütung oder Freizeit zu erhalten – wie im Berufsbildungsgesetz vorgesehen. Besonders kritisch sieht Jena die Situation unter den unter 18-Jährigen. Gut 13 Prozent der minderjährigen Auszubildenden würden regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. „Das ist ein klarer Gesetzesverstoß.“

Unzufriedenheit herrscht aber auch an anderer Stelle: Jeder zehnte Auszubildende muss laut Umfrage häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten. 30 Prozent kennen die Inhalte ihrer Ausbildung nicht. Gut sieben Prozent gaben sogar an, keinen Ausbilder zu haben. Wie zufrieden Azubis sind, hängt auch oft mit der Größe des Betriebs zusammen. Laut Umfrage gilt: Je größer der Betrieb, desto niedriger die Zahl der Überstunden und desto besser die Ausbildungsqualität.

Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen den Branchen – was auch mit der Bezahlung zusammenhängt. Das Gehaltsgefälle unter den Ausbildungsberufen ist beträchtlich. Im Durchschnitt verdienen die Befragten 667,99 Euro pro Monat. Bankkaufleute gaben an, im Schnitt 800 Euro brutto zu verdienen, während die befragten Maler und Lackierer als Schlusslicht im Schnitt nur 417 Euro erhalten. Zudem ergab die Umfrage, dass junge Frauen mehr Überstunden leisten und häufiger in Berufen mit niedriger Vergütung ausgebildet werden als junge Männer. Im Schnitt verdienen Frauen im 3. Ausbildungsjahr knapp 100 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen.

Am Ende gaben angehende Bankkaufleute, Industriemechaniker, Mechatroniker und Steuerfachangestellte die besten Bewertungen ab. Besonders unzufrieden sind dagegen künftige Köche, Hotelfachleute, Fachverkäufer, Lebensmittelhandwerker und Zahnmedizinische Fachangestellte. Auffällig sei, dass genau in diesen Berufen auch die meisten Auszubildenden fehlen, sagt Jena. „Unbesetzte Stellen deuten hier keineswegs auf einen Fachkräftemangel hin, sondern auf unattraktive Ausbildungsplätze.“

Wer unzufrieden ist, bricht im schlimmsten Fall seine Ausbildung ab. Auch gut 13 Prozent der Befragten haben bereits einen Abbruch hinter sich. Im Schnitt lösen in Deutschland rund 24 Prozent der Azubis pro Jahr ihren Vertrag vorzeitig (Bayern: rund 21,7 Prozent). Das geht aus Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Rund die Hälfte wechselt laut BIBB in einen anderen Ausbildungsberuf, die restlichen zwölf Prozent bleiben ohne Ausbildung. Die Abbrecherquoten liegen in den Berufen, die auch in der Umfrage schlecht abschnitten, besonders hoch (siehe Kasten) – und sie steigen seit Jahren.

Um die Qualität der Ausbildung zu verbessern und die Abbrecherquote zu senken, fordert der DGB Bayern mehr Kontrollen in den Betrieben. Berufe, die wenig nachgefragt werden, müssten aufgewertet werden. Ministerpräsident Seehofer habe in seiner Regierungserklärung versprochen, dass bis zum Ende der Legislaturperiode die Jugendarbeitlosigkeit verschwunden sei, erinnert Jena. Dieses Versprechen werde er nicht vergessen.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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