Bayerns Ölfelder werden wieder interessant

München - Tief unter der Erdoberfläche in Bayern lagern Öl und Gas. Die lange Zeit niedrigen Marktpreise haben die Förderung unrentabel gemacht. Doch nun wird wieder gebohrt.

Die Quelle war jahrhundertelang ergiebig. Mönche des Klosters Tegernsee fingen die zähe, bräunliche Flüssigkeit auf, die nahe am See aus dem Boden rann, und verkauften sie in kleinen Fläschchen: Steinöl (lateinisch Petroleum) war eine Arznei. Die St.-Quirins-Ölquelle versiegte rasch, als man 1909 begann, am Tegernsee nach Öl zu bohren.

Noch immer wird in Bayern Öl gefördert. Doch nur zwei der vielen Lagerstätten, die nach dem Zweiten Weltkrieg erschlossen wurden, haben die Zeiten niedriger Ölpreise überstanden. Bei zehn Dollar pro Barrel (159 Liter) war das meiste Öl aus Bayern nicht rentabel. Bei über 110 Dollar schon. Jetzt suchen in Bayern wieder fünf Firmen mit amtlichem Segen nach bayerischem Erdöl und -gas.

Nach Zahlen des bayerischen Wirtschaftsministeriums gab es zwischen 1984 und 2000 eine einzige Erdgas-Bohrung in Bayern. Seit 2001 wurde bereits wieder zehn Mal nach Öl oder Gas gebohrt. Und zwei bis fünf weitere Bohrungen stehen an.

Zwei der Firmen, die sich in Bayern auf die Suche nach brennbaren Bodenschätzen machen, stammen aus Österreich. Beide haben dort erfolgreich Öl und Gas aufgespürt und auch gefördert. Weil die geologischen Voraussetzungen im bayerischen Alpenvorland ähnlich sind, lässt sich die dabei gesammelte Erfahrung auch hier nutzen. OMV (die ehemalige Österreichische Mineralölverwaltung) bohrt in einem Gebiet zwischen Murnau und dem Bodensee nach Gas. Man wurde auch fündig. Doch das Vorkommen, das westlich von Kempten aufgespürt wurde, war nicht wirtschaftlich ausbeutbar, wie Christian Astl von OMV sagt.

Nun hofft man, bei einer zweiten Bohrung nördlich von Nesselwang erfolgreich zu sein. Immerhin wurde bereits ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. Die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit in ganz neuen Fördergebieten ist hoch, weil die gesamte Infrastruktur, etwa die Leitungen, neu aufgebaut werden muss. Also braucht man große Mengen, um am Ende etwas verdient zu haben. Von einer Milliarde Kubikmetern spricht Astl ­ der Jahresverbrauch von 100 000 Haushalten.

Diese Schwelle ist bei Wintershall niedriger. Denn die BASF-Tochter fördert in Aitingen südlich von Augsburg bereits 90 Prozent des Bayerischen Erdöls: 37 000 Tonnen im Jahr. Ab September wird in Aitingen wieder gebohrt. Da die gesamte Infrastruktur vorhanden ist, rechnet sich die Sache schneller. Das bestätigt auch Astl: "Am schwersten ist der erste Fund."

Die Hoffnung auf diesen Fund hat die Wiener Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) fast schon aufgegeben. Rund um den Chiemsee wurde gesucht und gebohrt. "Sehr erfolglos", wie Sprecher Christian Tidl sagt. Dabei hat RAG alle Voraussetzungen, auch kleine Lagerstätten im östlichen Oberbayern wirtschaftlich auszubeuten. Im nahen Salzburger Land fördert das Unternehmen bereits. Jetzt konzentriert man die Suche auf kleine Lagerstätten in Österreich.

Shell-Dea macht sich indes auf die Suche nach ehemaligen großen Gasvorkommen. Das Unternehmen, das in Prittlbach (Kreis Dachau) kleinere Mengen Öl fördert, will wissen, ob große ausgebeutete Erdgas-Lagerstätten in Bayern reaktiviert werden können: als Speicher für frisches Erdgas aus Russland. Immerhin hat sich im porösen Gestein Gas viele Jahrtausende gut gehalten, bevor es entdeckt, gefördert und verbraucht wurde.

Nach Altbekanntem sucht auch die Rhein-Petroleum AG. Das Unternehmen will die Ausbeutung von früher entdeckten Ölvorkommen wieder aufnehmen, die zu Zeiten billigen Öls aufgegeben wurden, wie Geschäftsführer Franz Nieberding gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

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