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Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Konjunktur

Bayerns Wirtschaft senkt Prognose

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München - Politische Krisen im Ausland, schwache Exportzahlen und trübe Konjunkturaussichten sorgen für schlechte Stimmung in der bayerischen Wirtschaft. Die Unternehmen stellen sich auf unsichere Zeiten ein.

Das geht aus einer Umfrage der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hervor. Entsprechend hat der Verband seine Wachstumsprognose für Bayern nach unten korrigiert. Ging die vbw im Frühjahr noch von einem Wachstum für das laufende Jahr von 2,2 Prozent aus, liegen die Erwartungen nun bei 1,7 Prozent.

„Wir durchleben derzeit eine konjunkturelle Delle, von der wir nicht wissen, wie tief sie wird, und die das Risiko einer längeren Abschwächung in sich birgt“, sagte vbw-Präsident Alfred Gaffal am Montag in München.

Auch wenn Gaffal nicht an eine Rezession in absehbarer Zeit glaubt, werde sich das Wachstum im kommenden Jahr erneut verlangsamen. Entsprechend verhalten sind die Prognosen der Betriebe in Bayern für die Zukunft: Die Firmen haben ihre Produktions-, Beschäftigungs- und Investitionspläne nach unten korrigiert.

Grund für die schlechte Stimmung ist vor allem die stockende Weltwirtschaft. Politische Krisen (vor allem Russland), die Stagnation im Euroraum und die enttäuschende Entwicklung einiger Schwellenländer (unter anderem Brasilien und Indien) bremsen die Konjunktur. Das macht sich bei den bayerischen Exporten bemerkbar.

Gaffal: "Wieder Wirtschafts- statt Sozialpolitik betreiben"

Die Ausfuhren in die Eurozone sanken in den ersten acht Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent. Noch stärker gingen die Exporte nach Brasilien (– 14,6 Prozent) und Indien (– 9,5) zurück. Die Ausfuhren nach Russland lagen im Schnitt acht Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Zahlen gehen hier allerdings Monat für Monat mehr zurück. Bisheriger Höhepunkt: Im August sanken die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20,4 Prozent. Die Exporte nach Russland machen rund drei Prozent des bayerischen Exportvolumens aus. Gestiegen sind dagegen die Ausfuhren in die USA (+ 1,6 Prozent) und China (+ 7,4). Da diese Länder nach Volumen weit wichtigere Handelspartner sind, liegen die bayerischen Ausfuhren insgesamt immer noch leicht über dem Vorjahresniveau.

Doch nicht nur außenwirtschaftliche Unsicherheiten belasten die bayerischen Unternehmen. Die Große Koalition habe in ihrem ersten Jahr neue Belastungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschaffen, so Gaffal. Der Mindestlohn werde zum Beispiel in vielen Branchen zu Preiserhöhungen oder Kündigungen führen. „Es ist jetzt an der Zeit, wieder Wirtschafts- statt Sozialpolitik zu betreiben“, forderte Gaffal. Die Bedingungen für Unternehmensinvestitionen müssten verbessert werden, die staatlichen Investitionen – vor allem in die Infrastruktur – steigen. Gaffals Warnung mit Blick auf Berlin: „Die Wirtschaft ist kein Selbstläufer.“

Manuela Dollinger

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