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Mit dem Kauf des neuseeländischen Obsthändlers Turners & Growers kann die BayWa künftig an 365 Tagen im Jahr Äpfel liefern.

Mit einem Apfel einmal um die Welt

München - Neuseeländische Äpfel und BayWa gehören jetzt zusammen: Im Herbst hat Europas größter Agrarhändler den neuseeländischen Obsthändler Turners & Growers übernommen. Ein Meilenstein für das Unternehmen.

Sorgfältig positioniert Klaus Josef Lutz einen prächtig roten Apfel auf dem Rednerpult. Das Obststück aus Neuseeland ist für den BayWa-Chef Symbol für die neue internationale Strategie des Konzerns. Im Herbst hat Europas größter Agrarhändler den neuseeländischen Obsthändler Turners & Growers übernommen. Ein Meilenstein für das Unternehmen, betont BayWa-Chef Lutz bei der Hauptversammlung in München.

Lutz hat bei der Aktionärsversammlung leichtes Spiel. Das Geschäft lief 2011 besser als geplant. Der Umsatz stieg um gut 20 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Der Überschuss kletterte um drei auf knapp 70 Millionen Euro. „Es war ein sehr sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Lutz stolz. Aber nicht nur die guten Zahlen überzeugen die Aktionäre. Auch für die seit Jahren schwächelnden Bau- und Gartenmärkte kann Lutz eine Lösung präsentieren. Die Sparte wird schrittweise ausgegliedert und vom Baumarktbetreiber Hellweg übernommen.

Eindringlich wirbt Lutz bei den Aktionären für den ungewöhnlichen Zukauf in Neuseeland. Natürlich frage sich mancher, warum die BayWa ausgerechnet am anderen Ende der Welt investiere, räumt Lutz ein. „Ganz ehrlich: Es gibt nach meiner Auffassung gar keine andere Alternative.“ Mit der Übernahme von Turners & Growers könne die BayWa künftig an 365 Tagen im Jahr Äpfel liefern – und erfülle damit einen Wunsch der Kunden. Aber auch für deutsches Obst würden sich neue Absatzmöglichkeiten ergeben, so der BayWa-Chef.

Scharfe Kritik übt Lutz an der deutschen Energiepolitik. Seit dem schwarz-gelben Beschluss zum Atomausstieg vor gut einem Jahr sei kaum etwas passiert. „Hier wird Zeit auf schon fast verantwortungslose Art vertan durch endlose Diskussionen und Wahlkampf-Geplänkel“, beklagt Lutz. Oder es werde „wilder Aktionismus“ betrieben wie bei der geplanten Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom, die jetzt vom Bundesrat gestoppt wurde.

Die BayWa gehört zu den Gewinnern der Energiewende. Seit Jahren investiert der Konzern massiv in erneuerbare Energien. „Die BayWa ist heute in Europa einer der größten, wenn nicht sogar der größte Projektierer in den strategischen Wachstumsmärkten Solar, Wind und auch Biogas“, so Lutz. Von der Krise der deutschen Solarhersteller sei die BayWa nicht betroffen. Dies habe sich bei vielen Investoren jedoch noch nicht herumgesprochen, sagt Lutz mit Blick auf die mäßige Entwicklung der BayWa-Aktie.

Die Aktionäre loben zwar die Anhebung der Dividende von 50 auf 60 Cent, sehen allerdings Spielraum für weitere Erhöhungen. Kritik gibt es an der Kursentwicklung. Die Aktie liege wie Blei im Depot. Das Papier notierte gestern Nachmittag bei 27,60 Euro – und damit leicht schwächer als am Vortag. Sören Merkel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) moniert den überproportionalen Kostenanstieg bei der BayWa – etwa bei den Beratungshonoraren. Die schlechtere Ergebnisqualität sei ein Wermutstropfen.

Von Steffen Habit

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