BayernLB: Eine Bank im Umbruch

München - Die BayernLB befindet sich in einer der drastischsten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Aus einem der zehn größten Geldhäuser Deutschlands soll eine Regionalbank werden. Milliardengeschäfte stehen zur Disposition.

Wenn Stefan Ermisch morgen die Bilanz der Bayerischen Landesbank (BayernLB) für das vergangene Jahr zieht, wird das kaum mehr als eine Momentaufnahme sein. Zwei Wochen später wird Ermisch, der die BayernLB seit Dezember kommissarisch führt, vom neuen Bankchef Gerd Häusler abgelöst. Und der wird das Institut radikal umbauen. Im Gegenzug für zehn Milliarden Euro Staatshilfen muss sich die BayernLB von einem wesentlichen Teil ihrer Aktivitäten trennen – insbesondere jener, die nicht zum klassischen Bankgeschäft zählen oder außerhalb ihres Kerngebiets liegen. So fordert es die EU-Kommission. Welche Maßnahmen die Brüsseler Wettbewerbshüter im Detail vorschreiben, werden sie voraussichtlich in den kommenden Monaten offenlegen. Mit der Abgabe der maroden Hypo Group Alpe Adria an Österreich Ende Dezember hat die Landesbank den Umbruch bereits eingeleitet und in Brüssel vorab Punkte gesammelt. So kappte man die Bilanzsumme 2009 um rund 40 Milliarden Euro. Insgesamt schrumpfte das Institut laut vorläufigen Zahlen, die dieser Zeitung vorliegen, um ein Fünftel auf eine Bilanzsumme von 339 Milliarden Euro. Die Mitarbeiterzahl ging sogar um über 40 Prozent auf weniger als 12 000 zurück. Und es stehen weitere Einschnitte an. Ein Überblick über wichtige Aktivitäten der Landesbank und deren Perspektiven:

MKB

Mit der ungarischen Tochter MKB, die auch in Rumänien und Bulgarien aktiv ist, verfügt die BayernLB nach der Abgabe der HGAA immer noch über einen Brückenkopf nach Osteuropa. Mit rund 4000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von etwa zehn Milliarden Euro ist sie kleiner als die HGAA, aber auch erfolgreicher. Die MKB schreibt seit Jahren schwarze Zahlen. Dennoch hat die Budapester Bank wohl keine Zukunft bei der BayernLB. Erklärtes Ziel ist, die MKB „kapitalmarktfähig“ zu machen, was einen Verkauf an einen Wettbewerber ebenso ermöglichen würde wie einen Börsengang. 

DKB

Die Direktbank DKB mit fast zwei Millionen Privatkunden sorgt für Stabilität innerhalb der BayernLB. Sie gilt deshalb als „Kernsäule des Geschäftsmodells“ und dürfte nicht im Fokus von EU-Auflagen stehen. Vielen Sparkassen ist die Bank zwar ein Dorn im Auge. Denn über das bundesweit tätige Institut wildert die BayernLB in deren Revier. Doch eine Übernahme käme zumindest für die Sparkassen im Freistaat auch nicht infrage. „Es kann kein bayerischer Weg sein“, erklärte der Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern, Rudolf Faltermeier, jüngst.

Deka-Bank

 Die Fondsgesellschaft Deka-Bank gehört je zur Hälfte Sparkassenverbänden und Landesbanken. Mehrere Landesbanken wollen sich von ihren Anteilen aber trennen. Zu diesen wird auch die BayernLB gerechnet, die mit 3,09 Prozent an der Deka beteiligt ist. Doch entschieden ist das noch nicht.

LB Lux

Ursprünglich unterhielten die hessische Helaba und die BayernLB gemeinsam Aktivitäten in der Schweiz und in Luxemburg. Im November 2009 wurden die Geschäfte entflochten. Der Helaba gehört seitdem die LB Swiss alleine, den Münchnern die LB Lux. Damit ist die BayernLB das politisch pikante Geschäft in der als Steuerfluchtpunkt bekannten Schweiz los. Ob sie die profitablen Aktivitäten in Luxemburg weiterführen will und darf, ist offen.

SaarLB

Die BayernLB hat zum Jahresende 2009 ihren Anteil an der Saarländischen Landesbank auf unter 50 Prozent reduziert und damit die unternehmerische Führung bei dem Institut abgegeben. Für gut 25 Prozent der Anteile erhielt man 65 Millionen Euro. Ziel ist es, ganz auszusteigen und die verbliebenen knapp 50 Prozent an das Saarland abzutreten. Dieses hat sich zu einer Übernahme schon bereit erklärt. Ein Zeitplan dafür ist aber nicht bekannt.

LBS

Die LBS wirbt für sich als „Bausparkasse der Sparkassen“ und ist es weitgehend auch. 75 bis 80 Prozent der LBS-Bausparverträge im Freistaat vermitteln die Sparkassen. Doch Eigentümer ist die BayernLB. Die Sparkassen sind an einer Übernahme interessiert und haben bereits ein Vorkaufsrecht. Aber allzu viel bezahlen wollen sie nicht. Zwar ist die LBS seit langem profitabel und hat Rekordjahre hinter sich, doch die Sparkassen verweisen darauf, dass der wesentliche Teil der Wertschöpfung auf ihrer Vermittlung beruhe.

GBW

Mit über 33 000 Wohnungen ist die GBW das größte Wohnungsunternehmen Bayerns. Die Landesbank hält 92 Prozent der börsennotierten Gruppe. Der Rest ist im Streubesitz. Ein Verkauf als EU-Auflage gilt als wahrscheinlich. Doch derzeit führe man keine Verkaufsverhandlungen, heißt es bei der Landesbank. Immerhin ließe sich mit der GBW eine nennenswerte Summe einnehmen. Beim derzeitigen Börsenkurs liegt der Wert des Unternehmens bei etwa 800 Millionen Euro.  

Bayern Labo

Die Förderbank Bayern Labo (früher: Landesbodenkreditanstalt) bildet eine der historischen Wurzeln der Landesbank. Sie vergibt staatlich geförderte Kredite für den Wohnungsbau. Sollte die BayernLB privatisiert werden, wäre eine Übernahme der Labo durch den Freistaat wahrscheinlich. 

Von Dominik Müller

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