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Gelingt der erste große Börsengang nach der Krise? Kabel Deutschland sieht sich gerüstet.

Kabel Deutschland

Bayern wollen Börsen-Eiszeit beenden

München - Der Münchner Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland will an die Börse gehen. Es wäre hierzulande die erste große Neuemission nach dem Ausbruch der Finanzkrise.

Als sich Anfang 2008 die Schockwellen der Finanzkrise über die Welt ausbreiteten, begann die Eiszeit an der Börse. Die Aktienkurse stürzten. Und fast alle Unternehmen, die Pläne für einen Börsengang hatten, sperrten diese in den Panzerschrank. Hatten 2007 noch 25 Firmen erstmals Aktien im „Regulierten Markt“ der Deutschen Börse platziert, waren es in den zwölf Monaten danach noch zwei.

Im vergangenen Jahr wagte schließlich nur ein einziges Unternehmen eine Neuemission. Auch heuer gelang erst einem Börsenneuling der Sprung aufs Parkett. Und das war mit Helikos lediglich ein sogenanntes Investmentvehikel – eine Firmenhülle, die irgendwann durch Übernahme eines Betriebs mit Leben gefüllt werden soll. Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hatte die Eiszeit Anfang Dezember beenden wollen.

Doch der Börsengang der Tochter Concessions, die Beteiligungen an Flughäfen und Mautstraßen hält, wurde in letzter Minute abgesagt. Die Turbulenzen um Finanznöte des Golfemirats Dubai hatten die Pläne durcheinandergewirbelt. Nun will Kabel Deutschland die erste große Neuemission seit Ausbruch der Finanzkrise wagen. Das Münchner Unternehmen betreibt die Fernseh-Kabelnetze in 13 Bundesländern, darunter Bayern.

Die knapp neun Millionen Kunden sollen künftig neben dem Fernsehangebot auch verstärkt für andere Dienste gewonnen werden, etwa Telefon und Internet. Das ist die Wachstumsfantasie, die Interesse an der Aktie wecken soll – und zwar voraussichtlich nicht bei Privatanlegern, sondern bei institutionellen Investoren wie Banken und Versicherungen, verlautete in Branchenkreisen. Kabel Deutschland bestätigte gestern seine Börsenpläne, gab aber keine Details bekannt.

So ist der genaue Termin für den Börsengang ebenso offen wie die Zahl der Anteile, die dabei angeboten werden sollen. Mit dem Börsengang wollen die Eigentümer Kasse machen. 88 Prozent der Anteile gehören dem US-Finanzinvestor Providence, acht Prozent einem kanadischen Pensionsfonds und vier Prozent Führungskräften von Kabel Deutschland. Sie alle werden dem Vernehmen nach dieselbe Quote ihrer Anteile an der Börse verkaufen. Wie viel insgesamt platziert werden soll, ist noch nicht bekannt. Providence wolle aber die Anteilsmehrheit behalten, hieß es.

Dies solle auch signalisieren, dass man an die Zukunft des Unternehmens glaube. Angeblich könnte ein Viertel der Anteile angeboten werden, was wohl einem Milliardenvolumen entsprechen würde. Gerüchten zufolge haben Investoren in Verkaufsverhandlungen jüngst zwischen fünf und sechs Milliarden Euro für eine Übernahme von Kabel Deutschland geboten, die Providence jedoch als zu gering eingeschätzt habe. Das Unternehmen mit 2800 Mitarbeitern – etwa 700 davon in München – sieht sich attraktiv genug aufgestellt, um sich mit seinem Börsengang als Eisbrecher am Markt durchzusetzen.

Im laufenden Geschäftsjahr, das mit dem März endet, plant Kabel Deutschland früheren Prognosen zufolge ein Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Der operative Gewinn soll von rund 570 auf bis zu 650 Millionen Euro steigen. Sollte der Börsengang von Kabel Deutschland gelingen, wäre das ein weiteres Signal für eine Stabilisierung der Märkte nach der Krise. Und es würde wohl anderen Unternehmen in Deutschland Mut machen, ebenfalls den Sprung an die Börse zu wagen.

Dominik Müller

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