Bayerns Brauer durchkreuzen das "Bild des Jammers"

- München - Was das Präfix "Bund" trägt, kommt in Bayern mitunter schlecht an - zum Beispiel die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für die Brauwirtschaft. Absatzrückgang, Brauereisterben - ein "Schreckensszenario" bilde die jüngste Wiesbadener Veröffentlichung, stellte der Präsident des Bayerischen Brauerbundes, Michael Weiß, fest. Und so ein "Bild des Jammers" geben die Brauer nicht ab, zumindest nicht die bayerischen, findet Weiß. Dank Export-Rekord geht es ihnen prima. Nur die Biersteuer trübt ihre Laune.

<P>Während der deutsche Biermarkt 2003 schrumpfte, drehen die Betriebe in Bayern den Zapfhahn weiter auf. Ihr Bierabsatz stieg um 1,8 Prozent auf knapp 23 Millionen Hektoliter. Michael Weiß sieht Bayerns Brauer als Gewinner des Jahres. Sonnenschein und Hitze füllten die Biergärten. Das Dosenpfand vermieste vor allem Großproduzenten von Billigbier das Geschäft. Das ist bitter für Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Bayerns kleinen und mittelständischen Betrieben mit traditionellen Mehrweg-Glasflaschen kam das Einweg-Fiasko gerade recht.<BR><BR>Zudem findet Gerstensaft aus dem Freistaat im Ausland immer mehr Freunde. 1,8 Millionen Hektoliter wurden jenseits der deutschen Grenzen getrunken - so viel wie nie zuvor. Die Rekordexport-Quote von 7,8 Prozent ist vor allem den Italienern zu verdanken, die nach Angaben des Verbands zu den besten ausländischen Kunden bayerischer Brauer zählen. Das Absatz-Tief der Jahre 2000 und 2001 scheint überwunden. Auch wenn Brauerpräsident Weiß erwartet, dass der deutsche Biermarkt "demographisch bedingt leicht zurückgehen wird" und sich Wirte und Produzenten nicht jedes Jahr in einem Rekordsommer sonnen können.<BR><BR>Schon der Winter brachte einen eisigen Wind aus Nordost. In Berlin wurde eine Erhöhung der Biersteuer beschlossen, die nur die kleinen Brauer trifft - also besonders die bayerischen. Die Biersteuermengenstaffel legt fest, dass kleinere Betriebe einen niedrigeren Biersteuer-Satz zahlen. Seit 1. Januar müssen sie zwölf Prozent mehr abführen - eine jährliche Mehrbelastung von bis zu 35 000 Euro für jeden Brauer, rechnet der Verband vor. </P><P>Da die Abgabenerhöhung ohne Debatte im allgemeinen Reform-Hauruck beschlossen worden sei, fühlen sich die Brauer von der Staatsregierung im Stich gelassen. "Verärgerung und Enttäuschung der betroffenen Brauereien sind außerordentlich groß", sagte Weiß. "Es kann nicht sein, dass in einer Nacht- und Nebelaktion der Vermittlungsausschuss Gesetze mit solcher Tragweite beschließt, ohne dass diese zuvor ordentlich in die parlamentarische Debatte eingebracht wurden." Deshalb prüft der Verband derzeit, ob das Gesetz nicht verfassungswidrig beschlossen wurde und eine Klage Aussicht auf Erfolg hat.<BR></P>

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