Befürworter gefeuert, Kritiker verklagt

- München/Hamburg- Das Streitobjekt droht abhanden zu kommen. Obwohl sie beim eigenen Preissystem längst die Notbremse gezogen hat, prozessiert die Bahn nun vor Gericht gegen Kritiker der Tarife. Eine gütliche Einigung scheiterte - nun droht sich das Verfahren bis Anfang August hinzuziehen. Laut Medienberichten ist das alte Preissystem bis dahin längst abgeschafft.

<P>Der Vorsitzende Richter am Hamburger Landgericht hatte wenig Verständnis für die Streitparteien Bahn und Pro Bahn. "Ist das denn alles noch so interessant, jetzt wo die Bahn selber beim Preissystem zurückrudert?", fragte er - vergeblich. Nun soll eine Entscheidung in dem Verfahren am 1. August ergehen.<BR><BR>Nach einer Einstweiligen Verfügung im Januar will die Bahn dem Chef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, endgültig die Behauptung verbieten lassen, jeder Zweite zahle mit dem neuen Preissystem zu viel. Nach einem Tarif-Test in einer Sonntagszeitung ließ sich Naumann kurz vor Weihnachten mit dieser Aussage zitieren. Naumann ließ vor Gericht erklären, das sei nur eine verkürzte Wiedergabe seiner Angaben gewesen. "Wir berufen uns auf die Meinungsfreiheit", sagte zudem sein Anwalt Lothar Neuhoff.<BR><BR>Der Fahrgastverband gehört zu den härtesten Kritikern der neuen Preise, die seit 15. Dezember gelten. "Es darf nicht so weit kommen, dass der Bahn-Vorstand entscheiden darf, was gesagt werden darf und was nicht", sagte Anwalt Neuhoff. "Wir können mit Kritik leben, aber nicht mit der Aussage, wir würden unsere Kunden übers Ohr hauen", entgegnete der Justiziar der Bahn, Christian Schreyer.<BR><BR>"Ist das denn alles noch so interessant, jetzt wo die Bahn selber beim Preissystem zurückrudert?"<BR>Der Vorsitzende Richter am Landgericht</P><P>Die Prozessparteien werden dabei offenbar von den Neuerungen überholt. Die Bahn will nach einem Bericht des "Handelsblatt" bereits Anfang Juli ein überarbeitetes Preissystem vorstellen. Zumindest die Grundzüge der neuen Tarife für den Fernverkehr würden dem Aufsichtsrat am 2. Juli präsentiert, hieß es in Unternehmenskreisen. Bahnchef Hartmut Mehdorn gebe dem neuen Personenverkehrsvorstand bei der Gestaltung des Preissystems freie Hand. Für konkrete Aussagen zu künftigen Ticketpreisen sei es zu früh.<BR><BR>Die Bahn verwies auf die Ankündigung Mehdorns, wonach alle Module des Preissystems zügig auf ihre Kundenwirksamkeit überprüft würden. Daran habe sich nichts geändert. Das am 15. Dezember eingeführte Preissystem war umstritten und wurde von den Kunden nicht so angenommen wie erhofft. Die verantwortlichen Manager sind bereits entlassen.</P>

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