BayernLB: Die Sorge der Mitarbeiter

München - Erst musste die Landesbank mit Steuermilliarden gerettet werden, nun folgt der Korruptionsprozess gegen Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky. Der Merkur sprach mit Gesamtpersonalratschef Ralf Haase, wie die mehr als 10 000 Mitarbeiter die Affären erleben.

Am Montag beginnt der Prozess gegen den Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky wegen Bestechlichkeit. Mit welchen Gefühlen beobachten die Mitarbeiter das Verfahren?

Wie der Rest der Bevölkerung fragt sich jeder Mitarbeiter, wofür Herr Gribkowsky die Millionen bekommen hat. Ich weiß es auch nicht. Der ganze Vorgang ist einfach unbegreiflich und mit normalem Menschenverstand nicht nachvollziehbar. Unabhängig davon, wie die Vorwürfe gegen Herrn Gribkowsky juristisch gewertet werden, verurteilen wir als Belegschaft sein Verhalten moralisch ganz klar. Bei der Belegschaft herrscht Unverständnis, dass ein ehemaliger Vorstand die Verantwortung, die er gegenüber seinen Mitarbeitern hat, so vernachlässigt hat. Sein Verhalten hat Auswirkungen auf jeden Einzelnen, weil in der öffentlichen Diskussion alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in einen Topf geworfen werden.

Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Ja. Wenn man aber die Erfahrungen aus der Finanzkrise und auch aus den Fehlern der BayernLB in den vergangenen Jahren mit einbezieht, ist die Wut der Bevölkerung absolut verständlich.

Wie reagiert der Bekanntenkreis, wenn man erzählt, dass man bei der BayernLB arbeitet?

Ich glaube, dass viele Mitarbeiter gewisse Schwierigkeiten damit haben. Man stellt das Thema gerne hinten an und geht nicht offen damit um. In den letzten Jahren hat das Ansehen der Bank gelitten durch die Entscheidungen zum Beispiel beim HGAA-Kauf und nun auch den Formel-1-Fall.

Was erhoffen Sie sich vom Gribkowsky-Prozess?

Gerechtigkeit. Ich hoffe, dass der Fall juristisch aufgeklärt wird, das Urteil überlasse ich den Richtern.

Auch die anderen Ex-Vorstände sind angeklagt. Was erhoffen Sie sich?

Endlich auch juristisch zu erfahren, wer die Verantwortung trägt.

Was glauben Sie, wer die Verantwortung trägt? Politik oder Banker?

Das ist eine Gemengelage. Man wird wohl kein „Paar Ohren“ finden, das dafür allein verantwortlich ist.

Wegen all der Affären fällt in der Diskussion um „Gier-Banker“ oft der Name der BayernLB.

Das ist so zu kurz gegriffen. Wir haben unsere Lektion gelernt, die Bank befindet sich mit dem neuen Vorstand in einem erheblichen Wandel. Die Fehlentscheidungen der ehemaligen Verantwortlichen, haben Auswirkungen auf jeden einzelnen Steuerzahler – das ist uns bewusst. Dieser Verantwortung stellen wir uns. Und glauben Sie mir, die Entscheidungen von damals würde jeder Mitarbeiter gerne ungeschehen machen.

Haben Sie Verständnis für die Verärgerung der Steuerzahler?

Natürlich ist der Ärger nachvollziehbar. Das geht uns Mitarbeitern ja nicht anders. Die wenigsten von uns waren an den Entscheidungen beteiligt. Trotzdem müssen wir die Suppe auslöffeln.

Was hat sich bei der BayernLB verändert?

Ich glaube, dass jedem in der Belegschaft bewusst ist, dass unsere Arbeitsplätze durch den Freistaat gerettet wurden. Deshalb haben wir eine Verantwortung, möglichst viel zurückzugeben und das Vertrauen der Öffentlichkeit durch bodenständige Arbeit zurückzuerlangen. Dafür arbeitet das neue Management mit allen Mitarbeitern.

Ist es denn möglich, die zehn Milliarden Euro Staatshilfen zurückzuzahlen?

Wir würden es gerne tun, aber man muss auch die veränderten Rahmenbedingungen sehen. Inzwischen haben sich die Eigenkapitalanforderungen verändert, die auch ohne die Beihilfezahlung eine Kapitalisierung erfordert hätten.

Wegen der Managementfehler sind viele Stellen weggefallen. Wie ist die Stimmung in der Bank?

Das Stellenabbauprogramm ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Der gesamte Personalabbau ist relativ geräuschlos über die Bühne gegangen, es gab sehr viele einvernehmliche Vertragsaufhebungen. Die Stimmung trübt zur Zeit das Damoklesschwert EU-Beihilfeverfahren. Die Fragen, was da auf uns zukommt und wann es auf uns zukommt, beschäftigen uns natürlich. Wir versuchen aber, uns nicht lähmen zu lassen.

Was befürchten Sie denn als Ausgang des Verfahrens?

Wie weit das gehen kann, hat man am Beispiel der Zerschlagung der WestLB gesehen. Das ist im Falle der BayernLB wohl kein Thema. Aber: Die Entscheidung der EU wird sicher keine einfache Lösung bringen.

Glauben Sie, dass es dann noch weiteren Stellenabbau bei der Landesbank geben wird?

Auszuschließen ist das nicht. Aber derzeit ist es kein Thema.

Fühlen Sie sich vom Vorstand ausreichend über das EU-Verfahren informiert?

Ich als Mitglied des Verwaltungsrats schon. Aber ich kann den Vorstand verstehen, dass er auch intern keinen Zwischenstand der Verhandlung veröffentlichen kann, solange noch keine Entscheidung getroffen wurde.

Was macht eine so lange anhaltende Unsicherheit mit dem Betriebsklima?

Emotional ist das schwer zu verkraften, weil die Veränderungen sehr tiefgreifend sind. Zum Beispiel sind Kollegen, die man seit Jahrzehnten kennt, einfach nicht mehr da. Die Arbeitsbelastung ist deutlich gestiegen, schließlich fand der Personalabbau nicht statt, weil wir einfach zu viele Leute gewesen wären. Das, was die Belegschaft derzeit leistet, um den „Tanker BayernLB“ wieder auf Kurs zu bringen, ist aller Achtung wert. Auch wenn es oft nicht gesehen wird.

Interview: Philipp Vetter

Rubriklistenbild: © A. Meinen

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