BayernLB zwingt Aero-Lloyd zur Landung

- München - Ab in den Süden wollten sie - oder zurück. Tausende Menschen saßen auf Flughäfen fest, weil beim hessischen Ferienflieger Aero-Lloyd die Maschinen standen. Die Bayerische Landesbank als Mehrheitsgesellschafter und größter Geldgeber hat die Startfreigabe für ein Sanierungskonzept verweigert. Aero-Lloyd meldete daraufhin Insolvenz an. Das könnte für die Landesbank teuer werden. Ab in den Süden - nämlich nach München - gehen jetzt womöglich nur noch sechs Airbusse. Diese hatte die BayernLB für Aero-Lloyd finanziert.

<P>Auf einen Zeitraum von drei Jahren hatten die Aero-Lloyd-Geschäftsführer ihr Konzept zur Rettung des Unternehmens ausgelegt. Zusammen mit dem Münchner Unternehmensberater Roland Berger habe man sich "gute Markt- und Überlebenschancen" ausgerechnet, sagte eine Sprecherin. "Für uns war ganz klar, dass das durchgeht" - bis der 66-prozentige Aero-Lloyd-Eigentümer BayernLB die Pläne durchkreuzte. Angesichts der schwierigen Situation auf dem Flugmarkt sei "ein Erfolg versprechendes Fortführungskonzept nicht realisierbar", teilte das Institut mit. "Extrem überraschend" war diese Entscheidung, wie es bei Aero-Lloyd heißt. Seit 1987 hatte die Landesbank den Ferienflieger mit Krediten betankt. </P><P>1998 kaufte die Landesbank in einer schwierigen Phase von Aero-Lloyd sogar zwei Drittel des Unternehmens. Jetzt hätten zur Fortführung des Geschäftes noch 35 bis 60 Millionen Euro gefehlt, wie unsere Zeitung aus Bankenkreisen erfuhr. Doch die wollte man nicht mehr locker machen. Die Entscheidung ist dem Vernehmen nach nicht im Vorstand, sondern im Verwaltungsrat der halbstaatlichen Bank gefallen. Dort sitzen unter anderem Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser und Innenminister Günther Beckstein. Neben der BayernLB soll ein halbes Dutzend anderer Institute involviert sein. Von denen standen mindestens zwei der Landesbank nahe: Die SaarLB, die zu 75,1 Prozent den Münchnern gehört, hängt nach eigenen Angaben mit "einem kleinen einstelligen Millionenbetrag" in der Finanzierung. Und auch die Stadtsparkasse München soll nach Informationen unserer Zeitung als Kreditgeber beteiligt sein.</P><P>Seit gestern früh um 6 Uhr bleiben die 21 Aero-Lloyd-Maschinen am Boden. Der FC Bayern München, dessen Name und Vereinslogo auf zwei der Flugzeuge prangen, muss jetzt auf LTU umbuchen. Die Fußball-AG reist in drei Tagen zum Champions-League-Spiel nach Lyon, sein "Classic-Sponsoringpartner" Aero-Lloyd fällt für diesen Einsatz aus - und wohl auch für die restliche Laufzeit des kürzlich bis 2008 verlängerten Kooperations-Vertrags.</P><P>Die Insolvenz des Ferienfliegers Aero-Lloyd betrifft 1400 Beschäftigte. Auf die BayernLB könnte nach Informationen unserer Zeitung im schlimmsten Fall ein Ausfall in Höhe von 250 Millionen Euro zukommen. "Wir erwarten keinen Schaden", sagte dagegen ein Sprecher des Instituts. Er verwies darauf, dass man "ausreichende Vorsorge getroffen" habe. Die muss einen erheblichen Umfang haben. Die Landesbank hat Aero-Lloyd sechs Airbusse im Wert von je 50 Millionen Euro finanziert, wie eine Sprecherin der Fluggesellschaft bestätigte. Was mit den Flugzeugen passiert, müsse jetzt wohl die Landesbank entscheiden.</P><P>Das Amtsgericht Bad Homburg befindet darüber, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Dies geschieht nur, wenn genügend Geld zur Deckung der Kosten vorhanden ist - etwa für das Gericht und die Vergütung des Insolvenzverwalters. Wenn nicht, müssen die Gläubiger auf eigene Faust versuchen, an ihr Geld zu kommen.<BR></P>

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