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Jeder sechste Job bei der BayernLB soll gestrichen werden

Landesbank

BayernLB streicht jeden sechsten Job

München - Schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter der Bayerischen Landesbank: Rund 500 sollen ihren Job verlieren. Ministerpräsident Seehofer erwägt unterdessen einen Vergleich mit der Hypo Group Alpe Adria.

Die Bayerische Landesbank plant, rund jede sechste Stelle in der Kernbank zu streichen. Zwar steht die genaue Zahl der Jobs, die wegfallen sollen, noch nicht fest, der Vorstand will erst am Dienstag darüber entscheiden. Doch schon jetzt ist nach Informationen unserer Zeitung sicher, dass es sich um eine mittlere dreistellige Zahl handeln soll. Auch das „Handelsblatt“ hatte berichtet, dass rund 500 Jobs auf der Kippe stehen. Nach Informationen unserer Zeitung soll es jedoch keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Ein Sprecher der BayernLB wollte die Zahlen nicht kommentieren.

Innerhalb der Bank war zwar mit weiteren Stellenstreichungen gerechnet worden, allerdings ging man von einer deutlich niedrigeren Zahl aus. Der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Landesbank, Ralf Haase, hatte im Februar im Gespräch mit unserer Zeitung noch geschätzt, dass etwa 200 Stellen wegfallen könnten. Nun werden es wohl doch mehr als doppelt so viele. Das liegt auch daran, dass die Bank massiv sparen muss, um die Auflagen der EU-Kommission zu erfüllen und bis 2019 noch mehr als vier Milliarden Euro an den Freistaat zurückzahlen zu können.

Bereits bekannt ist, dass die Landesbank bis zum Jahr 2017 rund 15 Prozent ihrer Kosten einsparen will. Das entspricht rund 130 Millionen Euro. Zwar hat der BayernLB-Konzern zurzeit noch knapp 9500 Mitarbeiter, doch die nun anstehenden Streichungen werden ausschließlich die sogenannte Kernbank betreffen – also nicht Tochterbanken, wie die ungarische MKB. In der Kernbank arbeiten derzeit noch rund 3000 Menschen, etwa jeder sechste von ihnen soll nun eingespart werden. Seit die BayernLB vom Staat gerettet werden musste, hat sich die Zahl der Mitarbeiter im Konzern bereits mehr als halbiert. 2008 gab es noch über 20 000 Angestellte bei der BayernLB. Ein Großteil der weggefallenen Stellen ist aber auf Verkäufe von Beteiligungen, wie der LBS oder der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) zurückzuführen.

Der designierte Chef der BayernLB, Johannes-Jörg Riegler, der am 1. April wie berichtet die Nachfolge von Vorstandschef Gerd Häusler antreten soll, hat angekündigt, an dem Sparprogramm festzuhalten. „Ich habe keinen Kurswechsel bei irgendwas anzumelden“, sagte Riegler bei seiner Vorstellung.

Es wird ihm auch nichts anderes übrig bleiben, denn es gilt als mehr als unsicher, ob die Landesbank ihre Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber dem Freistaat von gut einer Milliarde Euro allein im kommenden Jahr erfüllen kann. Auch der Rechtsstreit mit der HGAA über Kredite, die die ehemalige Tochterbank nicht zurückzahlen wird, bedroht die Finanzen der Landesbank. Erstmals hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nun die Möglichkeit eines Vergleichs mit der HGAA nicht ausgeschlossen. In einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ betonte er zwar, dass er erst noch mit Finanzminister Markus Söder beraten müsse, sagt aber auch: „Ich würde also nicht ausschließen, dass es Sinn machen könnte, nach Wien zu fahren, um zu besprechen, welche Wege es gibt, das Problem zu lösen.“ Söder und Häusler hatten einen Vergleich mit den Österreichern stets ausgeschlossen.

Von Philipp Vetter

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