Bayern könnten bei AIG zuschlagen: Allianz und Münchener Rück in d ...

Der Absturz des in der Not verstaatlichten US-Versicherers AIG weckt Begehrlichkeiten. Vor allem die deutschen Konkurrenten Allianz und Münchener Rück gelten als Kandidaten für den Kauf von Teilen des Ex-Weltmarktführers.

Die USA haben den einst weltgrößten Versicherungskonzern AIG de facto verstaatlicht, um dessen Pleite und eine neue Erschütterung der Finanzmärkte zu verhindern. Knapp vier Fünftel des gestrauchelten Riesen übernimmt die US-Notenbank Fed und gewährt dafür auf zwei Jahre einen Kredit über 85 Milliarden Dollar, der durch einen Verkauf von Teilen des Assekuranzriesen zurückbezahlt werden soll. Angesichts der Dimension dieser Finanzspritze dürfte das eine weitgehende Zerschlagung der AIG bedeuten, schätzen Finanzexperten.

"Es wird wohl auf umfangreiche Verkäufe hinauslaufen", schätzte ein Börsianer. Die AIG könne auf die Hälfte ihres bisherigen Volumens geschrumpft werden, um den Milliardenkredit zu begleichen und einen Neustart zu ermöglichen, meinte ein hochrangiger Manager. Das birgt unverhoffte Chancen für die deutschen Assekuranzkonzerne Allianz und Münchener Rück.

Wie tief deren Interesse geht und welche AIG-Teile auf den Markt kommen, ist unklar. Rück-Vorstandschef Nikolaus von Bomhard erklärte, an osteuropäischen AIG-Töchtern und Teilen der Industrieversicherung interessiert zu sein. Allianz-Chef Michael Diekmann bekundete, eventuelle Angebote zu prüfen.

Beide bayerische Assekuranzriesen sehen sich als stark genug, um auch in der globalen Finanzkrise derartige Zukäufe zu stemmen. Eine komplette Übernahme der AIG mit gut 100 000 Beschäftigten und zuletzt 110 Milliarden Dollar Jahresumsatz werde es aber weder durch die Allianz noch die Münchener Rück geben, sagen Insider.

Vor wenigen Tagen soll die Allianz allerdings zusammen mit dem US-Finanzinvestor JC Flowers zum Einstieg bei AIG bereit gewesen sein. Die Münchner lassen dieses Gerücht unkommentiert.

Zusammen mit einem Partner wie Flowers könne sich die Allianz auch größere Stücke der AIG einverleiben, schätzen Börsianer. Als erste Kandidaten für eine Abtrennung von Unternehmensteilen gelten das AIG-Geschäft mit Flugzeugleasing und die Rückversicherung Transatlantic Re, global die Nummer zehn der Branche.

Bei beidem haben Allianz und Münchener Rück bereits abgewunken. "Bisher ist nichts Interessantes für uns dabei gewesen", betonte Diekmann jüngst. Die Fed als neuer AIG-Mehrheitsaktionär könnte aber schon bald zu Notverkäufen auch anderer AIG-Teile gezwungen sein, um den jetzigen Mammutkredit zu tilgen.

Klar ist, dass die Zeiten, in denen der US-Riese in der Assekuranz weltweit das Maß aller Dinge war, über Nacht beendet wurden. Die vor Jahresfrist rund 70 Dollar teure Aktie hat über 97 Prozent ihres Werts verloren. Die Versicherungsbranche wird jetzt weltweit von Axa und Allianz angeführt, falls es nicht noch zu bisher unabsehbaren Verwerfungen kommt.

Der Absturz des einstigen Weltmarktführers ist so heftig, dass der damit einhergehende Bonitätsverfall die Industriekunden der AIG zur außerordentlichen Kündigung ihrer Policen berechtigt, betonen Assekuranz- Experten. Inklusive Normalverbrauchern bedient der US-Konzern 74 Millionen Kunden in 130 Ländern. Viele der großen AIG- Industriekunden stehen bereits bei der Allianz und anderen noch verlässlichen Branchengrößen vor der Tür, um soliden Versicherungsschutz zu bekommen, verrät ein Branchenkenner. Insofern müsse man nicht Teile der AIG kaufen, um an deren Geschäft zu kommen.

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