Bayerns Wirtschaft mit ihrer derzeitigen Situation zufrieden

- München - Bayerns Wirtschaft ist deutlich zufriedener als noch am Jahresanfang. Zum dritten Mal in Folge äußerte sich die Mehrheit der bayerischen Unternehmen gut über ihre Geschäftslage, ergab die Konjunkturumfrage der Bayerischen Industrie- und Handelskammer. Sogar die lange daniederliegende Baubranche ist zuversichtlich. Einziger Wermutstropfen: Eine steigende Zahl von Unternehmern glaubt nicht an eine weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung.

"Sowohl Investitions- als auch Einstellungspläne deuten darauf hin, dass die Euphorie nachlässt", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler bei der Vorstellung der Umfrage vom Mai.

Die Erwartungen, die die Unternehmen zu Jahresanfang in die Große Koalition gesetzt haben, seien bislang unerfüllt geblieben.

"Wie geht es mit der Steuerreform weiter?", fragte Dörfler. Da zeichne sich nicht der große Befreiungsschlag ab. "Für die seit langem bekannten strukturellen Probleme sind - wenn überhaupt - nur mittelmäßige Lösungen in Sicht."

Die aktuelle Lage der Unternehmen wird mehrheitlich gut beurteilt: 33 Prozent statt der 27 Prozent im Frühjahr melden eine gute Geschäftssituation. Über schlechtere Geschäfte klagten nur noch 15 statt 18 Prozent. Dagegen fallen die Geschäftserwartungen etwas zurückhaltender aus als Anfang 2006. Die Zahl der optimistischen Unternehmer ist von 30 auf 28 Prozent gesunken, die der pessimistischen bei 8 Prozent geblieben.

Bayerische Industrieunternehmen beurteilen ihre Geschäftslage zum dritten Mal in Folge besser. "Erfreulich ist, dass insbesondere das Inlandsgeschäft sich stark verbessert hat", sagte der IHK-Geschäftsführer.

Und auch die Bauwirtschaft, über viele Jahre eines der Sorgenkinder, spricht jetzt mit 23 Prozent (zuvor 11 %) von einer positiven Lage. Nur noch 17 Prozent (35 %) seien unzufrieden. Vor allem dank des starken Auftragsanstiegs im privaten Wohnungsbau und die 2005 ausgelaufene Eigenheimzulage habe zu der erhöhten Nachfrage nach Bauleistungen geführt.

Überdurchschnittlich gut verläuft laut der Umfrage auch die konjunkturelle Entwicklung im Großhandel. Und auch die Einzelhändler berichten von einer besseren Lage. Trotzdem seien deren Ertragsaussichten abgesackt. "Damit zeichnen sich bereits jetzt die negativen Effekte der Mehrwertsteuererhöhung - der größten Steuererhöhung seit dem Zweiten Weltkrieg - ab", resümiert Dörfler.

Der Arbeitsmarkt jedoch profitiere nicht vom Aufschwung. Die geringe Investitionsbereitschaft der Unternehmen habe zur Folge, dass der Arbeitsmarkt weiter vor sich hindümpele. So wollen 17 Prozent (15 %) der bayerischen Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen, 16 Prozent (19 %) entlassen. Das reiche nicht aus, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu vermindern. Nur durch einen Abbau von Reglementierungen, ganz oben rangiere bei den Unternehmen Erleichterungen beim Kündigungsschutz, würden neue Arbeitsplätze geschaffen, meint Dörfler.

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