Bayerns Meister dürfen studieren

- München - Bayerns Meister dürfen an die Uni. Wer seinen Meisterbrief in einem technischen Beruf gut bestanden hat, kann sich ohne Abitur auf den Fachhochschulen (FH) einschreiben. Damit weitet die Staatsregierung jetzt ein Pilotprojekt auf den ganzen Freistaat aus.

<P>Ein Kniff macht selbst Hauptschul-Abgängern mit Meisterbrief den Weg zum Campus frei. Die Meister müssen ein für sie kostenfreies Extra-Semester mit zentraler Prüfung an der FH Amberg absolvieren. Gymnasiallehrer, die das Kultusministerium bereitstellt und die FH bezahlt, unterrichten von Februar bis Juli Deutsch und Mathe. Wer das Semester besteht, kann sich an jeder bayerischen FH einschreiben. Seit 2001 haben knapp 60 Meister das Pilotprojekt erfolgreich absolviert. Jetzt soll das bisher auf E-Technik und Maschinenbau beschränkte Konzept in Amberg in den Regelbetrieb übernommen werden, mittelfristig sind weitere Standorte im Gespräch.</P><P>Kultus-, Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium haben sich geeinigt, das Kabinett ist einverstanden. Das Vorhaben, in einigen Bundesländern ähnlich längst bewährt, soll Gesetz werden. "Wir haben schon immer dafür gekämpft", atmet Ludwig Stock von der Handwerkskammer auf. Man wolle den Meistern neue Chancen eröffnen und die Durchlässigkeit des Ausbildungssystems verbessern: "Diese Lösung ist sehr attraktiv."</P><P>Die Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern würde sich gerne mitfreuen. Nicht allein Handwerksmeister, auch Industriemeister und der kaufmännische Bereich sollten in das Projekt aufgenommen werden, fordert IHK-Experte Axel Gridl. Die bisherige Beschränkung sei nicht zu begründen - ein "ordnungspolitischer Fehlgriff" drohe. Im Grunde begrüßt die IHK die Neuerung. Die Lehre solle keine Sackgasse sein und der Meistertitel nicht für jeden das Ende der Karriereleiter.</P><P>Fraglich ist allerdings, wie sich das Interesse der Meister entwickeln wird: Sie müssten ihre Arbeitsstelle und damit ihr Einkommen für die Zeit des Einführungssemesters und des Studiums aufgeben, allenfalls Bafög winkt.</P><P>Noch ein Problem haben die Handwerkskammer-Leute: Von den erfolgreichen Absolventen ist dem Handwerk bisher wenig geblieben - große Unternehmen reißen sich um die studierten Meister. </P>

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