Beim Büro der Zukunft kommt es nicht auf den letzten Euro an

- München - Die Welt der Büroimmobilienmakler in München ist ins Wanken geraten. Nur noch träumen können die Vermieter und Vermittler von den Zeiten, als die jungen Chefs der ebenso jungen Hightech-Firmen ihnen jeden verkabelten Quadratmeter unbesehen aus den Händen rissen. Heute fristen viele Bürokomplexe ein tristes Dasein, ganze Stockwerke stehen leer und die Preise bröckeln. Zu viele Objekte kamen just im tiefsten Konjunkturtal auf den Markt, als die jungen Chefs der jungen Firmen längst das Handtuch geworfen hatten und - neben so manchem finanziellen Scherbenhaufen -viel Platz hinterließen.

<P>Und dennoch: Den Münchner Maklern geht es besser als denen in Berlin oder Düsseldorf, denn der Münchner Markt - da ist sich die Hamburger Immobilienexpertin Monika Litschke sicher - hat das Zeug, schnell wieder anzuspringen, weil hier anders als etwa in der Bundeshauptstadt die wirtschaftliche Struktur stimmt. Dann kann auch der Leerstand wieder abgearbeitet werden. Bis es freilich so weit ist, leiden vor allem die älteren Büroobjekte unter mangelnder Nachfrage. Mit dem Bereitstellen schierer Quadratmeter-Fluchten ist es nämlich längst nicht mehr getan, meint Litschke.</P><P>Es kommt nicht auf den letzten Euro an, nicht auf die möglichst große Fläche, sondern ganz einfach auf die Kosten je Arbeitsplatz. Und da ist natürlich weniger mehr. Die meisten Betriebe unterhalten feste Arbeitsplätze für Mitarbeiter, die sich den Großteil des Tages außer Haus aufhalten. Das betrifft nicht nur Vertreter, sondern auch Führungspersonal. Studien hätten ergeben, so Litschke, dass sich Manager im Schnitt nur 30 Prozent der Arbeitszeit in ihren oft besonders üppig bemessenen Büros aufhalten. Das ist die Arbeitswelt von gestern, die von morgen, ist flexibler. Eine platzsparend Lösung sind zum Beispiel so genannte Stand-by-Büros. </P><P>Diese kistenartige Arbeitsplätze können bei Abwesenheit des Arbeitsplatzinhabers zusammengeklappt und im Konferenzraum verstaut werden. "Platz für ein Bildchen von Ehefrau und Kindern ist auch nocht", versichert die Immobilienfachfrau, die für die Deutsche Immobilien Fonds AG (Difa) arbeitet, die derzeit 500 Millionen Euro in die Münchner Riem-Arcaden in der Messestadt investiert.</P><P>Auch der Münchner Siemens-Konzern ist gerade dabei, sich von fixen, abgeschotteten Büros zu trennen. Die starre Zuordnung von Mitarbeitern zu festen Arbeitsplätzen soll künftig nicht mehr Standard sein. In Zukunft soll es Zonen für konzentriertes Arbeiten geben, Räume für diskrete Besprechnungen und kommunikative Flächen.</P><P>Letzteres hält auch Monika Litschke für unverzichtbar in der wohl kommenden Zeit der Büro-Nomaden. Gern genutzt, so ihre Erfahrung, werden auch "Räume der Stille", Zimmer also, die sich durch das Fehlen von Telefongeklingel, Parteienverkehr und Hektik auszeichen und die ein paar Minuten Durchatmen erlauben. </P><P>Für überflüssig hält Litschke in den meisten Fällen eigene Konferenzräume für jede einzelne Firma. Stattdessen könnten bereitstehende Räumlichkeiten je nach Bedarf gemietet werden. Überhaupt müssten sich Immobilienanbieter mehr auf die Bedürfnisse der künftigen Nutzer einstellen. Und die wollen sich nicht jeden Morgen in ein Büro-Ghetto begeben, sondern in ihrer Arbeitsumgebung Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie vorfinden, womöglich noch Fitness- und Wellness-Studios im Haus haben.<BR></P>

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