Bayern: Wenig Vorsorge, viel Optimismus

Programmierte Altersarmut - - Bayern steht in vielen Punkten besser da als andere Länder. Doch droht dem Freistaat verschärfte Armut. Eine Studie ergab: Die Rentenlücke der jetzt aktiv Berufstätigen ist im Schnitt größer als in anderen Ländern. Die Wissenslücke über die absehbar prekäre Situation im Alter ebenfalls.

So sehen die meisten recht sorgenfrei in die Zukunft. 21 Prozent der jetzt erwerbstätigen Bayern erwarten nach dem Real-Index 2007 der Fondsgesellschaft Fidelity, ihren Lebensabend ganz ohne Abstriche beim Lebensstil genießen zu können. Das entspricht fast dem Bundesdurchschnitt (22 Prozent). 45 Prozent rechnen mit nur geringen Abstrichen (Bund: 37 Prozent), nur 16 Prozent (Bund: 24 Prozent) mit größerem erzwungenen Verzicht. 18 Prozent wissen (im bayerischen wie auch im Bundesdurchschnitt) nicht, was sie im Alter erwartet.

"Auch diejenigen, die zusätzlich für ihr Alter vorsorgen,

müssen große Einschränkungen hinnehmen."

Fazit des Fidelity Real Index

Der Optimismus der künftigen Rentnergeneration steht in deutlichem Gegensatz zu den tatsächlichen Vorsorgeanstrengungen derer, die noch vor dem Rentenalter stehen. Denn im Durchschnitt werden die Bayern aus Rentenzahlungen, Erspartem und eventuell auch Mieten nur 53 Prozent ihres letzten monatlichen Bruttogehalts erzielen (Bund: 56 Prozent). Das heißt, sie haben nur die Hälfte des Geldes, das ihnen vor Rentenbeginn zur Verfügung steht.

Dabei rechnen die Forscher im Auftrag von Fidelity nicht nur alle Sparbemühungen aufs Vorsorgekonto an. Auch das Eigenheim wird, soweit vorhanden, bei den Berechnungen berücksichtigt.

Weil man als Rentner weniger Geld braucht (der Weg zur Arbeit und bestimmte andere Kosten fallen ja weg), ist die subjektive Rentenlücke zwar kleiner als die objektive zwischen Gehalt und späteren Einkünften. Doch auch zwischen Erwartung und Wirklichkeit klafft ein tiefer Graben: Die Bayern werden im Schnitt nur 60 Prozent des Geldes bekommen, das sie ihrer Meinung nach zum Leben als Rentner brauchen. Bundesweit sind es 63 Prozent.

21 Prozent hoffen

auf eine Erbschaft

Die Lücke fällt im Einzelfall noch dramatischer aus: Während Beamte (nach Berufsgruppen liegen nur bundesweite Ergebnisse vor) mit 93 Prozent vom letzten Brutto im Durchschnitt im Alter die geringsten Einbußen hinnehmen müssen, haben Selbstständige und Freiberufler nur 44 Prozent ihres früheren Einkommens zur Verfügung. Arbeiter, leitende und mittlere Angestellte unterscheiden sich dagegen kaum. Sie liegen mit 53 bis 56 Prozent nahe am deutschen Mittel.

Interessant ist auch, dass es kaum Unterschiede zwischen den Einkommensklassen gibt. Wer unter 30 000 Euro im Jahr verdient, wird als Rentner mit 52 Prozent seines letzten Gehalts auskommen müssen. Wer über 75 000 Euro hat, dem bleiben 53 Prozent. Dabei ermöglicht die Hälfte eines Manager-Gehalts sicherlich einen gehobeneren Lebensstandard als die Hälfte des Arbeitslohns. Zusätzlich weisen die Autoren der Studie darauf hin dass Besserverdienende in der Regel in den letzten Jahren vor dem Ruhestand bei der Vorsorge noch richtig Gas geben, was dann ihre Lage erheblich verbessert. Gleiches gilt auch bei der Berücksichtigung des Bildungsniveaus: Hochschulabsolventen sind nämlich mit einer Versorgungslücke von 50 Prozent schlechter versorgt als alle anderen Gruppen. Bei Hauptschulabsolventen liegt die Lücke bei 46, bei Mittlerer Reife bei 45 und bei Abiturienten ohne Studienabschluss nur bei 37 Prozent. Auch hier rechnen die Forscher bei bislang schlecht versorgten Akademikern auf einen wirksamen Vorsorge-Endspurt kurz vor der Rente.

In einem Punkt sind die meisten Befragten realistisch: Nur 6 Prozent sorgen ausschließlich über die gesetzliche Rentenversicherung vor und hängen mit einer Versorgungslücke von 57 Prozent besonders tief in der Armutsfalle. Doch auch den 94 Prozent, die über die Rente hinaus vorsorgen, fehlen zum letzten Brutto im Durchschnitt 42 Prozent. Zu viel für ein sorgenfreies Alter. Dabei hat die Studie einen Fehler. Sie geht davon aus, dass alle bis zum Renteneintrittsalter arbeiten - was die prognostizierte Rentenlücke gegenüber der tatsächlich zu erwartenden Situation sogar geringer erscheinen lässt.

So bleibt noch die Hoffnung auf ein Lottogewinn oder eine Zukunft als Erbe. Immerhin 21 Prozent rechnen damit, ihre Versorgung im Alter durch Erbschaften spürbar aufbessern zu können.

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