Behandlung auf Rechnung: Nicht gleich jeden Vorschlag akzeptieren

- Häufig bieten Ärzte gesetzlich Krankenversicherten individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an. Dahinter verbergen sich Diagnose- und Behandlungsmethoden, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Der Patient muss sie aus eigener Tasche bezahlen. Experten raten ab, schnell in ein Angebot einzuwilligen.

"Wenn Sie sicher gehen wollen, sollten wir einen weiteren Test machen. Die Kosten müssen Sie tragen." So beginnt manches Gespräch. "Patienten berichten, dass sie sich überfallen oder gar unter Druck gesetzt fühlten", sagt Klaus Zok vom Wissenschaftlichen Institut der AOK.

Am meisten IGeL-Leistungen bieten Gynäkologen und Augenärzte an. Es folgen Urologen, Orthopäden und Hautärzte. "Wir reden vor allem von Vorsorgemaßnahmen und Diagnostik wie dem Glaukom-Screening oder dem so genannten PSA-Test", sagt Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Nicht sofort entscheiden

Die gesetzlichen Krankenkassen weisen darauf hin, dass sie die Kosten für alle medizinisch notwendigen Maßnahmen übernehmen. "Notfälle sind nach wie vor durch die Kassen abgesichert", bestätigt Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. Bei Vorsorgeuntersuchungen reicht ein begründeter Verdacht, damit sie von der Krankenkasse bezahlt werden.

Wird eine IGeL-Leistung angeboten, sollte sich der Patient nicht auf dem Behandlungsstuhl dafür entscheiden. Fragen Sie den Arzt: Warum hält er die Leistung für notwendig? Warum wird diese nicht von der Kasse übernommen? Wo liegen Risiken? Auch die Gebühren sollten erörtert werden. Kostenvoranschläge mit der Beschreibung von Leistungen sind unüblich.

Oft zahlt die Kasse doch

Auf Grundlage der Informationen sollte sich der Patient zunächst an anderer Stelle beraten lassen. Denn Experte Zok warnt: "Es gibt eine ganze Reihe von IGeL-Leistungen, die sehr umstritten sind, weil sie ungenau oder nicht eindeutig sind."

Erster Ansprechpartner ist die Krankenversicherung. "Viele Kassen haben ein medizinisches Call-Center, wo man mit einem Arzt sprechen kann." Ergebnis des Telefonats könne auch die Auskunft sein, dass die Kasse bei der vorliegenden Indikation die Leistung doch übernimmt. "Bitten Sie den Kassen-Mediziner dann um eine schriftliche Bestätigung und stellen Sie einen Antrag."

Auch eine Verbraucher- oder Patientenberatung kann weiterhelfen. "Wir versuchen zu ermitteln, warum der Bundesausschuss die Aufnahme der Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen abgelehnt hat", sagt Jürgen Moroff, Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Bremen. Schließlich bleibt der Gang zu einem weiteren Arzt.

Teurer Multiplikator

Auf Aushängen oder Faltblättern in den Praxen lässt sich selten erkennen, wie die Gebühren zustande kommen. Berechnungsgrundlage ist die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), in der für jede Leistung ein Satz festgehalten ist.

"Der Arzt kann den bis zu 2,3-fachen, in begründeten Ausnahmen den bis zu 3,5-fachen Gebührensatz in Rechnung stellen", erklärt Moroff. So kann ein Gynäkologe für eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft den einfachen Satz von 17,49 Euro oder den 2,3-fachen von 40,22 Euro berechnen. Um zu beurteilen, ob eine Forderung überzogen ist, muss man wissen, mit welchem Faktor der Arzt multipliziert hat. "Der Patient sollte nachfragen, wie sich der Preis gestaltet, und im Zweifelsfall die Ärztekammer hinzuziehen", empfiehlt Hoppe.

Schriftlicher Vertrag

Haben sich Patient und Arzt geeinigt, muss ein schriftlicher Vertrag formuliert werden. Nach Abschluss der Behandlung muss die schriftliche Rechnung erfolgen. Ohne Vertrag und Rechnung muss der Patient nicht zahlen, sagt Schuldzinski.

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