BayWa-Chef: "Spekulieren nicht mit Rohstoffen"

München - Mit dem Wechsel an die BayWa-Spitze hat Klaus Josef Lutz dem Handelskonzern eine neue Strategie verordnet: Die BayWa trennte sich von Randaktivitäten und investierte stattdessen in erneuerbare Energien.

Um in diesem Bereich weiter zu wachsen, plant Lutz weitere aggressive Akquisitionen. Wir sprachen mit dem BayWa-Chef über Olympia 2022, das neue grüne Image und Rohstoff-Spekulationen.

-Die BayWa gehörte zu den Sponsoren für Olympia 2018. Wie groß ist die Enttäuschung?

Zunächst möchte ich Südkorea gratulieren. Allerdings bleiben auch nach der Entscheidung viele Fragen offen: Haben etwa finanzielle Zusagen die Wahl beeinflusst? Ich kann dies nicht beurteilen. Als Bürger der Stadt München bin ich natürlich absolut enttäuscht . . .

-. . . und als BayWa-Chef?

Auch wenn München und das Oberland die olympischen Spiele 2018 nicht bekommen haben, war die Bewerbung für die BayWa ein großer Erfolg. Bei Gesprächen im Ausland sind wir immer wieder auf unser Engagement für Olympia 2018 angesprochen worden. Wir überlegen daher bereits, wie wir den Schwung aus der Olympia-Bewerbung weiter nutzen können. Wir denken da an eine langfristige Förderung im Sportbereich, allerdings nicht auf einzelne Sportler oder Vereine bezogen.

-Sollten sich München und das Oberland 2022 erneut bewerben - wäre die BayWa wieder dabei?

Wenn es gewünscht wird, dann kann ich mir eine Unterstützung wieder gut vorstellen.

-Die BayWa vollzieht derzeit einen deutlichen Imagewandel - und setzt stark auf ,grüne Energien‘.

Wir haben vor zwei Jahren mit dem Einstieg in die erneuerbaren Energien ein völlig neues Geschäftsfeld geschaffen, obwohl es intern auch Bedenken gab. Zur neuen Strategie gehört aber ebenso, die BayWa stärker international auszurichten.

-Ist dies mit der Marke „BayWa“ möglich?

Gerade im Englischen ist es eine wunderbare Abkürzung. Es gibt daher keine Pläne, den Namen zu ändern. Im Gegenteil: Wir wollen die Marke „BayWa“ weiter stärken.

-Wie hoch ist der Anteil des Auslandsgeschäfts?

Knapp 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaften wir derzeit im Ausland. Langfristig wollen wir diesen Anteil auf mindestens 50 Prozent steigern.

-Das geht aber nicht ohne Zukäufe.

Wir schauen uns momentan in den USA Windkraftprojekte an. Auch im Bereich Solar planen wir weitere Zukäufe.

-Wie wollen Sie mit grüner Energie Geld verdienen?

Wir treten ausschließlich als Dienstleister auf. Wir produzieren und forschen nicht. Ein Beispiel: Wir bauen auf eigene Rechnung einen Windpark, kümmern uns um Wartung und Einspeisung des Stroms. Wenn alles läuft, verkaufen wir die Anlage. Langfristig werden wir auch in die Erneuerung von bestehenden Anlagen investieren.

-Seit Frühjahr sind Sie aber auch als Anbieter von Ökostrom und Ökogas am Markt.

Als Unternehmen mit dem Geschäftsfeld erneuerbare Energien gehören diese Angebote einfach dazu. Wir werden aber sicher nicht der große Ökostrom- oder Ökogasanbieter.

-Der Kapitalmarkt hat die BayWa noch nicht als grünes Investment erkannt. Woran liegt es?

Darüber bin ich auch verärgert. Beim Namen „BayWa“ denken viele immer nur an Agrar, Baustoff oder Heizöl. Wir müssen uns daher noch stärker im Bereich der erneuerbaren Energien profilieren. Allerdings ist dies bei einem Handelskonzern mit über 200 Beteiligungen keine leichte Aufgabe.

-Die BayWa gehört zu den Gewinnern der Energiewende. Sind Sie also ein Fukushima-Profiteur?

