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Welches Ausmaß nimmt die Krise der BayernLB noch an?

BayernLB arbeitet an Überlebenskonzept - Krisenausmaß noch offen

München - Die BayernLB arbeitet nach ihrem Milliardendebakel mit Hochdruck an einem Überlebenskonzept. Mit einem Kapitalbedarf von 6,4 Milliarden Euro sucht die Landesbank als erstes deutsches Geldinstitut Zuflucht unter dem Rettungsschirm des Bundes.

Allerdings ist das komplette Ausmaß der Krise noch immer nicht absehbar. "Das kann kein Mensch beantworten", sagte Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU), der am Mittwoch die "politische Verantwortung für das Desaster in der Bayerischen Landesbank" übernahm und seinen Rückzug aus der Landesregierung ankündigte.

"Wir werden uns alle Positionen anschauen", sagte ein Sprecher der BayernLB am Mittwoch in München. Dazu gehören auch die Personalkosten für die rund 19 000 Mitarbeiter weltweit. Dienstagabend hatte die BayernLB nach tagelangen Spekulationen einen Kapitalbedarf von insgesamt 6,4 Milliarden Euro bekanntgegeben.

Zugleich war bekanntgeworden, dass ein Stellenabbau im Rahmen der geplanten Einsparungen von 400 Millionen Euro nicht zu vermeiden sei. Eine Größenordnung sei aber noch nicht bekannt, sagte der Sprecher. "Das muss mit Augenmaß geprüft werden." Die Gewerkschaft ver.di befürchtet den Abbau von mehreren Hundert Arbeitsplätzen.

Allein der Bund soll 5,4 Milliarden Euro frisches Eigenkapital beisteuern. Die restliche Milliarde wollen sich als Eigentümer der Freistaat Bayern und die bayerischen Sparkassen teilen. Davon entfallen 700 Millionen auf den Freistaat und 300 Millionen Euro auf die Sparkassen.

Die Kunden der Sparkassen werden dies nach Angaben des bayerischen Sparkassenverbandes nicht zu spüren bekommen. "Das hat keinerlei Auswirkungen auf die Kunden", sagte ein Sprecher des Verbandes in München. Ihren Anteil von 300 Millionen Euro am Rettungspaket könnten die Sparkassen vollständig aus Rücklagen aufbringen. Auch eine Zurückhaltung bei der Kreditvergabe sei deshalb nicht zu befürchten.

Die Beteiligung an der BayernLB wollen die Sparkassen trotz des Milliardenverlusts in diesem Jahr nicht aufgeben. "Wenn man an einem Unternehmen beteiligt ist, das 35 Jahre gut gelaufen ist, ist es das Dümmste, im 36. Jahr im Umfeld einer Finanzkrise bei niedrigen Kursen auszusteigen", sagte Sparkassenpräsident Siegfried Naser am Mittwoch dem Bayerischen Rundfunk. Durch die Auswirkungen der Finanzkrise sind die Sparkassen nach Worten seines Sprechers deutlich gestärkt worden. "Die Sparkassen sind die Gewinner der Krise."

Zahlreiche Kunden hatten ihr Geld aus Angst vor Problemen von den Privatbanken abgezogen und zu den Sparkassen gebracht. Allein bis Ende September sei die private Vermögensbildung bei den bayerischen Sparkassen um 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Nach der Notrettung des Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate Anfang Oktober und der daraus entstandenen Verunsicherung hat sich diese Entwicklung in den vergangenen Wochen nochmals beschleunigt.

Nach Einschätzung von ifo-Chef Hans-Werner Sinn haben die Landesbanken ihr Geschäftsmodell verloren. Lange Jahre habe die Gewährträgerhaftung dafür gesorgt, dass sich die Institute billig mit Geld auf den Märkten eindecken konnten, mit dem Wegfall der staatlichen Garantien sei es mit diesem Modell zu Ende gewesen, sagte er in München. "Eine Fusion von zwei Landesbanken macht das Modell nicht besser." Stattdessen sprach sich der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung für "vertikale" Zusammenschlüsse zwischen Sparkassen und Landesbanken aus, die sich gegenseitig ergänzen könnten.

dpa

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