Bayern steuert auf Lehrstellenüberschuss zu

Bayern steuert als einziges Bundesland erstmals seit Jahrzehnten auf einen Lehrstellenüberschuss zu.

Ende August kamen auf 100 Jugendliche im Schnitt 99 freie Lehrstellen, wie Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) am Mittwoch sagte. Da im Laufe dieses Monats weitere Lehrstellenangebote hinzukommen, wird es nach Einschätzung des Sozialministeriums Ende September sogar mehr unbesetzte Lehrstellen als Bewerber geben. Beckstein appellierte an die bayerischen Unternehmen, trotz schwächerer Konjunktur weiter Ausbildungsplätze zu schaffen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Trotz der guten Zahlen gibt es aber nach wie vor Probleme. Gut 40 Prozent der Jugendlichen auf Lehrstellensuche sind sogenannte "Altbewerber", die seit 2007 oder noch länger keine Ausbildungsstelle gefunden haben. Hinzu kommt ein großes regionales Ungleichgewicht: Überangebot im Süden, fortbestehender Lehrstellenmangel im Norden. In Oberbayern kommen im Schmitt 179 Lehrstellen auf 100 Bewerber. In Mittel- und Unterfranken dagegen gibt es für 100 Bewerber 76 freie Lehrstellen, in Oberfranken sogar nur 53. "Wir dürfen das Nord-Süd- Gefälle nicht außer Acht lassen", sagte Sozialstaatssekretärin Melanie Huml (CSU).

Bayern insgesamt jedoch liegt in diesem Jahr weit vor den anderen Bundesländern: In Westdeutschland stehen im Schnitt für 100 Jugendliche nur 61 Lehrstellen zur Verfügung. Im benachbarten Baden- Württemberg liege das Verhältnis bei 73 zu 100, sagte Beckstein. Die gute weiß-blaue Bilanz hat zwei Hauptursachen: Bayerns Firmen bieten heuer elf Prozent mehr Ausbildungsplätze an, wie aus den Zahlen des Wirtschaftsministeriums hervorgeht. "Das ist ein beeindruckender Beweis, dass sich die Unternehmen in Bayern ihrer Verantwortung bewusst sind", sagte Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU).

Gleichzeitig ist der Rückgang der Geburtenrate immer stärker spürbar: Im Vergleich zu 2007 ist die Zahl der Lehrstellenbewerber um 12 Prozent zurückgegangen. "Wir werden in den nächsten Jahren einen deutlichen Rückgang an Bewerbern haben", sagte Beckstein. Deswegen wird es nach Einschätzung der Staatsregierung in den nächsten Jahren selbst bei schwacher Konjunktur keinen Lehrstellenmangel geben.

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