Über den Atomausstieg herrschte schon vorher Einigkeit. Streit gab es nur über die Frage des Ausstiegsdatums. Wir haben unser grünes Engagement aber weit vor der Katastrophe in Japan gestartet.

-Welche Hoffnungen verbinden Sie mit Ihrem grünen Engagement, das neben die traditionellen Geschäftsfelder Agrar und Bau getreten ist?

Im Bereich der erneuerbaren Energie streben wir einen Umsatz von einer Milliarde Euro an. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll von rund 26 Millionen Euro, die wir für 2011 realisieren wollen, auf 50 Millionen Euro wachsen. Dies sind mittelfristige Perspektiven.

-Und die Ziele für das Gesamtunternehmen?

Umsatzprognosen sind für uns sehr schwierig, weil wir als Agrarhändler unter den Schwankungen der Rohstoffpreise leiden. Wenn die Preise einbrechen, sinkt auch unser Umsatz. Wir wollen aber auch im Agrargeschäft kräftig wachsen - zum Beispiel im Obsthandel. Hier wollen wir den Umsatz in den nächsten Jahren von derzeit 110 auf 500 Millionen Euro steigern.

-Stichwort Agrar: Wie werden sich die Preise 2011 entwickeln?

Ich rechne bei Getreide mit steigenden Preisen. Verantwortlich dafür ist unter anderen die hohe Nachfrage aus Asien. Dort steigt vor allem die Nachfrage nach Fleisch. Allein für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch werden im Schnitt vier Kilogramm Getreide benötigt. Da die Weltbevölkerung weiter wächst und die Ackerfläche schrumpft, rechne ich auch langfristig mit steigenden Getreidepreisen.

-Steigende Getreidepreise befeuern die Teller-Tank-Debatte - also den bevorzugten Anbau von Getreide für die Energiegewinnung.

In Deutschland ist dies weniger ein Thema, in Amerika schon. In den USA wurden 2010 rund 40 Prozent der Maisernte für die Ethanolherstellung verwendet. Um die Teller-Tank-Debatte zu entschärfen, setzen wir bei Biogas auf eine neue Technologie. Dabei wird Biogas nicht aus Getreide, sondern aus organischen Abfällen hergestellt. Wir entwickeln aber auch neues Saatgut. So können spezielle Gräser auf Grünlandflächen angepflanzt werden, die wiederum für die Biogasherstellung verwendet werden.

-Welche Rolle spielen Spekulanten beim Getreidepreis?

Große Fonds bestimmen natürlich den Markt. So wurde 2009 an der Börse in Chicago die Weltgetreideernte von insgesamt über zwei Milliarden Tonnen 52 mal gehandelt. Hier wird also nicht mehr reale, sondern nur noch virtuelle Ware gehandelt.

-Beteiligen Sie sich auch an Rohstoff-Spekulationen?

Nein. Wir spekulieren nicht. Wir handeln auch nicht mit virtueller Ware. Wir haben strenge Richtlinien: Maximal 15 Prozent der eingekauften Ware darf über eine längere Zeit gehalten werden.

-Hat dies ethische Gründe, oder wollen Sie nur Risiken vermeiden?

Natürlich geht es in erster Linie darum, das Risiko für die BayWa zu begrenzen. Denn wenn es mal steil nach oben geht, kann es auch wieder steil nach unten gehen. Unsere strikte Politik schützt damit auch die BayWa-Mitarbeiter und nicht nur unsere Aktionäre.

-Müssen Rohstoff-Spekulationen begrenzt werden?

Wir brauchen den Handel, um Liquidität im Markt zu halten und ein gewisses Preisniveau zu sichern. Es ist daher schwierig, eine vernünftige Grenze zu ziehen. Was wir auf jeden Fall benötigen, ist mehr Transparenz.

-Und was halten Sie von sogenannten Leerverkäufen, bei denen Spekulanten Rohstoffe, die sie gar nicht besitzen, verkaufen, um sie später billiger zurückzukaufen?

Leerverkäufe würde ich verbieten.

Interview: Georg Anastasiadis, Corinna Maier und Steffen Habit

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