Bayerns Wirtschaft strotzt vor Stärke

München/Berlin - Im Freistaat ist die Stimmung in der Wirtschaft glänzend, während im Rest des Landes erste Unkenrufe laut werden. Der Aufschwung verliere an Kraft, bleibe aber robust.

Die bayerische Wirtschaft brummt wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) ist nach einem Plus von 3,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten sechs Monaten für 2007 noch zuversichtlicher als bisher: "Ich gehe jetzt davon aus, dass nach dem starken ersten Halbjahr in der Jahresendabrechnung eine Drei vor dem Komma steht", erklärte Huber gestern in München.

Alle Wirtschaftszweige sorgten derzeit für Wachstumsimpulse. Dabei komme der kräftigste Schub aus der Industrie, die ihre Wertschöpfung im ersten Halbjahr um acht Prozent erhöhte. Mit einem Wachstum von 3,5 Prozent habe der Freistaat die Spitzenposition unter den alten Ländern übernommen. Deutlicher als in Bayern sei das Plus im ersten Halbjahr nur in Mecklenburg-Vorpommern ausgefallen, wo das preisbereinigte BIP um 4,0 Prozent zulegte.

Zwar seien die Unsicherheiten durch den hohen Eurokurs, die steigenden Ölpreise und die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten größer geworden. "Die konjunkturellen Fundamentaldaten sind aber weiterhin gut. Der Aufschwung geht weiter", sagte Huber.

Auch das arbeitgebernahe  Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht den Konjunktur-Aufschwung in Deutschland durch die Krise an den internationalen Finanzmärkten nicht bedroht, aber er verliere an Kraft. Das IW senkte daher seine Prognose für das Wachstum 2008 von bisher 2,2 auf 1,9 Prozent. Laut Expertenansicht dürfte der private Konsum nach langer Flaute 2008 wieder aufholen und zu einem Wachstumstreiber werden. Die Arbeitslosenzahl soll 2008 demnach auf 3,5 Millionen zurückgehen.

Insgesamt sei die deutsche Konjunktur weiterhin robust, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Nur der zuletzt sichtbare Erholungskurs am Bau werde aber wohl unterbrochen.

Das sieht der Hauptverband der Bauindustrie weniger pessimistisch: "Der Aufschwung ist intakt, ich halte ihn für nachhaltig", sagte Verbandspräsident Hans-Peter Keitel der "Welt". Trotz zuletzt deutlich gesunkener Auftragseingänge und Baugenehmigungen rechnet er mit einem anhaltenden Boom am Bau. Weil die Branche wegen des milden Winters mit einem völlig untypischen Auftragsplus um rund 15 Prozent ins Jahr gestartet sei, sei der aktuelle leichte Rückgang "nicht dramatisch". "Wir sind optimistisch, dass sich der Aufschwung deutlich ins Jahr 2008 zieht", sagte der ehemalige Hochtief-Chef. 

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