Bayern umkämpft bei Banken aus aller Welt

Starke Wirtschaftskraft lockt: - In Deutschland ist im Bankgeschäft mit Privatkunden nicht viel zu verdienen, hieß es jahrelang. Inzwischen klingt das anders. Geldinstitute aus aller Welt strömen ins Land, um hier Kunden für sich zu gewinnen. Attraktive Geschäfte erhoffen sie sich insbesondere in Oberbayern.

München - Sue Harnett ist die Deutschland-Chefin der größten Bank der Welt, der Citibank. Sie lobt die Bundesrepublik als "exzellenten Markt" für das Bankgeschäft mit Privatkunden. Und das gilt besonders für den Großraum München. In der Innenstadt - im Tal - eröffnete Harnett gestern eine neue Filiale der Citibank. Es ist die größte Deutschlands und eine von acht Zweigstellen in der Stadt. Vier weitere sind geplant und mit ihnen der Vorstoß in das Umland. Neben Schwabing und Fürstenried hat die Citibank Ottobrunn und Fürstenfeldbruck im Auge, wo auf Sicht von ein bis zwei Jahren neue Filialen entstehen sollen. Der Großraum München gehöre "zu unseren Investitions-Schwerpunkten in Deutschland", sagt Harnett.

"Es gibt hier sehr gute Arbeitgeber, eine langfristig positive Bevölkerungsentwicklung und hohe Haushalts-Einkommen", zählt Regionaldirektor Dietmar Simon die Vorzüge des Standorts auf. Und diese ziehen derzeit viele ausländische Banken nach Oberbayern.

Die italienische Unicredit hat 16 Milliarden Euro investiert, um sich hier mit der Übernahme der HypoVereinsbank ein mächtiges Standbein zu schaffen. "Deutschland ist einer unserer Schlüsselmärkte und genießt deshalb höchste Priorität", beschwört Unicredit-Chef Alessandro Profumo im aktuellen Geschäftsbericht. Auch der US-Mischkonzern General Electric will hier mit seiner GE Money Bank wachsen. Die belgisch-niederländische Fortis-Gruppe plant die Zahl ihrer sogenannten Credit-Shops in Deutschland bis 2008 auf 130 zu verdoppeln. Und die österreichische Oberbank sieht ihr Geschäft in Bayern als "Motor für unser Wachstum", wie Vorstandschef Franz Grasselsberger kürzlich im Interview mit dieser Zeitung sagte.

"Unser Geschäft entwickelt sich weiterhin sehr erfreulich", bilanzierte der Vorsitzende des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland, Michael Zitzmann, jüngst. Das Geschäft der Institute sei im vergangenen Jahr zweistellig gewachsen und die Mitarbeiterzahl deutlich gestiegen.

"Durch den verstärkten Auftritt ausländischer Banken nimmt der Wettbewerbsdruck zu", erklärt Matthias Köhler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Und davon können die Kunden profitieren. Gerade im Internet setzen viele neue Anbieter auf Kampfpreise bei der Kundenjagd. Auch beim Service könnten die ausländischen Institute für frischen Wind sorgen. So öffnet die Citibank ihre neue Innenstadt-Filiale auch samstags, was bislang in Deutschland unüblich ist.

"Eine global aufgestellte Bank muss in Deutschland aufgrund der Wirtschaftskraft des Landes präsent sein", erklärt Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der TU München. Für Institute, die auf das mittlere und gehobene Privatkundengeschäft setzen, sei der Großraum München "ganz vorne". Und schließlich würden ausländische Institute so eine Basis für mögliche weitere Schritte - etwa Übernahmen einheimischer Banken - legen.

Für diese wird das Geschäft durch wachsende Konkurrenz härter. Doch Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der Börse München und Sprecherin der Finanzplatz München Initiative, sieht das sportlich: "Das vermehrte Auftreten ausländischer Banken ist ein Zeichen, dass München im internationalen Finanzwettbewerb sehr gut positioniert ist."

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