Bayern im Wettlauf um gute Kontakte zum "weißen Fleck" Iran

- München - Vor dem Abflug bitte den "Manager-Knigge" lesen. Wenn sich am Donnerstag eine hochrangige bayerische Delegation für fünf Tage in den Iran aufmacht, lauern dort zahllose Fettnäpfchen. Kurzes Hemd: verboten. Alkohol: verboten. Frauen hinterherschauen: verboten. Erlaubt, sogar ausdrücklich erwünscht: Geschäfte machen.

<P>Zum ersten Mal fliegt eine offizielle Gruppe bayerischer Manager und Politiker nach Teheran. "Wir wollen die Grundlage für engere Wirtschaftsbeziehungen schaffen. Die sind nämlich ausbaufähig", sagt Delegationschef Otto Wiesheu, Bayerns Wirtschaftsminister. Er führt politische Gespräche in Teheran, die 55-köpfige Gruppe fliegt außerdem nach Isfahan und Täbris. Für Wiesheu ist es der erste Besuch seit 1974.</P><P>In dem Riesenland (70 Mio. Einwohner, 7,4 % Wirtschaftswachstum) schlummert gewaltiges Potenzial. Bisher exportieren 460 bayerische Firmen Waren im Wert von gerade mal 323 Millionen Euro. "Der Iran ist einer der letzten weißen Flecken auf unserer Karte", sagt Reinhard Dörfler, Chef der Industrie- und Handelskammer. Die Chancen wären gut: "Die deutsche Wirtschaft hat im mittleren Osten einen Ruf wie Donnerhall." Doch drängt die Zeit: Intensiv versuchen chinesische Unternehmen, in der Islamischen Republik Fuß zu fassen. "Wir müssen aufpassen, nicht abgehängt zu werden", sagt Dörfler. Neue Kontakte sollen den Bayern nun einen Vorsprung verschaffen.</P><P>Vor Ort in einem völlig anderen Kulturkreis zu investieren, ist nicht leicht. Eine örtliche Finanzierung ist nahezu unmöglich. Zudem droht Ärger mit den USA, die Unternehmen Sanktionen androhen, die mehr als 20 Millionen Dollar im Iran investieren. Burgmann Industries aus Wolfratshausen ist einer der Betriebe, die es trotzdem gewagt haben - und nicht bereuen. Die Lohnkosten liegen etwa bei 20 % der deutschen, das Bildungsniveau gilt als gut. Mit 25 % Pauschalsteuer gibt sich der Staat (der noch die meisten Betriebe führt) zufrieden.</P><P>Wirtschaftlich öffnet sich der Iran und will den Kontakt mit dem Westen intensivieren. Kulturell geht das nicht so schnell. Dörfler kennt in dem Zusammenhang noch ein Verbot in arabischen Ländern: unerlaubt fotografieren. Das weiß er, seit er in Algerien mal ein Straßencafé´ knipste. Erst nach einem langen Nachmittag kam er wieder aus dem Gefängnis frei.</P>

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