Bayern nehmen Daimler in die Zange

- Detroit -­ Früher einmal war die Metropole am Lake Erie die Autostadt schlechthin. Diese Strahlkraft hat sie heute nur noch für eine Woche am Jahresanfang, wenn die Branche sich dort versammelt und die Hersteller aus aller Welt vor dem Hintergrund der druckfrischen Verkaufszahlen vom Vorjahr ihre Positionen für die kommenden Monate festzurren. Vor allem ein innerdeutscher Dreikampf wird erneut spannend.

Dabei ist Mercedes in einer unbequemen Position. Beim Absatz wurden die Stuttgarter erneut von BMW auf Platz 2 unter den Premium-Herstellern verwiesen. Und von unten klettert unaufhaltsam Audi nach. 1,185 Millionen BMW-Fahrzeuge wurden 2006 weltweit verkauft und 1,148 Millionen Mercedes.

Der Münchner Konzernchef Norbert Reithofer betont dabei den Sieg aller BMW-Marken. Der Mini verwies den Smart aus dem Daimler-Chrysler-Stall auf die Plätze. Mit 805 verkauften Fahrzeugen hängte Rolls-Royce den Maybach aus Stuttgart ab. Nun droht den Schwaben weiteres Ungemach aus Bayern: Audi nähert sich mit 905\x0f000 der Millionen-Marke, die nächstes Jahr geknackt werden soll, wie Audi-Chef Rupert Stadler verkündete.

Stadler konnte auch einen Leistungsrekord verbuchen: 650 PS aus 12 Zylindern beim neuen Spitzenmodell der geländegängigen Reihe Q7 halten alle anderen auf Distanz ­ sehr zum Gefallen des Konzernpatrons Ferdinand Piëch.

Das amerikanische Publikum allerdings hat solchen Superlativen jüngst die kalte Schulter gezeigt. Geländewagen und Trucks, einst die Verkaufsschlager der US-Giganten, wurden als Spritschleudern zu Ladenhütern.

Diesel sollen den Öko-Vorsprung der Japaner endlich aufholen

Da haben die Deutschen etwas aufzuholen. Während sich japanische Hersteller mit ihren Hybrid-Antrieben (der Kombination von Benzin- und Elektromotoren) ins erwachte US-Umweltbewusstsein einprägen, kämpfen Audi, BMW und Mercedes gemeinsam gegen den Ruf ihrer Spardiesel als rußende Stinker. Immerhin sind auch für die modernsten Selbstzünder mittlerweile die strengsten Abgasvorschriften der Welt ­ in Kalifornien ­ in Sichtweite. BMW zeigt außerdem den bekannten Wasserstoff-7er.

Daneben konnte BMW eine hässliche Lücke im Programm füllen. Seit Jahren ärgern sich die Münchner, dass sie dem Stahlklappdach-Roadster SLK von Mercedes nichts entgegegenzusetzen hatten. Dagegen konnte der weißblaue Z4 aus South Carolina nie Punkte sammeln. Nun kommt das 3er Cabrio als erster BMW mit aufklappbarem Blechdach. Auch diesmal versucht sich Mercedes als Oben-ohne- Trendsetter. Würde die Konzeptstudie "Ocean Drive" Wirklichkeit, hätten die Stuttgarter erstmals seit dem 300D "Adenauer", der bis 1962 gebaut wurde, wieder ein viertüriges Cabrio im Programm. "Das könnte der Star der Zukunft unter den Autos sein", macht sich Konzernchef Dieter Zetsche Mut.

In fernerer Zukunft wohl. Im Augenblick hat Zetsche nichts, womit er die Pole-Position unter den deutschen Premium-Herstellern zurückerobern könnte. Während BMW die Planzahlen für 2010 auf 1,6 Millionen Verkäufe anhob und Audi-Chef Stadler 1,4 Millionen Fahrzeuge für 2014 anpeilt, steigt Zetsche ein wenig schmollend aus diesem Spiel aus. Die Frage der Nummer eins "kümmert uns nicht", sagte er.

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