Bayerns Brauerpräsident im interview: "Einige Brauereien werden aufgeben"

München - Am Georgitag des Jahres 1516 haben die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig V. das Bayerische Reinheitsgebot erlassen. Die Brauer im Freistaat feiern aus diesem Anlass am 23. April den Tag des Bayerischen Bieres. Über Rohstoff-Krise, Rauchverbot und das Hoffen auf Regen sprachen wir mit dem Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes, Michael Weiß.

-Die weltweit angespannte Situation bei vielen Rohstoffen trifft auch die Brauer. Gerste und Hopfen sind nicht nur teuer geworden, sondern teils auch knapp. Ist eine Entspannung abzusehen?

Wir bangen bezüglich der diesjährigen Erntesituation. Einerseits brauchen wir einen möglichst trockenen, warmen Sommer, damit unser Ausstoß beflügelt wird. Andererseits müssen wir uns wünschen, dass es auch regelmäßig regnet, damit die Versorgung mit Rohstoffen quantitativ und qualitativ gegeben ist.

Es wird nicht nur auf die Ernte in Deutschland ankommen, sondern auch auf die auf anderen Kontinenten. Der deutsche Hopfen geht in die ganze Welt. Wenn in Australien ­ wie im letzten Jahr ­ die Ernte praktisch total ausfällt, bedeutet das einen wahnsinnigen Druck auf die anderen Länder, in denen Hopfen produziert wird, gerade auf Deutschland. Die Situation wird auf jeden Fall angespannt bleiben.

-Gerade ist eine Preisrunde erfolgt. Der Bierkasten ist im Schnitt rund einen Euro teurer geworden. Wann steht wieder eine Preiserhöhung an?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass innerhalb eines Jahres zwei Preisrunden stattfinden. Aber ich möchte nicht die Hand dafür ins Feuer legen, was nächstes Jahr passiert. Es geht ja nicht nur um die Kosten für Rohstoffe, sondern auch um die für Energie. Einige Brauereien sagen, von der Kostensituation her wäre es 2009 unabdingbar, die Preise zu erhöhen. Ob man sich das leisten kann, wie der Verbraucher reagieren würde, ist die andere Frage.

-Werden wegen der angespannten Lage weitere Brauereien vom Markt verschwinden?

Der Konsolidierungsprozess in der Braubranche wird nicht langsamer. Es gibt viele Unternehmer, die keinen Nachfolger haben. Dazu wird es verstärkten Druck auf die Renditen geben. Steigende Kosten und stagnierende Umsätze werden sicher weiter Druck auf die Branche ausüben und dafür sorgen, dass der eine oder andere schwache Marktteilnehmer aufgibt.

-Wie hat sich das Geschäft seit Jahresbeginn entwickelt?

Januar und Februar waren ganz gut, der März weniger, und der April wird sicher schlecht im Vergleich zum Vorjahr. Denn 2007 hatten wir im April durchgehend über 20 Grad und fantastisches Biergartenwetter. Aber entscheidend ist der Sommer. Für Mai, Juni, Juli, August hoffen wir auf schönes Wetter und den Einzug der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Europameisterschafts-Finale. Das würde uns helfen.

-Hat sich das seit Jahresbeginn geltende strenge Rauchverbot in Bayern auf das Geschäft der Brauer ausgewirkt?

Man muss das differenziert sehen. Für die Gasthäuser, bei denen Speisen einen hohen Anteil haben, gibt es kein Problem. Aber die, bei denen viel Bier getrunken wird ­ Bistros, Bars, Kneipen ­, haben teils ein riesiges Problem. Bei manchen ist es abends um zehn Uhr zappenduster, weil Stammgäste ausbleiben oder früher gehen. Wenn wir die Ausweichsituation mit den Raucherclubs nicht hätten, wäre es noch dramatischer. Das ist ein unerträglicher Zustand. Das Gesetz orientiert sich nicht am Menschen und nicht am Problem. Man hat der freiwilligen Regelung keine Chance gegeben.

Interview: Dominik Müller

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