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Ein Nebenjob – etwa als Reinigungskraft – ist abgabenbegünstigt. Doch wer neben dem Hauptberuf mehrere Arbeitsverhältnisse pflegt oder den möglichen Verdienst von 400 Euro überschreitet, läuft in eine Abgabenfalle.

Was beim Nebenjob zu beachten ist

München - Über 60 000 Menschen in München haben einen Nebenjob, um den Verdienst aus dem Hauptberuf aufzubessern. Der Staat fördert das durch eine weitgehende Abgabenbefreiung. Doch es gibt Grenzen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Zu wenig Geld zum Leben oder um sich etwas leisten zu können? Für immer mehr Menschen heißt die Antwort: Nebenjob. Doch was ist zulässig und was nicht?

Wer darf einen Nebenjob annehmen?

Die Antwort findet man im Arbeitsvertrag für den Hauptjob. Steht darin, dass eine Nebenbeschäftigung genehmigt werden muss, geht ohne Zustimmung des Arbeitgebers nichts (Bundesarbeitsgericht Az.: 9 AZR 464/00). Doch kann der Chef nur betriebliche Belange als Verweigerungsgrund geltend machen – etwa wenn man nebenher bei der Konkurrenz anheuert oder den Hauptberuf wegen Erschöpfung nicht mehr richtig ausüben kann. Die Höchstarbeitszeit aus allen Jobs (durchschnittlich 48 Stunden pro Woche) darf nicht überschritten werden. Eine Ruhezeit von elf Stunden nach Feierabend ist ebenfalls einzuhalten. Und ein Nebenjob im Urlaub ist tabu.

Wie viele Nebenjobs darf man haben?

Beliebig viele. Doch ab dem zweiten wird es teuer – weil nur eine Nebenbeschäftigung unter die günstige Minijob-Regelung fällt – auch wenn dadurch die 400-Euro-Grenze nicht ausgeschöpft wird.

Ein Beispiel: Der erste Nebenjob bringt 200 Euro brutto. Der Arbeitnehmer bekommt meist den vollen Lohn. Manchmal ziehen Arbeitgeber den pauschalen Lohnsteueranteil von zwei Prozent ab. Dann bleiben 196 Euro. Der Arbeitgeber übernimmt die restlichen Abgaben (bis zu 58,20 Euro). Diese dürften nicht auf den Arbeitnehmer umgewälzt werden.

Der zweite Nebenjob bringt auch 200 Euro brutto. Abgezogen werden: Lohn- und gegebenenfalls Kirchensteuer (meist Klasse VI) und Arbeitnehmeranteile zu den Sozialabgaben. Das sind zusammen 63,61 Euro. Der Arbeitgeber bezahlt die Arbeitgeberanteile (36,45 Euro). Dem Arbeitnehmer bleiben von 200 Euro gerade noch 136,39 Euro.

Was ist mit dem Nebenjob bei Krankheit?

Zunächst gibt es sechs Wochen lang die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Danach geht der Arbeitnehmer beim für ihn abgabenfreien Minijob leer aus. Beim sozialversicherungspflichtigen zweiten Nebenjob hat er Anspruch auf Zahlungen durch die Krankenversicherung.

Erwirbt man einen Anspruch auf bezahlten Urlaub?

Auch im Nebenjob steht den Beschäftigten Urlaub zu. Das ist mindestens der gesetzliche Mindesturlaub von 24 Tagen. Sind günstigere Regelungen durch Tarifvertrag festgelegt oder betriebsüblich, gelten diese auch für die Nebenjobber. Auch die Arbeit, die wegen eines Feiertags ausfällt, wird bezahlt und muss auch nicht nachgearbeitet werden.

Gibt es im Nebenjob Weihnachts- oder Urlaubsgeld?

Auch hier gilt: Was betriebsüblich ist, bekommt (anteilig nach Arbeitszeit) auch der im Nebenjob Beschäftigte. Doch manche laufen hier in eine Falle: Steigt durch Sonderzahlungen der durchschnittliche Monatslohn über 400 Euro, wird der Job voll sozialversicherungspflichtig.

Was ist wenn man einen Hauptberuf hat, dazu einen Nebenjob und zusätzlich noch einige Wochen etwa als Erntehelfer arbeitet?

Sogenannte kurzfristige Beschäftigungen (bis zu 50 Tage im Kalenderjahr oder zusammenhängend zwei Monate) werden anders erfasst als die Minijobs. Es ist unter bestimmten Bedingungen möglich, zusätzlich zum Hauptberuf und Nebenjob saisonweise zu arbeiten, ohne dass dadurch Sozialversicherungspflicht entsteht. Die Steuer kann mit je nach Beschäftigungsart unterschiedlichen Sätzen pauschaliert werden. In vielen Fällen ist aber die Arbeit nach Lohnsteuerkarte sinnvoller. Allerdings gilt auch hier: Pflichten aus dem Hauptarbeitsverhältnis dürfen nicht beeinträchtigt sein: Wer in seinem Urlaub sechs Wochen lang kellnert, liefert dem Hauptarbeitgeber einen Grund für eine Abmahnung oder sogar die Kündigung.

Wie steht es mit Nebenjobs bei Rentnern?

Wer nach der Rentenaltersgrenze eine Rente bezieht, kann unbeschränkt dazuverdienen. Es gelten die üblichen Abgabensätze, wie bei Arbeitsnehmern auch. Wer vorzeitig in Rente geht, eine Erwerbsminderungs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht, muss Kürzungen in Kauf nehmen. Bis 400 Euro hinzuverdient sind aber unschädlich.

Von Martin Prem

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