Kooperation von BMW und Mercedes

Beim Motor hört die Freundschaft auf

München – Rücken BMW und Mercedes in der Not zusammen? Vieles spricht dafür. Doch eine mögliche Zusammenarbeit hat enge Grenzen.

BMW und Mercedes, das ist spätestens seit den 1970er-Jahren ein Dauer-Wettstreit. Beide stehen bei den Premium-Fahrzeugen an der Weltspitze, beide beliefern vergleichbare Kundengruppen und beide legen Wert darauf, dass sie ihren Kunden fürs viele Geld deutlich mehr bieten als andere. In der Krise und angesichts einbrechender Gewinne stehen beide unter dem Druck ihrer Aktionäre, nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu suchen. Kann es sein, dass, um Kosten zu sparen, in der E-Klasse aus Stuttgart künftig die gleichen Motoren ihren Dienst verrichten wie in der 5er-Serie von BMW? Die klare Antwort: Nein.

Wer im Inneren von Autos sucht, findet in Farbikaten nahezu aller Marken ein hohes Maß an Gleichteilen. Schließlich kommt seit Jahrzehnten nahezu alles in den Fahrzeugen von Zulieferern. Den Fahrern ist es ziemlich egal, wenn in BMW wie Mercedes gleiche Airbags verbaut sind, oder ob kaum sichtbare Sitzbeschläge fast identisch sind und baugleiche Anlasser und Lichtmaschinen zuverlässig ihren Dienst verrichten. Kein Fahrzeughersteller würde es heute noch schaffen, allein ein einigermaßen konkurrenzfähiges Getriebe zu entwickeln. Hier ist der Großteil der Kompetenz auch für die Entwicklung bei Zulieferern angesiedelt.

Nur bei den Motoren hört zwischen BMW und Mercedes die Gleichmacherei auf. Wird hier die Konkurrenz aufgegeben, haben die Rivalen ein ernsthaftes Problem, ihre Autos als etwas Besonderes zu verkaufen. Denn die Motoren sind die Fahrzeugkomponenten, anhand derer sich die Hersteller voneinander absetzen und bei denen Konkurrenz die Entwicklung voranbringt.

Auch die Kooperation bei schweren Hybrid-Fahrzeug-Antrieben – hier entwickeln BMW, Mercedes und General Motors gemeinsam – steht dazu nicht in Wiederspruch. Kabel, Elektromotoren, die Steuerung, die Elektronik und vieles andere, was zum Hybrid gehört, kann bei allen Marken identisch sein. Der Verbrennungsmotor als zentrale Hybrid-Kraftquelle wird bei Mercedes von Mercedes kommen, bei BMW von BMW.

Kostensparen lässt sich auch anders: Die für viel Geld entwickelten Motoren rechnen sich eher, wenn sie auch in anderen Autos eingebaut werden. So waren – und sind – Mercedes-Motoren auch in US-Fahrzeugen des Daimler-Chrysler Konzerns zu finden. BMW verkauft darüber hinaus seit Jahren Motoren auch an Dritte: Im Rolls Royce waren BMW-Zwölfzylinder bereits verbaut, als die Nobelmarke noch nicht zum weißblauen Konzern gehörte. Sportliche BMW-Triebwerke sorgen auch in den seltenen Roadster-Modellen von Morgan oder Wiesmann für Kraft. Diesel-Technik von BMW fand sich sogar in einem Opel-Modell (dem Omega). Und – man glaubt es kaum – selbst in der Hybrid-Variante der Siemens-Trambahn Combino ist ein BMW-Dieselmotor im Einsatz.

Umgekehrt bedient sich BMW auch bei anderen: Die Benzinmotoren im Mini der ersten Generation waren von Chrysler, die aktuellen sind eine gemeinsame Entwicklung mit Peugeot. „Diesmal ist es aber ein echter BMW-Motor“, sagen die Münchner Motorenbauer trotzig. Man habe lediglich die Fähigkeiten der Franzosen für die Massenherstellung genutzt.

Wo aber könnten BMW und Mercedes fruchtbar zusammenarbeiten? Vor allem bei der Entwicklung von Elektronik und Fahrzeugteilen, Sicherheitstechnik, Getriebesystemen und Bremstechnik. Hier holen beide bereits die Entwicklungshilfe externer Zulieferer an Bord. Sie achten eifersüchtig, aber nur mit mäßigem Erfolg darauf, dass der jeweilige Konkurrent davon nicht profitiert. Hier ist die Rivalität nur noch teuer, bringt aber bei den Kunden kaum Punkte. Auch bei der Beschaffung von Rohstoffen könnte eine Einkaufsgemeinschaft spürbare Kostenvorteile bringen.

Von Martin Prem

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