BayernLB: Phantomschmerz der bayerischen Sparkassen

München - Die Sparkassen sollen sich stärker an den Kosten der Rettung der Landesbank beteiligen, fordert die EU-Kommission. Die sträuben sich - haben aber keine andere Wahl.

Es war kein angenehmer Nachmittag für die 144 Abgesandten der bayerischen Sparkassen: Sie mussten ihn nicht nur in der Turnhalle der Sparkassenakademie in Landshut verbringen, die den Charme einer Jugendherberge verströmt, sondern auch noch richtig viel Geld ausgeben – für die BayernLB. Am Ende blieb ihnen keine andere Wahl.

Die Sparkassen sollen sich stärker an den Kosten der Rettung der Landesbank beteiligen, fordert die EU-Kommission. Die BayernLB hatte den Instituten einmal zur Hälfte gehört, doch die zehn Milliarden Euro zur Rettung der Bank zahlte der Freistaat allein. Weil sich die Sparkassen lange sträubten, sich an der Rückzahlung der Hilfen zu beteiligen, drohte die EU ihnen sogar mit einem eigenen Beihilfeverfahren. Das wirkte. Mit großer Mehrheit stimmten die Sparkassen gestern bei ihrer außerordentlichen Verbandsversammlung für den Kompromiss, den ihr Präsident Theo Zellner mit dem Freistaat ausgehandelt hatte. Damit nähert sich das Beihilfeverfahren gegen die BayernLB nach drei Jahren dem Ende.

Doch so lange die EU-Kommission der Vereinbarung zwischen Sparkassen und Freistaat noch nicht abschließend zugestimmt hat, bleiben alle Beteiligten vorsichtig. Details sind offiziell nicht zu erfahren. „Wir werden einen spürbaren Beitrag leisten, der uns in unserer Geschäftstätigkeit nicht einschränkt“, sagte Zellner nach der Versammlung, die Summe sei „schmerzlich, aber verkraftbar“ und werde über 1,5 Milliarden Euro liegen.

Alle Vertreter der Sparkassen beeilten sich gestern zu versichern, dass der Kompromiss schmerzhaft sei. Doch schaut man genauer hin, scheint es sich eher um einen Phantomschmerz zu handeln. Schon vor der Versammlung hatten sich Teilnehmer hinter vorgehaltener Hand gefreut, dass es nun doch nicht zu den eigentlich erwarteten Abschreibungen für die Sparkassen kommen wird, erfuhr unserer Zeitung aus Teilnehmerkreisen. Auch Zellner bestätigt das. Zwar sollen sich die Sparkassen mit 1,65 bis 1,8 Milliarden Euro an den Rettungskosten beteiligen – bekommen dafür aber auch Vermögenswerte zurück: Die stillen Einlagen der Sparkassen bei der BayernLB in Höhe von rund 800 Millionen Euro werden in Eigenkapital umgewandelt. Dafür wird aber auch wieder ein größerer Teil der Landesbank den Sparkassen gehören. Nach der Rettung war ihr Anteil auf vier Prozent geschrumpft, künftig läge er laut Teilnehmern wieder bei 20 bis 25 Prozent.

Zweitens müssen die Sparkassen der BayernLB die Landesbausparkasse (LBS) abkaufen. Ein unabhängiges Gutachten ermittelt derzeit den Kaufpreis. Man sei bereit, vom ermittelten Wert nicht abzuziehen, dass 85 Prozent des Vertriebs der LBS über die Sparkassen abgewickelt werden, sondern werde den vollen Preis bezahlen, sagte Zellner. Nur falls die LBS weniger als 850 Millionen Euro wert sein sollte, müssten die Sparkassen der Landesbank weiteres Kapital zuschießen, damit sie insgesamt mindestens 1,65 Milliarden bezahlen.

Schmerzlich an dem ausgehandelten Deal sind für die Sparkassen nur zwei Dinge: Durch den Kauf wird Kapital in der LBS gebunden. „Das führt dazu, dass wir weniger Spielraum für unser Kreditgeschäft haben“, erklärte Harald Ströttgen, Chef der Stadtsparkasse München. Zum anderen gehört den Sparkassen dann wieder ein größerer Teil der Landesbank. „Und das will ja wirklich niemand“, sagte ein Teilnehmer, der lieber anonym bleiben wollte.

Philipp Vetter

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