BayernLB friert Gribkowskys Vermögen ein

München  - Die BayernLB kann sich Hoffnungen auf Schadenersatz von ihrem ehemaligen Risikovorstand Gribkowsky machen. Das Landgericht München verhängte einen Arrest über das gesamte Vermögen von Gribkowky.

Im Kampf um Schadenersatz von ihren früheren Managern hat die BayernLB das Vermögen ihres ehemaligen Risikochefs Gerhard Gribkowsky einfrieren lassen. Vor dem Landgericht München I setzte sich die Bank am Dienstag mit einem Arrestantrag durch, durch den das gesamte Vermögen von Gribkowsky gesichert wird. “Das bedeutet: Der Beklagte kann auf sein Vermögen (Bankguthaben, Immobilien etc.) weder zugreifen noch hierüber verfügen“, erklärte das Gericht. Wie hoch das Vermögen ist, blieb offen. Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sieht nun gute Chancen auf Schadenersatz.

Gribkowsky war bis 2008 als Vorstand für die Risikosteuerung und Vermeidung von Kreditausfällen bei der BayernLB verantwortlich. Er sitzt seit Anfang Januar in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Ex-Manager für den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB an einen Finanzinvestor insgesamt 50 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern kassierte. Das Geld soll er in einer österreichischen Privatstiftung angelegt haben.

Die Zivilkammer kam zu dem Schluss, dass der BayernLB wegen des Bestechungsvorwurfs wahrscheinlich Schadenersatz zusteht. “Das Gericht ist überzeugt, dass zwischen dem Verkauf der Formel-1-Anteile und den finanziellen Zuwendungen an den Kläger ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.“ Gribkowsky habe das Geld durch seine Arbeit für die BayernLB erhalten und müsse es an diese herausgeben.

Mit der Sicherung des Vermögens will die Bank verhindern, dass Gribkowsky mit leeren Händen dasteht, falls er tatsächlich zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt wird. Das Gericht sah nach eigenen Angaben Anhaltspunkte dafür, dass die BayernLB ohne die Sicherung des Vermögens Probleme bekommen könnte, an ihr Geld zu kommen.

Insgesamt fordert die BayernLB 200 Millionen Euro Schadenersatz von Gribkowsky. Zum Prozessauftakt hatte die BayernLB ihm neben den Zahlungen beim Formel 1-Verkauf auch noch Pflichtverletzungen beim Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria (HGAA) vorgeworfen. Diesen Antrag zog die Bank aber zurück, nachdem die Richter zum Verfahrensbeginn Zweifel an den Ansprüchen geäußert hatten. Einen Großteil der Verfahrenskosten muss deshalb die BayernLB übernehmen.

An ihren Vorwürfen im Zusammenhang mit der HGAA-Übernahme hält die Bank aber fest. Aus diesem Verfahren sei der Komplex jedoch herausgenommen worden, um das Verfahren zu vereinfachen, hieß es im Umfeld der Bank.

Bayerns Finanzminister Fahrenschon sieht nun gute Chancen auf Schadenersatz für das Milliardendebakel. “Wir gehen davon aus, dass das Gericht auch im Hauptsacheverfahren der Argumentation der Bank folgen wird“, teilte er mit. “Jetzt ist sichergestellt, dass Herr Gribkowsky sein Vermögen einem berechtigten Zugriff der BayernLB nicht mehr entziehen kann“, erläuterte Fahrenschon. Die Entscheidung zeige, dass das konsequente und schnelle Handeln des Verwaltungsrates der BayernLB richtig war.

Die Landtags-SPD sprach von einem guten Tag für die Steuerzahler. “Jetzt können die Verantwortlichen der BayernLB zeigen, dass es Ihnen ernst ist mit der Wiedergutmachung der Milliardenverfehlungen Ihrer Vorgänger“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der BayernLB-Kommission im Landtag, Inge Aures, laut Mitteilung.

Die Landtags-Grünen sehen hingegen offene Fragen. “Gestern noch hatten die von der BayernLB beauftragten Gutachter Deloitte festgestellt, dass die Formel 1-Anteile nicht unter Preis verkauft worden seien“, teilte Eike Hallitzky, Mitglied der Landesbank-Kommission, mit. “Heute friert das Landgericht München auf Antrag der Bank das Vermögen von Gribkowsky ein, weil er für sein Entgegenkommen beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB an einen Finanzinvestor 50 Millionen Euro erhalten haben soll - das passt doch nicht zusammen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Berlin - Nun wird allmählich offiziell, was sich schon länger andeutete: Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wird es auch 2017 nichts.
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Düsseldorf - Über 1800 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren in Düsseldorf auf der weltgrößten Wassersportmesse „Boot“ wieder ihre Produkte vom Surfbrett bis zur …
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet
Frankfurt/Main - Nach dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Aktienkurse in die Höhe geschossen. Doch nun kommen bei Anlegern die Sorgen zurück. Denn niemand weiß genau, …
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet

Kommentare