Bayerns Wirtschaft doch nicht Schlusslicht

- München - Das Umfrage-Ergebnis des britischen Forschungsinstituts NTC von Ende Januar hatte Otto Wiesheu gar nicht gefallen. Demnach war die bayerische Wirtschaft im vergangenen Jahr schwächer gewachsen als die anderen westdeutschen Bundesländern. "Der komische Index sagt nichts aus", schimpfte der Minister und legte nun die offiziellen Zahlen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf den Tisch. Fazit: Unter den Bundesländern belegten Bayern und Sachsen 2004 den ersten Platz in Sachen Wirtschaftswachstum.

<P>Wie auch auf Bundesebene trieb der Export das reale Bruttoinlandsprodukt im Freistaat um 2,3 Prozent nach oben. Waren und Dienstleistungen in Höhe von 115 Milliarden Euro wurden ins Ausland verkauft. Damit stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr um fast elf Prozent, was dem elften Rekordwert in Folge entspricht. Die USA, gefolgt von Italien, Großbritannien, Frankreich und Österreich nahmen den bayerischen Unternehmen weiterhin am meisten ab. Interessiert waren sie vor allem an Autos und Nutzfahrzeugen, die rund ein Drittel der Exporte ausmachten.<BR><BR>Das Wachstum über dem Bundesdurchschnitt (1,7 %) widerlegt zumindest vorerst die Kritik am Sparkurs der bayerischen Regierung. So hatte etwa der Wirtschaftsweise Peter Bofinger gesagt, durch die Kürzung der Staatsausgaben um zehn Prozent werde ein "Aufschwung tot gespart".<BR><BR>Aber auch Bayern behielt im vergangenen Jahr seine Problemzonen. So gingen in Einzelhandel und Baugewerbe nicht nur die Umsätze, sondern ebenso wie im Handwerk auch die Beschäftigtenzahlen deutlich zurück. Die offizielle Arbeitslosenquote verharrte zwar im Durchschnitt bei 6,9 Prozent. Dies lässt sich jedoch auf "beschönigende" Eingriffe an der Statistik zurückführen, wie es im Wirtschaftsministerium heißt.<BR><BR>Auch im laufenden Jahr kommen auf den bayerischen Arbeitsmarkt schlechte Zeiten zu. "Vieles deutet auf eine ungebrochene Bereitschaft der Unternehmen hin, neue Produktionsstätten eher an kostengünstigeren Auslandsstandorten zu errichten", sagt Wiesheu. Trotzdem will der Minister beim Wachstum im Ländervergleich wieder gut abschneiden: "Wir wollen besser sein als alle anderen."</P>

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