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Ex-Sparkassen-Präsident Siegfried Naser,

Siegfried Naser im Landesbank-Prozess

BayernLB-Aufseher fühlt sich nicht getäuscht

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München - Er gilt als einer der Mitverantwortlichen, die nicht vor Gericht stehen: Im Prozess um den Fehlkauf der Hypo Group Alpe Adria musste gestern Ex-Sparkassen-Präsident Siegfried Naser aussagen.

Viele Fans hat Werner Schmidt seit der Sache mit der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) nicht mehr in Bayern. Doch einer der verbliebenen Anhänger des früheren Landesbank-Chefs sitzt an diesem Montag im Gerichtssaal B273 auf dem Zeugenstuhl. Siegfried Naser, damals beim Kauf der HGAA Verwaltungsratschef der BayernLB und Sparkassen-Präsident, soll bei der Aufklärung des Milliardenfehlkaufs helfen.

Sprachlos sei er gewesen, als er hörte, dass Schmidt bereit sei an die Spitze der Landesbank zu wechseln, erzählt Naser. „Der hatte einen Ruf wie Donnerhall.“ Eine „Wahl par excellence, gegen die niemand etwas haben konnte“. Dabei war das eigentlich gar nicht so klar, denn der Vorschlag für Schmidt als Chef kam vom damaligen Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) – obwohl eigentlich die Sparkassen das Recht gehabt hätten, einen Vorstandsvorsitzenden zu benennen, nicht der Freistaat.

Naser erzählt ausführlich vor allem die Vorgeschichte des Kaufs der maroden Bank – bis der Vorsitzende Richter Joachim Eckert ihn bittet, die Geschehnisse „in aller Kürze“ zu schildern. Der Ex-Sparkassen-Präsident erzählt von dem vergeblichen Versuch die Bawag, eine andere österreichische Bank, zu übernehmen. „Ich habe gesagt: Ich halte es strategisch nicht für ideal, aber wer bin ich denn?“, erinnert sich Naser. „Wenn alle dafür sind, trage ich das auch mit.“

Es ist ein klarer Widerspruch zur Anklage der Staatsanwaltschaft. Darin heißt es, die angeklagten sechs Ex-Vorstände der BayernLB hätten die HGAA vor allem deshalb überteuert und ohne ausreichende Prüfung gekauft, weil sie von den Verwaltungsräten unter Druck gesetzt worden seien, nachdem die Bawag-Übernahme gescheitert war. „Wir hätten mit aller Macht gewollt und gedrängt – so war das nicht“, sagt Naser. „Ich habe das völlig teilnahmslos hingenommen, dann ist das halt so.“

In noch einem weiteren Punkt widerspricht Naser den Ermittlern deutlich. Die hatten behauptet, dass die Vorstände ihre Kontrolleure im Verwaltungsrat bewusst getäuscht hätten. So erklärten die Staatsanwälte, warum sie zwar gegen die Vorstände, nicht aber gegen die Politgrößen des Kontrollgremiums Anklage erhoben. Doch zumindest Naser fühlt sich nicht getäuscht. „Wir wussten, der Vorstand lügt uns nicht an“, sagt er. „Nie habe ich den geringsten Anhaltspunkt gehabt, dass ein Vorstand unlauter gehandelt hätte.“ Vorstandschef Schmidt habe „immer Wert darauf gelegt, sehr intensiv zu informieren“.

Für Unmut sorgt dann die Befragung von Naser durch den Staatsanwalt, der eine ganze Reihe hypothetischer Fragen formuliert: Hätte Naser den Inhalt einzelner E-Mails zwischen Mitarbeitern und dem Vorstand für seine Entscheidung gern gekannt? Naser lässt sich nicht beirren. Es wäre „äußerst unüblich“ gewesen, wenn der Verwaltungsrat über einzelne Mitarbeiter-E-Mails informiert worden wäre. Peter Witting, der Anwalt des Ex-Vorstands Stefan Ropers, greift den Staatsanwalt wegen seiner Fragen scharf an. „Sie halten aus einem Pinsel ein einzelnes Haar vor.“ So sei das gesamte Ermittlungsverfahren geführt worden, kritisiert er. Es fehle stets der Blick aufs Gesamtbild.

Philipp Vetter

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