Was Bayerns Arbeitgeber zahlen

Urlaubsgeld: - Die Deutschen bekommen wieder mehr Urlaubsgeld - das ergab zumindest eine Studie des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Je nach Branche muss die Reise aber unterschiedlich groß ausfallen - auch bei Münchner Arbeitnehmern.

Die meisten Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter an dem wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben. Doch das macht sich in der Regel nicht beim Urlaubsgeld, das oft im Juni ausgezahlt wird, bemerkbar. Die meisten Firmen belohnen ihre Mitarbeiter stattdessen mit höheren Bonus-Zahlungen.

Hypo-Vereinsbank

Bei der Hypo-Vereinsbank gibt es bereits seit einiger Zeit im April das 13. Monatsgehalt. "Früher wurde es zu gleichen Teilen im Dezember und Juli ausgezahlt", erklärt Sprecher Ralf Horak. Seit diesem Jahr hat jeder Mitarbeiter zudem die Möglichkeit, über das 13. Monatsgehalt hinaus durch individuelle Leistungen Bonuszahlungen zu erhalten. Je besser Vertriebsleistung, Kundenzufriedenheit und Neukundengewinnung, desto größer fällt die Sonderzahlung aus. "Somit hat jeder in wirtschaftlich besseren Zeiten eine höhere Chance, mehr Geld zu bekommen", so Horak. Bis vergangenes Jahr war der Bonus nicht von der persönlichen Leistung, sondern unter anderem vom Erfolg der Bank abhängig.

BMW

BMW-Mitarbeiter dürfen sich in nächster Zeit gleich zwei Mal über ein finanzielles Plus für die Reise freuen: Mit dem Juni-Gehalt wird das Urlaubsgeld gezahlt, das laut Tarif - wie die vergangenen Jahre - bei 70 Prozent eines Monatsgehalts liegt. Im Juli bekommen die Angestellten eine Erfolgsbeteiligung, die sich am Unternehmenserfolg orientiert. Um in diesen Genuss zu kommen, muss man allerdings seit mindestens 30. Juni des Vorjahres bei BMW arbeiten. Neueintritte ab 1. Januar 2004 erhalten einen nach der Betriebszugehörigkeit gestaffelten prozentualen Teilbeitrag. Heuer gibt es 156,3 Prozent vom Monatsgehalt extra. Seit 2001 (120 Prozent) hat sich die Höhe der freiwilligen Zahlung kontinuierlich nach oben entwickelt.

Allianz

Das Urlaubsgeld für Mitarbeiter der Allianz, das im Mai ausgezahlt wird, besteht aus zwei Teilen. Zum einen sind es 0,5 Monatsgehälter, die tariflich festgelegt sind. Zum anderen besteht es aus einem variablen Betrag, der je nach Erfolg des Unternehmens zwischen 0,5 und 0,96 variiert. Heuer können die Angestellten zufrieden sein: Da es der Allianz 2006 gut ging, bekamen sie das Maximum von 1,46 Monatsgehältern.

Wacker Chemie

Das Urlaubsgeld für die Mitarbeiter ist über den Tarifvertrag für die Bayerische Chemieindustrie geregelt. Jeder Vollzeitbeschäftigte erhält 613,50 Euro, die bereits im April ausgezahlt werden. An diesem Betrag hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Für Führungskräfte entfällt allerdings dieses Extra-Geld. Bei ihnen wird ein Bonus ins laufende Gehalt eingerechnet.

Siemens, MAN

Nach dem Tarifvertrag der IG Metall erhalten Mitarbeiter seit über zehn Jahren 50 Prozent pro Urlaubstag. Sofern es nicht anders in der Betriebsvereinbarung geregelt ist, muss das Geld in dem Monat ausgezahlt werden, in dem der Urlaub genommen wird. So bekommt zum Beispiel jeder Siemens-Mitarbeiter genau dann eine Finanzspritze, wenn er Urlaub nimmt. Lässt jemand seine freien Tage verfallen, bekommt er somit auch kein Urlaubsgeld. MAN-Mitarbeiter erhielten im Mai den Extra-Betrag. Zudem gab es bereits im März eine außertarifliche Sonderzahlung, mit der MAN seine Mitarbeiter an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben ließ. "Diese Zahlung gibt es zwar jährlich, doch heuer fiel sie etwas höher aus", erklärt Sprecher Andreas Lampersbach.

Stadt/Sparkasse

Tarifbeschäftigte der Stadt erhalten seit November 2006 eine Jahressonderzahlung, in der Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld zusammengefasst sind. Je nach Gehaltsstufe beträgt es zwischen 60 und 90 Prozent. Die niedrigeren Besoldungsgruppen erhalten 90 Prozent eines Monatsgehalts, die höheren 60. Bis 2006 bekamen Mitarbeiter, die weniger verdienten, rund 332 Euro, Besserverdienende erhielten ungefähr 255 Euro. Anders als die bei der Stadt München deutlich überwiegende Zahl der Tarifbeschäftigten erhalten Beamte der geringeren Besoldungsgruppen bis A8 im Dezember rund 100 Euro extra. Bei der Stadtsparkasse München gibt es wie für alle Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes eine Jahressonderzahlung im Dezember,die das Urlaubsgeld beinhaltet.

Bahn/Post

Bei der Deutschen Bahn erhalten alle Mitarbeiter einen Festbetrag von 409 Euro. Dieser hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert. Die deutlich geringere Anzahl der Beamten bei der Bahn bekommt ebenfalls nur die Sonderzahlung zu Weihnachten. Tarifbeschäftigte der Post erhalten mit dem Juli-Gehalt wie seit einigen Jahren rund 332 Euro zusätzlich.

Wenn Urlaubsgeld zur "betrieblichen Übung" wird

Urlaubsgeld wurde zunehmend in den 70er- und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Tarifverträgen festgeschrieben. Grundsätzlich handelt es sich um eine zusätzliche, freiwillige, über das Urlaubsentgelt hinaus gezahlte Vergütung. Voraussetzung ist daher, dass der Anspruch auf die Zahlung entweder im Tarifvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder einzelvertraglich vorgesehen ist. Die Gewährung beziehungsweise Rückzahlung kann an bestimmte Bedingungen geknüpft werden. So kann eine Wartezeit vorgesehen sein, nach der der Arbeitnehmer erstmalig überhaupt Anpruch auf Zahlung des Urlaubsgeldes hat. Im Arbeitsvertrag kann eine Vereinbarung getroffen worden sein, wonach der Arbeitnehmer zur Rückzahlung verpflichtet ist, wenn er innerhalb eines bestimmten Zeitraums nach der Zahlung des Urlaubsgeldes aus dem Betrieb ausscheidet. Die zusätzliche Leistung kann zudem während der Elternzeit wegfallen. Der Anspruch kann bestehen bleiben, wenn der Tarifvertrag Urlaubsgeld als Sonderzahlung vorsieht, unabhängig von der tatsächlichen Gewährung des Urlaubs. Zahlt der Arbeitgeber wiederholt freiwillig, ohne dass er sich einen Widerruf vorbehalten hat, kann ein Anspruch aufgrund "betrieblicher Übung" entstehen. Das heißt, der Arbeitnehmer kann aus der regelmäßigen Wiederholung der Zahlung zu Recht ableiten, dass der Arbeitgeber sich auch in Zukunft so verhalten wird.

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