Beifall für Köhlers Vorschläge: Die Frage ist, wie man's macht

- München - Arbeitnehmer sollen an Gewinnen der Unternehmen beteiligt werden. Die Vorschläge von Bundespräsident Horst Köhler stießen in der Politik fast einhellig auf Zustimmung. In den Gewerkschaften fand er weniger Gegenliebe. Arbeitnehmer trügen neben dem Arbeitsplatz-Risiko dann auch das Verlustrisiko, kritisierte IG-Metall-Chef Jürgen Peters.

"Wozu bräuchte es noch Unternehmer, wenn immer mehr Risiken durch die Beschäftigten getragen würden", wendet auch Josef Falbisoner, Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, ein. Allerdings gibt es auch aus dem Gewerkschaftslager andere Stimmen: Hubertus Schmoldt, Chef der Chemie-Gewerkschaft BCE, sagte gegenüber dem "Handelsblatt": "Was der Bundespräsident hier anmahnt, kann ich alles unterstützen." "Das war das erste Mal, dass der Bundespräsident so klare Worte zur nachlassenden sozialen Balance gefunden hat", sagte Verdi-Vize Franz Werneke der "Netzzeitung".

Im Hintergrund der Debatte spielt auch die Mitbestimmung in den Aufsichtsräten eine Rolle. Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger legt die Finger in diese Wunde. "Wir freuen uns über diese Form der Mitbestimmung", sagte er gegenüber dieser Zeitung zur Beteiligung von Arbeitnehmern an ihren Unternehmen. Allerdings sieht er dann die Aufsichtsratmitbestimmung in Frage gestellt. Sonst ergäbe sich ein Übergewicht der Gewerkschaften.

Bislang stellen Arbeitnehmer die Hälfte der Aufsichtsratssitze, die andere Hälfte vertritt die Kapitalseite, die sich in Zweifelsfällen ein Übergewicht sichern kann. Denn bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende, der von der Kapitalseite gestellt wird. Hans Sterr von Verdi Bayern sieht in Arbeitnehmeraktien keinen Ersatz für die Mitbestimmung: "Wir glauben nicht, dass die Beteiligung Größenordnungen erreicht, wo man mitbestimmen kann."

Gewerkschaften sind skeptisch

Ohnehin kann ein Beteiligungsmodell nur funktionieren, wenn der Arbeitnehmer und Miteigentümer auch in die Bilanzen des Unternehmens schauen kann. Doch die meisten Unternehmen unterliegen keiner Veröffentlichungspflicht. Damit ist sinnvolle Beteiligung und Mitsprache gar nicht möglich.

In einem Punkt sind sich Gewerkschaften und Aktionärsvertreter einig: Zu Auswüchsen wie bei einigen Aktienoptionsplänen darf es nicht mehr kommen. Dann sei, so Sterr, "die Nachhaltigkeit gefährdet". "Solche Aktienoptionsprogramme führen zu Fehlanreizen und Fehlsteuerungen", sagt auch Straub. Grundsätzlich aber sieht er die Anregung Köhlers positiv. Man müsse aber "differenzieren, wie es gemacht wird".

Die gewerkschaftliche Skepsis gegenüber einer Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen teilt überraschend auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft. "Wenn jemand nicht nur sein Erwerbseinkommen, sondern auch sein Kapitaleinkommen allein an sein Unternehmen bindet, dann halte ich das nicht für gut", sagte IW-Chef Michael Hüther. Er plädiert für Erfolgsprämien, bei denen ein Teil des Einkommens an die persönliche Leistung und den Gewinn des Unternehmens gekoppelt ist.

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