Befreit Renault Daimler von Chrysler?

Verkauf möglich: - Auburn Hills ­- Daimler-Chrysler bleibt Daimler-Chrysler -­ vorerst jedenfalls. Konzernchef Dieter Zetsche hat die kriselnde US-Sparte zwar erstmals öffentlich in Frage gestellt und die Suche nach einem neuen Partner für Chrysler eingeläutet. Zum endgültigen Bruch zwischen den beiden ungleichen Partnern Daimler und Chrysler, über den in den vergangenen Tagen eifrig spekuliert worden ist, kam es allerdings nicht.

Doch eines ist klar: Die transatlantische Ehe, die vor neun Jahren als "Hochzeit im Himmel" begann, wie der damalige Konzernchef Jürgen Schrempp schwärmte, ist schwer angeknackst. Um Chrysler wieder fit und für neue Partner attraktiv zu machen, verordnete "Dr. Z" Chrysler eine radikale Diät: Die Belegschaft in Nordamerika wird bis 2009 um 13 000 Mitarbeiter abgebaut, außerdem gibt es eine Werksschließung und die Streichung von Schichten.

Anlegern dürften diese Schritte aber wohl nicht weit genug gehen. Die Börse würde es lieber sehen, wenn die Ertragsperle Mercedes den Ballast Chrysler ganz abwerfen würde. Die Reaktion des Aktienmarkts war eindeutig: Der Kurs der Aktie schoss nach der dürren Meldung, dass der Vorstand mit Blick auf Chrysler "keine Option" mehr ausschließt, um fast 5 Prozent in die Höhe.

"Die Trennung wäre ein Befreiungsschlag", erklärte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Daimler würde einen Verlustbringer los, der in Europa mit seinen Produkten nie Fuß gefasst habe und der auch auf dem heimischen Markt in den USA wegen der dort tobenden Rabattschlacht auf keinen grünen Zweig komme.

Daimler hat sich nach Einschätzung von Kurz vor neun Jahren mit Chrysler "den schlechtesten Partner ausgesucht, den man in den USA bekommen konnte". Die Sanierung, bei der unter dem damaligen Spartenchef Zetsche bereits rund 26\x0f000 Stellen gestrichen wurden, war mit viel Mühe verbunden, der Erfolg blieb aus. "Eine Trennung wäre der konsequente Abschied von Schrempps Idee der Welt AG", sagte Kurz.

Bei einer Trennung von Chrysler würden auf die Stuttgarter immense Kosten zukommen, räumte der Aktienexperte ein. "Doch besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende", bemühte Kurz ein Sprichwort.

Götz Klink von der Unternehmensberatung A.T. Kearney hält eine Scheidung vonDaimler und Chrysler für unwahrscheinlich. Das wäre mit einem "höllenmäßigen Aufwand" verbunden, sagte er mit Blick auf eventuelle Pensionsverpflichtungen und Gesundheitskosten für Mitarbeiter und die Kapitalausstattung einer neuen Gesellschaft. Die Synergien bei Daimler-Chrysler würden nicht richtig genutzt, sagte Klink. Die Schwäche bei Chrysler ist nach seinen Worten vor allem eine Produktschwäche, die aber behoben werden könne.

Ein möglicher Partner für Chrysler, Renault, wollte sich nicht öffentlich zu der Partnersuche bei dem US-Autobauer äußern. Eine Renault-Sprecherin erklärte, Konzernchef Carlos Ghosn habe in der vergangenen Woche betont, eine Allianz mit einem nordamerikanischen Partner sei nützlich. Ghosn habe aber auch deutlich gemacht, dass er erst einmal das eigene Haus in Ordnung bringen wolle.

Laut dem "Manager Magazin" führt Konzernchef Zetsche Gespräche mit General Motors. Er wolle die kriselnde US-Sparte Chrysler offenbar an GM verkaufen.

Ghosn sprach 2006 mit dem weltgrößten Autobauer GM über ein Bündnis. Nach den gescheiterten Verhandlungen mit GM im Oktober hatte es Spekulationen gegeben, der krisengeschüttelte US-Autohersteller Ford könnte an einer Fusion mit Renault-Nissan interessiert sein.

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