BayernLB von Kreditkrise hart getroffen - Strategie verteidigt

München - Die Belastungen der BayernLB aus der internationalen Kreditkrise fallen mit bisher 4,3 Milliarden Euro weit höher aus als bisher bekannt. Der neue Chef der BayernLB, Michael Kemmer, hat die Anlagestrategie der Landesbank verteidigt.

"Brisanz und Dynamik" der Entwicklung an den Finanzmärkten seien unterschätzt worden, räumte der neue Chef der Landesbank, Michael Kemmer, am Donnerstag ein. Dennoch bestehe keine "unmittelbare Bedrohung" der Landesbank. Zusammen mit den Sparkassen und dem Freistaat Bayern soll in den kommenden Monaten nun ein Maßnahmenpaket zur Absicherung gegen mögliche weitere Risiken geschnürt werden.

Bei den Belastungen handele es sich vor allem um Wertminderungen bei Anlagepapieren, sagte Kemmer auf der Bilanz-Pressekonferenz in München. Diese seien nur schwer zu schätzen, müssten in der Bilanz aber beziffert werden. Insgesamt hätten bis Ende März 2,3 Milliarden Euro auf das Ergebnis der Bank durchgeschlagen. An tatsächlichen Zahlungsausfällen seien bisher rund 100 Millionen Euro verbucht worden, sagte Kemmer. Insgesamt stellt sich die Bank derzeit auf einen maximalen Zahlungsausfall von 1,2 Milliarden Euro ein. "Was letztlich kommt, weiß niemand. Auch die 1,2 Milliarden Euro basieren auf Modellrechnungen mit aus heutiger Sicht plausiblen Parametern."

Angesichts der Unwägbarkeiten schloss Kemmer einen Verlust für die Bank in diesem Jahr nicht aus. Eine Prognose sei derzeit zwar schwierig, "ausschließen tue ich heute angesichts der internationalen Finanzmarktkrise ausdrücklich gar nichts." Rund 2,3 Milliarden Euro der bisher insgesamt 4,3 Milliarden Euro an Wertminderungen fielen bis Jahresende 2007 an, die übrigen 2 Milliarden Euro im ersten Quartal dieses Jahres. Auf das Jahresergebnis 2007 drückten die Belastungen mit 1,2 Milliarden Euro. Unterm Strich brach das Ergebnis der Bank 2007 so von 989 Millionen Euro im Vorjahr auf 175 Millionen Euro ein. Das Ergebnis des ersten Quartals schmälerten die Belastungen um 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt bezifferte die Bank das Volumen ihrer von Abwertung bedrohten Wertpapierbestände auf 24 Milliarden Euro. Ähnlich wie die WestLB plant die BayernLB, dieses Portfolio in eine Zweckgesellschaft auszugliedern und gegen Ausfallrisiken von bis zu 6 Milliarden Euro abzuschirmen. Davon würden auf die Bank selbst 1,2 Milliarden Euro als Selbstbehalt entfallen, für die übrigen 4,8 Milliarden Euro könnten den Plänen zufolge die Gesellschafter garantieren, also der Freistaat Bayern und die Sparkassen, die je zur Hälfte an der BayernLB beteiligt sind. Man stehe bereits in Kontakt mit der EU-Kommission, sagte Kemmer.

Zugleich verteidigte der BayernLB-Chef die Anlagestrategie der Bank. "Lassen Sie mich dem oft verbreiteten Eindruck entgegenwirken, dass sich die Bank hier auf ein Feld begeben hätte, auf dem sie eigentlich nichts verloren hat." Die Bank habe sich nach bestem Wissen mit Papieren guter Qualität eingedeckt. Das Problem sei weniger die mangelnde Qualität der Anlagen gewesen, "sondern die Tatsache, dass es für diese Papiere keinen Markt mehr gibt". Hier hätten die Turbulenzen an den Finanzmärkten voll durchgeschhlagen.

Ungeachtet der Folgen prüfe die BayernLB aber weiter eine Übernahme der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB, sagte Kemmer. "Wir wollen im Mittelstand wachsen und die IKB ist auf dem Markt. Es wäre also fahrlässig, sich so etwas nicht anzuschauen." Ob es tatsächlich zum Kauf komme, sei aber noch völlig offen. Eine mögliche Fusion der BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg LBBW liegt indes auf Eis. "Das ist im gesamten Jahr 2008 kein Thema." Im Augenblick gehe es darum, die Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringe und "Hausaufgaben zu machen". Dazu zählen auch Kosteneinsparungen in Höhe von 150 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren. Ob dies auch einen Stellenabbau bedeutet, ließ Kemmer offen.

Für das Management hatte der Verwaltungsrat bereits am Abend zuvor Konsequenzen gezogen. Nach dem früheren Vorstandschef Werner Schmidt im Februar musste auch der für das Risikomanagement zuständige Vorstands Gerhard Gribkowsky mit sofortiger Wirkung seinen Platz räumen.

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