100 000 Bayern im Warnstreik

Metall- und Elektroindustrie I: - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie will Bayerns IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen und die Autohersteller BMW sowie Audi heute und morgen mit Warnstreiks zeitweise lahmlegen. Bis Samstag sollen sich 100 000 Mitarbeiter im Freistaat an Warnstreiks beteiligen.

München - Die Beschäftigten an den vier BMW-Standorten sowie bei Audi in Ingolstadt sollen je zum Teil heute und morgen zu rund zweistündigen Warnstreiks aufgerufen werden. Das hat Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer bei einer DGB-Kundgebung zum 1. Mai angekündigt. Dies bedeute, dass die Produktion von rund 1000 Fahrzeugen ausfallen werde, sagte Neugebauer.

Die Gewerkschaft hat nach eigenen Angaben für heute mehr als 10 000 Beschäftigte aus 20 Betrieben in Bayern zu Warnstreiks und Protestaktionen aufgerufen. Bei BMW in Regensburg und Landshut, aber auch bei MAN in München und Bosch-Siemens in Traunreut soll die Arbeit vorübergehend niedergelegt werden. Eine andere Sprache verstünden die Metall-Arbeitgeber anscheinend nicht, sagte Neugebauer. "Völlig zu Recht sind die Beschäftigten in dieser boomenden Branche angefressen und stinksauer über das Verhalten der Metall-Arbeitgeber in Bayern."

In der Nacht zum Dienstag hatte die IG Metall die Warnstreiks auf Bayern ausgeweitet. Den Auftakt machten nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers rund 350 Mitarbeiter des Bauelemente-Herstellers Epcos in München, die gegen Mitternacht die Arbeit niederlegten. Am Montag hatte es bereits Arbeitsniederlegungen in Berlin, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen gegeben.

Der Schwerpunkt des Arbeitskampfes lag in Nordrhein-Westfalen. Ihrer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt will die IG Metall mit einer deutlichen Ausweitung der Proteste in diesen Tagen Nachdruck verleihen.

Rund 350 Mitarbeiter des Münchner Bauelemente-Herstellers hatten nach Angaben eines IG-Metall-Sprechers in der Nacht zum Dienstag für mehr als eine Stunde die Arbeit ruhen lassen. Mit Fackeln, Transparenten und Trillerpfeifen demonstrierten sie vor dem Werkstor. Im unterfränkischen Lohr am Main legten nach Gewerkschaftsangaben in der Nacht zum 1. Mai ebenfalls 150 Beschäftigte der Spätschichten bei der Rexroth Guss GmbH sowie der Bosch Rexroth AG die Arbeit vorübergehend nieder und nahmen an einer gemeinsamen Kundgebung vor den Werkstoren teil. Von heute bis Samstag sollen mehr als 100 000 Mitarbeiter aus 100 Betrieben in ganz Bayern an Warnstreiks teilnehmen.

Morgen stehen vor allem in Baden-Württemberg Aktionen an, wo Arbeitgeber und Gewerkschaft dann in fünfter Runde einen Durchbruch am Verhandlungstisch anpeilen. Der 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten steht bislang ein Angebot der Arbeitgeber über 2,5 Prozent plus 0,5 Prozent Konjunkturbonus gegenüber.

Die Arbeitgeber haben Kritik an der geplanten Warnstreik-Welle geübt. Wer keine Lösung wolle, schade nicht nur den Unternehmen, sondern auch dem Aufschwung und dem Standort Deutschland, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Bertram Brossardt, im "Bayerischen Rundfunk"

So lief es in den vergangenen Jahren

Die Metall-Tarifrunden haben oft eine Signalwirkung für andere Branchen. Im folgenden die Ergebnisse seit dem Jahr 2000:

Tarifrunde 2006: Die IG Metall geht mit der Forderung nach 5,0 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen. In der siebten Runde gelingt ein Pilotabschluss. Er sieht Einkommenserhöhungen von 3,0 Prozent für zehn Monate sowie eine variable Einmalzahlung von 310 Euro für die Monate März bis Mai vor.

Tarifrunde 2004: Im Zentrum steht die Forderung der Arbeitgeber nach einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Dies lehnt die IG Metall strikt ab. Sie fordert 4,0 Prozent mehr Geld. Der Abschluss sieht Erhöhungen von 2,2 und 2,7 Prozent vor. Zudem wird Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt, unter bestimmten Voraussetzungen vom Flächentarif abzuweichen ("Pforzheimer Abkommen").

Tarifrunde 2003: Die Tarifrunde in Ostdeutschland endet mit einem Fiasko für die IG Metall. Die Gewerkschaft hatte ergebnislos die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden gefordert. Nach Scheitern der Verhandlungen streiken die Metaller ab Anfang Juni. Der Arbeitskampf wird am 28. Juni abgebrochen, was eine beispiellose Führungskrise in der IG Metall nach sich zieht.

Tarifrunde 2002: Die IG Metall geht mit der Forderung von 6,5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen. Zudem fordert sie gemeinsame Entgelttarifverträge für Arbeiter und Angestellte. Der Abschluss: Löhne und Gehälter werden in zwei Stufen um 4,0 und 3,1 Prozent erhöht. Zudem wird die Einführung des gemeinsamen Entgelts beschlossen.

Tarifrunde 2000: Im Zentrum der Verhandlungen steht die Forderung der IG Metall zur Einführung der Rente mit 60 sowie nach Einkommenserhöhungen im Volumen von 5,5 Prozent. Schließlich werden die Einkommen um 3,0 und 2,1 Prozent erhöht.

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