Bayerische Landesbank

Der Sanierer geht

München - Überraschender Rücktritt bei der Bayerischen Landesbank: Vorstandschef Gerd Häusler will seinen Vertrag nicht erfüllen und geht wohl spätestens im Frühjahr. Die Gründe sind derzeit noch völlig unklar.

Wer will, dass eine Nachricht für möglichst wenig Wirbel sorgt, platziert sie im Schatten eines Großereignisses, das alles verdrängt – zum Beispiel einer Bundestagswahl. Noch als die Wahllokale gestern geöffnet waren, wurde völlig überraschend aus dem Umfeld der Landesbank eine Nachricht bekannt, die eigentlich mehr Beachtung verdient hätte: Nach Informationen unserer Zeitung will BayernLB-Chef Gerd Häusler seinen Vertrag nicht erfüllen, sondern vorzeitig zurücktreten.

Eigentlich hat der 62-jährige Häusler einen Vertrag bis 2015. Auf Fragen nach seiner persönlichen Zukunft, ob er seinen Vertrag erfüllen oder sogar verlängern will, hatte er in der Vergangenheit stets patzig reagiert, weil sich die Frage nicht stelle. Nun gibt es sogar schon eine Antwort. Häusler wird spätestens bei der Vorlage der Bilanz für 2013 im kommenden Frühjahr seinen Posten räumen. Dem Vernehmen nach soll Häusler in seinem Vertrag ein einseitiges Kündigungsrecht mit einer Frist von nur vier Wochen haben. Ein Sprecher der Bayerischen Landesbank wollte sich am Sonntagabend nicht äußern.

Die Gründe für den Rückzug blieben am Sonntagabend völlig unklar. Aus dem Umfeld des Landesbankchefs war zu hören, dass die Bank nun gut aufgestellt sei, weil das EU-Beihilfeverfahren erfolgreich abgeschlossen ist, große Beteiligungen wie die Landesbausparkasse (LBS) und die Immobilien-Tochter GBW verkauft sind. Doch einen konkreten Anlass für einen Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt gibt es auf den ersten Blick nicht.

Politische Gründe sind eine Woche nach der Landtagswahl nicht ausgeschlossen. Häusler gilt als FDP-nah. „Wir bedauern das Ausscheiden von Gerd Häusler“, sagte Finanzminister Markus Söder (CSU) unserer Zeitung. „Ihm ist es mit seiner hohen fachlichen Kompetenz und Erfahrung gelungen, die Bank zu stabilisieren und neu auszurichten.“ Zu den Gründen des Rückzugs und einem möglichen Nachfolger sagte Söder nichts. Das Verhältnis zwischen Söder und Häusler war alles andere als spannungsfrei, hatte sich aber in den vergangenen Monaten verbessert. Zu Ministerpräsident Horst Seehofer hatte Häusler stets einen guten Draht, der holte den damaligen Verwaltungsrat Häusler 2010 an die Spitze der Landesbank, um sie zu sanieren und das Chaos aufzuräumen, das seine Vorgänger hinterlassen hatten. Die Bank musste vor Häuslers Amtszeit mit 10 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet werden, weil sie sich mit Schrottpapieren verspekuliert hatte, der Kauf der maroden österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hatte zu einem Verlust von 3,7 Milliarden Euro geführt.

Einer, der damals bei der Kontrolle der Bank versagt hatte, wurde gestern auch von Häuslers Rücktritt überrumpelt. „Das ist sehr überraschend“, sagte der ehemalige Finanzminister Erwin Huber (CSU). „Die Gründe kann ich mir nicht zusammenreimen.“

Tatsächlich lässt sich im Augenblick nur spekulieren. Zwar hat Häusler dafür gesorgt, dass die Bank zuletzt wieder Gewinne machte und erste Teilsummen der Staatshilfen zurückzahlte. Doch es gibt noch erhebliche Probleme: Bei der ungarischen Tochterbank MKB drohen weitere Verluste und der Streit mit Österreich um die Altlasten der HGAA schwelt weiter. Die Österreicher weigern sich, Kredite über 2,3 Milliarden Euro zurückzuzahlen, und fordern sogar bereits geleistete Zinsen und Tilgungen zurück. Es handelt sich dabei um einen politischen Streit, der vor den Wahlen in Bayern sowie in Österreich, wo am kommenden Sonntag gewählt wird, nicht zu lösen war. Nun muss ein Kompromiss her – doch Häusler sperrte sich. Der Vorstandschef hatte stets betont, dass er keinen Spielraum für eine außergerichtliche Einigung sehe, die Rechtsposition der Bank sei eindeutig, ein Entgegenkommen käme einer Untreue gleich. Ein Nachfolger könnte das anders sehen.

Wer Häusler ersetzen soll, ist noch völlig offen. Gäbe es eine interne Lösung, heißt es im Umfeld der Bank, kämen wohl nur zwei bisherige Vorstände in Frage: Häuslers bisheriger Stellvertreter Edgar Zoller, der in der Vergangenheit aber blass geblieben war, und der bisherige Finanzvorstand Stephan Winkelmeier, der öffentlich deutlich stärker in Erscheinung trat. Doch auch eine externe Lösung ist möglich.

Philipp Vetter

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