BayernLB springt auf Fusions-Karussell

München - Die halbstaatliche Bayerische Landesbank flirtet mit ihren Wettbewerbern. Doch der Weg zu einem Schulterschluss mit LBBW oder WestLB ist steinig. Die Politik fürchtet um Macht, die Unternehmen um eine regional verwurzelte Hausbank.

Lange hatte es den Anschein, als ob sich die BayernLB bei der Flurbereinigung der deutschen Landesbanken-Landschaft heraushalten will. Der Chef des größten eigenständigen Geldhauses im Freistaat, Werner Schmidt, betonte noch im Frühjahr, eine Fusion der halbstaatlichen Regionalinstitute bringe keinen Mehrwert.

Einige Monate später wiederholte auch der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU), es bestehe kein Handlungsdruck, die BayernLB mit einer der anderen sechs selbstständigen Landesbanken zu vereinen. Doch seit vergangener Woche ist die Lust am Zusammenrücken auch in Bayern erwacht.

Am Freitag trafen sich am Rande einer Bundesratssitzung in Berlin die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, um über die Zukunft ihrer Landesbanken zu sprechen. Prompt hieß es danach, Edmund Stoiber und Günther Oettinger (CDU) schmiedeten Pläne, die BayernLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu verheiraten. Einige Tage vorher hatte Stoiber mit seinem NRW-Kollegen Jürgen Rüttgers (CDU) Kooperationsmöglichkeiten mit der angeschlagenen WestLB in Düsseldorf erörtert. "Die BayernLB wird sich an einer Neuordnung der Landesbanken-Landschaft konstruktiv beteiligen", sagte Stoiber der "FAZ" schließlich gestern.

Mit den Vorstößen reagiert die bayerische Staatsregierung nach Ansicht von Beobachtern auf den gestiegenen Fusionsdruck im Landesbanken-Lager. Erst im August hatte die LBBW die von der Kreditkrise gebeutelte SachsenLB geschluckt und damit ihren Status als Nummer eins ausgebaut. Im Anschluss hatten die Gesellschafter der LBBW auch mit der wegen Fehlspekulationen in Schwierigkeiten geratenen WestLB Kontakt aufgenommen. Einen so mächtigen Konkurrenten will die BayernLB als Branchen-Zweiter aber verhindern, sagt ein Kenner. "Deswegen wollen die Bayern nun bei der Bereinigung eingreifen."

Diskutiert werden verschiedene Konstellationen. Neben einer Kooperation der BayernLB mit der WestLB und der Verschmelzung mit der LBBW steht auch eine Super-Banken-Version zur Debatte: ein Dreierbund aus BayernLB, WestLB und LBBW. In jedem Fall würde die bundesweit zweitgrößte Bank nach der Deutschen Bank entstehen.

In welche Richtung die Reise für die Bayerische Landesbank geht, ist noch offen. Minister Faltlhauser erklärte am Montag, es würden "viele Möglichkeiten" geprüft. Von Seiten der Staatsregierung gebe es "keine Festlegung und keine Vorentscheidung für das Ob, Wie und Wann". In der Münchner Finanzwelt scheint allerdings eine Präferenz für die "Südlösung" mit der starken LBBW zu bestehen, wie Siegfried Naser, Chef des bayerischen Sparkassenverbands, unserer Zeitung sagte. Andere Interessenten müsste man aber nicht abweisen.

Naser mahnt zudem eine zügige Lösung an: "Man kann Fusionsdebatten nicht über Jahre hinweg führen", sagte er. "Entweder finden wir zeitnah eine Entscheidung oder wir bleiben konsequent für eine absehbare Zeit eigenständig."

Insider schließen nicht aus, dass die BayernLB keinen Partner findet. Denn die Gespräche um die Zukunft der Landesbanken dürften sich schwierig gestalten. Bei einer Fusion müssten sich die Gesellschafter einigen, an welchem Standort Geschäftsfelder gebündelt werden, wo Stellen wegfallen oder Steuern gezahlt werden. In München geht deshalb die Angst um, dass der Finanzplatz nach der Übernahme der HVB durch Unicredit mit der BayernLB sein letzte Großbank verliert.

"Uns kann und wird niemand als Junior-Partner schlucken", betont Siegfried Naser deswegen. Es werde nur ein Zusammengehen mit einer fairen Chancen- und Lastenverteilung geben können. Ähnliches fordern die Unternehmer: "Bayern würde es nicht gut bekommen, wenn die BayernLB nur mehr ein Erfüllungsgehilfe einer anderen Landesbank wäre", sagte Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in München auf Nachfrage. Bei einem Zusammenschluss lege man Wert auf eine gleichberechetigte Partnerschaft.

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