VW beantragt Erhöhung des MAN-Anteils auf 30%

- München/Wolfsburg -­ Volkswagen hat einen weiteren Schritt zur Bildung eines neuen Lastwagenkonzerns mit MAN und Scania getan: Beim Bundeskartellamt beantragte der Wolfsburger Autokonzern die Erlaubnis, seine Beteiligung an MAN auf bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Eine Sprecherin der Behörde sagte am Freitag in Bonn, der Antrag des Autobauers sei bereits am 19. Oktober eingegangen. Das Kartellamt prüfe nun, ob ein derartiger Schritt problematisch sei.

VW hält inzwischen 20 Prozent an MAN, teilte VW-Finanzchef Hans-Dieter Pötsch mit.

Ein MAN-Sprecher sagte, der Antrag von VW komme erwartungsgemäß: Er entspreche der Ankündigung des Wolfsburger Konzerns. MAN hat ein feindliches Übernahmeangebot für den schwedischen Konkurrenten Scania vorgelegt. Volkswagen ist mit 34 Prozent der stimmberechtigten Aktien der größte Anteilseigner von Scania und ist Anfang Oktober mit 15 Prozent bei MAN eingestiegen, um eine freundliche Fusion und den möglichen Zusammenschluss mit seinem eigenen Lkw-Geschäft steuern zu können. Bei einem reinen Aktientausch käme der Autokonzern auf insgesamt 29 Prozent der MAN-Anteile.

VW will seinen Scania-Anteil an MAN verkaufen oder gegen MAN-Aktien eintauschen, wenn MAN mit dem zweitgrößten Scania-Aktionär ­ der schwedischen Familienholding Investor AB ­ handelseinig wird und seinen Scania-Anteil von heute 14,3 entscheidend aufstockt. Investor lehnt das bisherige MAN-Angebot ab.

Ab 25 Prozent plus einer Aktie hätte VW bei MAN eine Sperrminorität. Ein Gegenangebot von Scania zur Übernahme von MAN hatte VW ausgeschlossen.

Unerwartet hohe Kosten der Sanierung haben dem Volkswagenkonzern unterdessen das Ergebnis im dritten Quartal verdorben: Der Nettogewinn brach um 92 Prozent auf nur noch 23 Millionen Euro ein. Auslöser sind Aufwendungen von 700 Millionen Euro für Abfindungen und für den neuen Tarifvertrag, teilte VW mit. Ohne diese Effekte sieht das Bild heller aus: Das Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um fast 90 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro.

Über die ersten neun Monate gesehen, hat der Konzern Umsatz und Nettogewinn kräftig gesteigert. Der Umsatz kletterte um 12 Prozent auf 77 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern stieg um 76,6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Im Ergebnis stecken Sonderbelastungen aus der Sanierung und anderen Effekten von 1,7 Milliarden Euro.

Fortschritte machte VW in den Problemmärkten USA und China: In Nordamerika wurde der Verlust bis Ende September praktisch auf 450 Millionen Euro halbiert. Der Umsatz stieg dank neuer Modelle um mehr als 10 Prozent. In China zeigt der Schwenk zu speziell für das Land konzipierten Modellen Erfolge: Der Vorjahresverlust wurde in einen Gewinn von 72 Millionen Euro gedreht. Mit 17,5 Prozent Anteil ist VW nach eigenen Angaben dort Marktführer.

Bei der Sanierung der Marke Volkswagen geht es weiter voran: Die Markengruppe aus VW, Skoda und Bentley erzielte einen operativen Gewinn bis Ende September von einer Milliarde Euro, nur knapp weniger als die Audi-Gruppe aus Audi, Seat und Lamborghini. Die Investitionen wurden insgesamt drastisch um mehr als 2 Milliarden Euro gekürzt.

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