Tote und Verletzte in den USA: Zug stürzt auf Autobahn

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Das WM-Fieber lässt die Kassen klingeln. Fußball-Fans, die sich mit Deutschland-Devotionalien oder turniergerechten Fernsehern eindecken, bringen heuer teils mehr Umsatz als 2006.

Bayerns Einzelhändler hoffen auf WM-Höhenflug

Wetter und Finanzkrise mindern Umsätze – Karstadt in München zeigt sich erleichtert über neuen Investor

Es knirscht im Getriebe vieler Einzelhandelsunternehmen, das ist die Botschaft des Handelsverbands Bayern (HBE). Bis Ende April gingen die Umsätze in den Geschäften real um fast fünf Prozent zurück, teilte der Verband gestern in München mit. Ein enttäuschender und schwacher Start ins Jahr, sagte HBE-Präsident Michael Krines. Damit dauert das Minus aus dem vergangenen Jahr an. 2009 setzte der Handel mit seinen rund 60 000 Betrieben im Freistaat 67 Milliarden Euro um – ein Minus von real 3 Prozent.

Wetter zu schlecht für guten Umsatz

Im Vergleich zum produzierenden Gewerbe jedoch „verhältnismäßig stabil“, betonte Krines. Nahezu konstant blieb auch die Zahl der Beschäftigten. Sie ging um 0,6 Prozent auf 335 000 Mitarbeiter zurück. Bis Ende des Jahres hofft Krines, das Minus zumindest ausgleichen zu können. Das hängt allerdings von vielen ungewissen Faktoren ab: Zum einen das Wetter. Regnet es weiter, bleiben die Sommer-Textilien im Regal liegen. Kommt eine Hitzewelle, bleiben die Kunden allerdings lieber im Biergarten.

Der andere psychologisch wichtige Faktor ist die Stimmung der Verbraucher. Angst vor einer Verschärfung der Eurokrise oder vor einem Jobverlust macht schlechte Laune und hindert am Geldausgeben. Umso erfreulicher ist aus Sicht des Einzelhandels die derzeit laufende Fußball-WM in Südafrika. „Jedes Tor von Podolski und Co. freut uns ganz besonders“, so Krines. Gewinnen die Deutschen, klingeln die Kassen. Je weiter die Nationalmannschaft im Turnier kommt, desto länger haben auch die Einzelhändler etwas von der WM. Das Zusatzgeschäft mit Trikots, Fähnchen und Vuvuzelas sei ein wichtiger Impulsgeber, betonte Krines.

Man könne zwar nicht in den selben Dimensionen rechnen wie 2006, als die WM in Deutschland stattgefunden hat. Dennoch merken die Händler einen steilen Umsatzanstieg. Flori Schuster, Geschäftsführer von Sport Münzinger in München, erklärte, dass der Umsatz bei ihm derzeit sogar höher sei als vor vier Jahren. Auch Hans-Jürgen Gladasch, Chef des Karstadt am Münchner Hauptbahnhof, berichtete von einem zweistelligen Plus im Sportartikel-Bereich. „Wir sind mehr als zufrieden“, sagte er, und das, obwohl sein Haus „umbaugestört“ sei. Im September sollen die Baumaßnahmen nach vier Jahren beendet sein – 12 Millionen Euro wurden dann insgesamt für die Zukunft des Warenhauses verbaut.

„Es gibt mehr Warenhäuser, als der Markt verkraften kann.“
Michael Krines, HBE-Präsident

Der Blick nach vorne fällt Gladasch derzeit leicht, nachdem sich für die insolvente Karstadt-Kette nach einjähriger Hängepartie Anfang Juni ein Käufer gefunden hatte. Zwar könne man die Korken noch nicht knallen lassen, doch der Champagner sei schon kühlgestellt, meinte Gladasch. Das genaue Konzept des Investors Nicolas Berggruen kennt auch er noch nicht. „Aber das, was wir bis jetzt wissen, ist, dass wir mit ihm einen guten Investor gefunden haben“, sagte er. „Mit der Marke Karstadt geht es nun weiter.“ Nicht ganz so euphorisch schätzt HBE-Präsident Krines die Lage ein. „Grundsätzlich sind Warenhäuser notwendig und werden von den Kunden gefordert“, sagte er. Sie würden wie Magneten wirken und für eine höhere Kunden-Frequenz im Umfeld sorgen. „Große und kleine Händler leben in Symbiose.“ Dennoch ist er skeptisch. „Es gibt deutschlandweit über 200 Karstadt- und Kaufhof-Filialen, das ist ganz offensichtlich mehr, als der Markt verkraften kann. Die nehmen sich doch gegenseitig die Butter vom Brot“, sagte Krines. Langfristig werde man eine Marktbereinigung nicht verhindern können.

Stefanie Backs

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