Beim AKW-Bauer Areva brodelt es gewaltig 

Erlangen - Erst machen Gerüchte um einen massiven Stellenabbau die Runde, dann kündigt auch noch der technische Geschäftsführer seinen Rücktritt an: Die Belegschaft des Atomkraftwerkbauers Areva ist verunsichert.

Nach Spekulationen über einen massiven Stellenabbau bei Areva in Deutschland und dem angekündigten Rücktritt des technischen Geschäftsführers hat die IG Metall Klarheit über die künftige Strategie gefordert. “Die Lage für die Beschäftigten des einzigen deutschen Kernkraftwerkbauers Areva NP ist vor dem Hintergrund der deutschen Ausstiegsbeschlüsse schwer genug“, sagte Konzernbetreuer Wolfgang Niclas am Mittwoch. Durch den überraschend angekündigten Rücktritt des Geschäftsführers Ulrich Gräber zum Jahresende drohe zudem der Verlust von Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit der deutschen Geschäftsführung.

Gräber hatte seinen Rücktritt am Dienstag der Belegschaft avisiert, wie der Konzern am Mittwoch in Erlangen bestätigte. “Er will vor dem Hintergrund der neuen Strategie, die einen langen Atem erfordern wird, Kontinuität und Stabilität gewährleisten“, erläuterte Sprecher Christian Wilson die Motive des 63-Jährigen. Zeitgleich mit Gräbers Abgang wird auch der kaufmännische Geschäftsführer Rüdiger Steuerlein in den Ruhestand gehen. Die Gewerkschaft zeigte sich alarmiert.

Zumal erst am Dienstag ein französischer Medienbericht in der deutschen Areva-Zentrale für Unruhe gesorgt hatte. Danach soll das Werk im belgischen Dessel geschlossen und in Deutschland 800 Stellen abgebaut werden. Das Wirtschaftsmagazin “L'Expansion“ berief sich dabei auf einen namentlich ungenannten Areva-Manager, eine Stellungnahme aus Paris gab es zunächst nicht. Auch in Erlangen mochte man die Gerüchte bis zur Präsentation der neuen Strategie im Dezember nicht kommentieren.

Vor dem Hintergrund des deutschen Atomausstiegs betreffen die Stellenstreichungen dem Bericht zufolge die drei Brennstoffhersteller in Lingen, Offenbach und Erlangen. “Wir verlangen eine klare Positionierung der deutschen Geschäftsführung und insbesondere der französischen Mutter über die Zukunft der deutschen Areva“, forderte Gewerkschafter Niclas. Die Beschäftigten bräuchten jetzt Klarheit und Transparenz über die strategische Ausrichtung.

dpa

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