Beim Müll hält Konkurrenz Einzug: Grüner Punkt wird runderneuert

- Bonn - Deutschlands Verbraucher können auf sinkende Kosten für die Entsorgung von Verpackungsmüll hoffen. Auf Druck des Kartellamtes wird der Bonner Entsorgungsriese Duales System Deutschland (DSD) - bekannt durch sein Markenzeichen "grüner Punkt" - völlig umgekrempelt und der Wettbewerb auf dem Müll-Markt gestärkt. Dieser werde zu sinkenden Preisen führen, prognostizierte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

<P>Deutschlands oberste Wettbewerbsbehörde hatte bereits seit Jahren Bedenken gegen die Struktur des marktbeherrschenden Unternehmens zur Rücknahme und Entsorgung von Verkaufsverpackungen angemeldet. Denn bei dem Fast-Monopolisten waren die Großunternehmen des Handels und der Industrie gleichzeitig Hauptaktionäre und wichtigste Kunden. Zuletzt hatten die Wettbewerbshüter deshalb sogar mit einer Untersagungsverfügung gedroht.</P><P>Mit seinem Schritt kommt der Konzern nun dem drohenden Verbot zuvor. Die "kartellartige Struktur des Unternehmens" werde aufgelöst, die Aktienmehrheit des DSD an der Börse platziert, teilte das Unternehmen in Bonn mit. "In den Verhandlungen mit dem Bundeskartellamt hat sich erwiesen, dass dies der einzige verantwortbare Weg ist, eine Untersagung abzuwenden und damit den dauerhaften Fortbestand des Unternehmens zu ermöglichen", erklärte das Unternehmen. Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge zeigte sich "sehr zufrieden" mit der Entwicklung und stellte eine Einstellung des Untersagungsverfahrens in Aussicht.</P><P>In einem ersten Schritt sollen nun die Großunternehmen des Handels und der Industrie aus dem Kreis der DSD-Aktionäre ausscheiden. Auch die bisherigen stillen Beteiligungen aus diesen Branchen würden gekündigt, erklärte das Unternehmen. Der Anteil der verbleibenden Altaktionäre am Stammkapital soll auf unter 25 Prozent reduziert werden.<BR>Die DSD-Aktien sollen dann durch einen Börsengang oder eine vergleichbare Platzierung an den Markt gebracht werden. Bis dahin würden die Anteile durch einen neutralen Investor übernommen, berichtete das DSD. Gleichzeitig zieht das Unternehmen seine Klagen gegen die Zulassung von Konkurrenzsystemen zurück. Grünes Licht für die Neuordnung muss allerdings noch eine außerordentliche Jahreshauptversammlung des DSD geben.</P><P>Kartellamtspräsident Ulf Böge kündigte an, er werde das noch anhängige Untersagungsverfahren gegen das DSD einstellen, "wenn die Jahreshauptversammlung den Beschluss des Aufsichtsrates abgesegnet hat und bis Ende des Jahres die notwendigen Maßnahmen unumkehrbar eingeleitet worden sind". Mit der Neuordnung der Anteilseignerstruktur verschwinde zwar nicht automatisch die marktbeherrschende Stellung des DSD. Doch gehe das Kartellamt davon aus, dass die Bedingungen für mehr Wettbewerb auf dem Entsorgungsmarkt deutlich verbessert würden. Dies werde auch den Verbrauchern zu Gute kommen.<BR><BR></P>

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