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Bayerns Schlüsselbranchen sind der Fahrzeug- und der Maschinenbau. BMW ist der größte Arbeitgeber in Bayern – im Werk in Regensburg laufen zum Beispiel BMW der 1er Reihe vom Band.

Zukunftstechnologien

„Bayern muss sich breiter aufstellen“

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München – Technologisch und wirtschaftlich belegt Bayern heute einen Spitzenplatz im internationalen Vergleich. Damit das auch so bleibt, muss sich der Freistaat breiter aufstellen. Das ist das Ergebnis einer Studie, in der Bayerns Erfolgsrezepte und Zukunftstechnologien untersucht wurden. Im Zentrum stand die Frage: Was braucht Bayern morgen?

Bayern gilt als wirtschaftlicher Motor Deutschlands. Acht der 30 Dax-Unternehmen sitzen im Freistaat, 18 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts werden hier erwirtschaftet, 17 Prozent der deutschen Exporte gehen von Bayern aus um die Welt. Außerdem sitzt hier – mit mehr als 20 Prozent Anteil – das Herz des Verarbeitenden Gewerbes. Die bayerische Wirtschaft ist entsprechend zufrieden mit der aktuellen Lage, sieht aber Gefahren für die Zukunft im internationalen Wettbewerb. „Die gute Ausgangssituation ist kein Garant für eine erfolgreiche Zukunft, gerade für ein rohstoffarmes Land mit vergleichsweise hohen Arbeitskosten“, sagt Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Die vbw hat deshalb im vergangenen Jahr den „Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft“ gegründet, in dem vor allem Wissenschaftler sitzen. Gemeinsam mit Professor Wolfgang Herrmann, dem Präsidenten der Technischen Universität München (TUM), führt Gaffal den Vorsitz. Auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ist mit an Bord. Der Zukunftsrat sehe sich als Impulsgeber für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Standorts, erklärt Gaffal. Die Herauforderungen: Digitalisierung, Globalisierung, demographischer Wandel, Energie- , Ressourcen- und Klimafragen.

Gut ein Jahr nach der Gründung des Rates, stellte die vbw gestern in München im Rahmen eines Kongresses erste entsprechende Handlungsempfehlungen vor. Als Grundlage diente eine Studie zu „Bayerns Zukunftstechnologien“ – erstellt von der Prognos AG.

Zunächst zu den Fakten: Wo steht Bayern heute? Für die bayerische Industrie seien der Kraftwagen- und Maschinenbau bei Produktion, Ausfuhr und Forschung die mit Abstand wichtigsten Branchen, heißt es in der Studie. Grundsätzlich eine Erfolgsstory. Allerdings entstehe dadurch ein sogenanntes „Klumpenrisiko“, schreiben die Autoren. Das bedeutet: Ein Branchenabschwung könnte gravierende Auswirkungen auf weite Teile der gesamten übrigen Volkswirtschaft haben. Die Antwort darauf laute: Diversifikation. „Bayerns Wohlstand muss auf mehreren Beinen stehen“, sagt Gaffal.

Neue Technologien und daraus entstehende Innovationen seien der Wegweiser in die Zukunft, heißt es in der Studie. Zehn Schlüsseltechnologien spielen dabei laut Prognos für Bayern in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine besondere Rolle:

-Intelligente Verkehrssysteme und Mobilität

-Digitalisierung sowie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)

-Energiesysteme

-Nanotechnologie

-Werkstoffe/Materialien

-Industrielle Produktionstechnologien

-Biotechnologie

-Gesundheitswesen und Medizintechnik

-Ernährung und Lebensmitteltechnik

-Luft- und Raumfahrt

In sieben dieser zehn Technologiefelder ist der Freistaat laut Prognos gut aufgestellt. Handlungsbedarf bestehe dagegen in der Luft- und Raumfahrt, bei intelligenten Verkehrssystemen und (vor allem) bei der Digitalisierung. Bei letzterem würden die Standards bisher leider anderswo gesetzt, etwa in den USA oder in Ostasien, so Gaffal. Schwächen hat Bayern laut Studie außerdem bei der Finanzierung von Unternehmensgründungen und der Unterstützung für die Entwicklung neuer Produkte bis zur Marktreife. Entsprechend zielen die Empfehlungen des Zukunftsrates darauf, diese Schwächen auszugleichen und in Technologiefeldern, in denen Bayern zurückliegt, aufzuholen.

Die Liste ist lang. Der Maßnahmenkatalog des Zukunftsrats stützt sich auf sieben Säulen: Besonders viel Raum nimmt das Thema „Digitalisierung“ ein. Ein Beispiel ist hier das Bildungssystem. Unter anderem müssten Lehrer und Ausbilder in digitalen Infrastrukturen und in der Vermittlung von Medienkompetenz geschult werden, fordert der Zukunftsrat. Ein anderes Thema sind Innovationen. Hier sollen die Rahmenbedingungen verbessert werden. „Die Innovationsgeschwindigkeit hat sich innerhalb einer einzigen Generation so dramatisch erhöht, dass die alten Geschäftsmodelle nicht mehr greifen“, erläutert dazu TUM-Präsident Herrmann. Junges, risikobereites Unternehmertum sei gefragt – dessen Förderung habe Vorrang. Um den Gründergeist zu stärken, sollten in allen Regierungsbezirken Gründerzentren entstehen, so Gaffal. „Wir brauchen ein neues Gründerklima in Bayern. Die Gründerzahlen sind seit Jahren rückläufig“, betont er.

Explizit fordert der Rat außerdem eine Reform der staatlichen Technologieförderung. Hier sagte Wirtschaftsministerin Aigner gestern bereits zu, die Förderprogramme auf den Prüfstand zu stellen, um sie den neuen Herausforderungen durch die Digitalisierung anzupassen. „Wir müssen bei Zukunftstechnologien und Innovationen entschieden am Ball bleiben“, so Aigner.

Doch nicht nur die Politik sieht der Zukunftsrat in der Pflicht, wenn es um den künftigen wirtschaftlichen Erfolg Bayerns geht. Mit Blick auf die Unternehmer fordert der Rat etwa „mehr unternehmerische Eigenverantwortung“. Eine eigene Digitalisierungsstrategie sei in jedem Betrieb unabdingbar. Etablierte Firmen sollten verstärkt mit Start-ups kooperieren und mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten – auch branchenübergreifend.

In den kommenden Monaten werden wohl noch zahlreiche Empfehlungen folgen. Denn für den Zukunftsrat ist der vorgelegte Maßnahmenkatalog erst der Anfang. Der Rat tagt viermal pro Jahr – und es warten noch viele Themen.

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