Gutes Geschäft? Investoren um den Vermögensverwalter Tilo Berlin haben bei der Übernahme der Hypo Group Alpe Adria durch die Bayerische Landesbank Millionen verdient. Nun hat Berlin mit der Staatsanwaltschaft zu tun. Foto: ap

BayernLB: Weitere Verdächtige im Visier der Ermittler

München - Das Milliardendebakel der Bayerischen Landesbank bei der Kärntner Hypo Group Alpe Adria erreicht eine neue Dimension. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen ausgeweitet.

Als die Bayerische Landesbank im Frühsommer 2007 die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) übernahm, war das nicht gerade eine Sternstunde für das Institut, für den Vermögensverwalter Tilo Berlin dagegen schon. Während die Landesbank bei der maroden HGAA rund 3,7 Milliarden Euro in den Sand setzte, machte eine Investorengruppe um Berlin ein sensationelles Geschäft. Sie gab kurz zuvor erworbene HGAA-Anteile an die Landesbank ab und verdiente damit rund 150 Millionen Euro, wie es heißt. Man könnte das mit purem Glück erklären. Doch bei der Staatsanwaltschaft München hat man daran offenbar Zweifel.

Die Ermittler hatten bislang nur den damaligen Landesbank-Chef Werner Schmidt im Visier. Sie hegen den Verdacht, dass der Kauf der HGAA überteuert war und sich Schmidt deshalb der Untreue schuldig gemacht hat. Doch er ist nicht mehr der einzige, dem die Ermittler ein Vergehen vorwerfen. Das Verfahren sei „auf weitere Personen ausgeweitet“ worden, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit. Es werde „auch nicht mehr ausschließlich wegen des Verdachts der Untreue, sondern wegen weiterer Straftatbestände ermittelt“.

Wer zu den neuen Beschuldigten zählt, teilte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit. Sie betonte lediglich, dass „weder aktive noch ehemalige Mitglieder des Verwaltungsrats der BayernLB betroffen sind“. Damit richten sich die Ermittlungen also bislang nicht gegen die Landesbank-Aufseher von Staatsregierung und Sparkassen. Wohl aber sollen sämtliche Vorstände der Landesbank, die mit dem HGAA-Kauf befasst waren, betroffen sein, berichtet die „FAZ“. Dies betreffe neben früheren auch amtierende Vorstände der Bank. Aus dem fraglichen Zeitraum gehören lediglich noch Stefan Ropers und Ralph Schmidt dem Gremium an. Laut „Süddeutscher Zeitung“ zählt auch Tilo Berlin zum Kreis der Beschuldigten. Ebenso wie Werner Schmidt, der die Vorwürfe bestritten hat, beteuert auch er, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Sämtliche Vorgänge im Zuge des Verkaufs der Hypo Group Alpe Adria „waren korrekt und im Einklang mit allen Gesetzen“, teilte er gestern schriftlich mit. Er habe volles Vertrauen in die Arbeit der zuständigen Behörden und unterstütze die Aufklärung.

Am Vortag war Berlin zu einer Aussage bei der Staatsanwaltschaft in München vorstellig geworden – so wie vor ihm bereits Werner Schmidt und Michael Kemmer, der seinerzeit Finanzvorstand der BayernLB war und später Schmidts Nachfolger wurde. Berlins Aussage alleine sei aber nicht der Grund für die Ausweitung der Ermittlungen, hieß es in Justizkreisen.

Auch in Österreich ist die „Causa Hypo Alpe Adria“ längst ein Fall für die Justiz. Offiziell gibt die Staatsanwaltschaft im kärntnerischen Klagenfurt nur bekannt, dass sich die Ermittlungen gegen Verantwortliche der Hypo Group richten. Namen nennt die Behörde nicht, doch in der alpenländischen Gerüchteküche brodelt es kräftig. Hartnäckig verbreiten die berühmt-berüchtigten gut informierten Kreise, gegen Tilo Berlin werde ein Haftbefehl vorbereitet.

Eine Bestätigung dafür gibt es aus keiner Amtsstube der Republik. Aber eine Äußerung von Ermittler Bernhard Gaber, Leiter der eigens eingerichteten Sonderkommission, sorgt nicht gerade für eine Beruhigung der Lage. Zeitungen quer durchs Land zitieren ihn mit der Einschätzung, Haftbefehle seien – abhängig davon, welche Ermittlungsergebnisse von der Münchner Staatsanwaltschaft übermittelt würden – nicht ausgeschlossen. „Es könnte natürlich jeden Tag damit gerechnet werden, dass gegen Berlin, Kulterer (langjähriger Ex-Chef der Hypo) und Co. ein Haftbefehl ausgesprochen werden kann“, sagte Gaber demnach. „Dafür braucht man aber schon sehr gute und ausreichende Beweise.“

Der Soko-Chef und sein gutes Dutzend Mitarbeiter wurden vom österreichischen Innenministerium abgestellt, um der Staatsanwaltschaft in Klagenfurt zuzuarbeiten. Dort ist mit dem Fall nur ein einziger Staatsanwalt betraut, der sich nach Ansicht österreichischer Medien nicht gerade vor Eifer überschlägt. In der Behörde, schimpft das Wiener „Wirtschaftsblatt“, warte man „offensichtlich nur auf Ergebnisse der Kollegen aus München“.

von Dominik Müller und Andreas Zimniok

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