BayernLB: Mitarbeiter müssen nach Verlusten bangen

München - Die Bayerische Landesbank ist zurück in der Verlustzone – und wird wohl dort bleiben. Der Grund ist eine unverkäufliche Tochter-Bank in Ungarn. Bitter ist das auch für die Mitarbeiter in Deutschland.

Vor einem Jahr hatte Gerd Häusler auf dem gleichen Podium im fünften Stock der Bayerischen Landesbank an der Münchner Brienner Straße gesessen und über das „Jahr der Wende“ gesprochen. Endlich hatte die Skandalbank, die mit zehn Milliarden Euro Steuergeld gerettet werden musste und deren Chef Häusler ist, wieder Gewinn gemacht. Nun sollte es wieder aufwärtsgehen. Doch daraus wurde nichts.

„2011 war das Jahr der zwei Gesichter“, sagte Häusler gestern. Eines der Gesichter ist ziemlich hässlich. Wegen ihrer ungarischen Tochter-Bank MKB musste die BayernLB für den Gesamtkonzern nach deutschem Bilanzrecht einen Verlust von 328 Millionen Euro vermelden. „Solche Verluste tun weh“, sagte Häusler und auch Finanzvorstand Stephan Winkelmeier gab sich kleinlaut: „Ich bedaure das, weil wir damit unseren beiden Eigentümern erneut zur Last fallen.“

Die beiden Eigentümer, das sind die Sparkassen und der Freistaat. Beide verhandeln noch immer mit der EU-Kommission, die ihre nachträgliche Zustimmung zur Rettung geben muss. Dafür fordert die EU, dass sich die Sparkassen stärker an den Kosten beteiligen. Die Verhandlungen hätten eigentlich am Dienstagabend abgeschlossen werden sollen, doch am Ende reichte es nicht zu einer Einigung. Schon jetzt ist aber klar, dass die Bilanzsumme der Bank sich am Ende halbiert haben muss. Die LBS und die Wohnungsbautochter GBW werden verkauft und Geld aus dem Kernkapital an den Freistaat zurückgezahlt. Doch hier beginnen die Probleme, denn gleichzeitig müssen die Mindestkernkapitalquoten der Bankenaufsicht erfüllt werden, die die Stabilität der Bank garantieren sollen. „Wir fühlen uns komfortabel ausgestattet, was die Liquidität angeht“, sagte Häusler. Doch viel Spielraum gebe es nicht.

Alles in allem sollen Sparkassen und BayernLB fünf Milliarden Euro zurückzahlen. „Das ist eine große Summe und ein sehr ehrgeiziges Ziel“, sagte Häusler. In „fünf bis sieben Jahren“ will der BayernLB-Chef den Betrag zurückgezahlt haben. Finanzminister Markus Söder (CSU) fordert, dass schon nächstes Jahr damit begonnen wird – pünktlich zum Wahlkampf. Dass die BayernLB dieses Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben könnte und mit dem Gewinn einen Teil der Milliarden zurückzahlt, scheint extrem unwahrscheinlich. Auf eine konkrete Prognose für 2012 verzichteten Winkelmeier und Häusler zwar. Doch zwischen den Zeilen ließen sie durchblicken, dass wohl nicht mit einer Trendwende zu rechnen ist.

Häusler betonte aber, es sei ein großer Erfolg, dass die EU inzwischen das Geschäftsmodell der Bank als „lebensfähig“ akzeptiere. „Das war die Hauptaufgabe des Vorstands“, sagte Häusler, „das war kein Selbstläufer.“ In Zukunft soll die sogenannte Kernbank, die nach einer Einigung mit der EU bestehen bleiben soll, vor allem die Energiewende und den Mittelstand finanzieren.

In den Bereichen der BayernLB, die zur Kernbank gehören, arbeiten derzeit noch rund 3500 Menschen. Vor der Rettung durch den Freistaat hatte die Landesbank rund 20 000 Mitarbeiter. Neben dem Verkauf von Teilen der Bank, wodurch diese Zahl sank, gehörte zum Sparpaket mit dem Namen „Herkules“, dass auch 1000 Stellen in der Kernbank abgebaut wurden. Dabei wird es voraussichtlich nicht bleiben. Man werde sich in den kommenden Jahren die „Kostenstruktur“ genau ansehen, kündigte Häusler an. Das bedeutet bei Banken, deren Hauptkosten das Personal sind, weiteren Jobabbau. Auf eine konkrete Zahl von Stellen, die gestrichen werden, wollte sich der BayernLB-Chef aber noch nicht festlegen.

Philipp Vetter

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